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Herr Draghi sah bei der gestrigen EZB Presse-Konferenz ganz schön fertig aus. Musste er sich doch gegenüber Anschuldigen wehren, die EZB hätte noch viel mehr tun können als "nur" die Leitzinsen um einen kleinen Schritt zu senken. Als Reaktion auf den kleinen Schritt der EZB schossen die Zinsen für italienische und spanische Anleihen hoch. Die Börsen und der Euro schmierten sofort ab. Die Märkte hatten mehr erwartet. Wenn etwas nicht so läuft wie gewünscht, dann wird schnell nach dem Schuldigen gesucht, doch wer ist es?

Die EZB steht ein wenig da wie der Schuldige, auf den alle schauen. Die europäische Zentralbank  hätte ebenso wie die Politiker während des letzten EU-Gipfels, ein Kursfeuerwerk an den Märkten auslösen können, wenn sie nur gewollt hätte. Wenn sie zum Beispiel den Leitzinssatz nicht um 25 Basispunkte sondern um 50 gesenkt hätte. Oder wenn sie eine Rettungsgarantie für die Bankenwelt ausgesprochen hätte. Hätte wenn und aber helfen allerdings nicht. Die Politik steht jetzt so da, als habe sie gute Ergebnisse präsentiert (man kann nicht erarbeitet sagen, denn das würde den Kern der Aussage nicht treffen). Sie hat im medialien Scheinwerferlicht genau das gemacht, was die Märkte gefordert haben und damit scheinbar einen großen Schritt in die richtige Richtung getan. So wurde es kommuniziert.

Und die EZB? Die Zentralbank steht da wie ein begossener Pudel, wie ein Spielverderber, gar wie ein Versager. „War das alles, was ihr für die Rettung der Eurozone machen konntet“, haben wohl einige laut rufen wollen. Dass die EZB schon viel mehr gemacht hat, als sie überhaupt darf, das wird schnell vergessen. Es ist üblich, dass bei Konfrontationen die negativen Aspekte höher bewertet werden als die positiven. Wenn das hier und heute zählt, dann hat die EZB eben nicht genug getan. Man zeigt mit dem Finger auf die europäische Zentralbank.

Es ist gar nicht die Aufgabe der EZB, den Retter zu spielen. Die Politik muss ihre Haushalte selbst in Ordnung bringen und nicht auf die Unterstützung der Zentralbank hoffen. Leider hat die EZB den Fehler gemacht sich in der Vergangenheit vor den Karren der Politik spannen lassen, anstatt auf ihre Unabhängigkeit zu pochen und sich auf ihre Kernaufgabe, nämlich die Stabilität des Euro, zu konzentrieren. Jetzt hängt sie mittendrin und kann nicht mehr zurück. So ist das, wenn man in fremdem Terrain agieren möchte (Konjunkturpolitik), es geht meist in die Hose.

Und jetzt? Die Finanzmärkte zeigen mit dem Finger auf die EZB und schmollen, sie sind enttäuscht. Die EZB guckt durch die großen Brillengläser, zuckt mit den Schultern und zeigt auf die Politik. Die Politik weiß, dass sie versagt hat, sie kann daher den Ball nicht einfach zurückspielen. Also zeigen Mittel- und Nordeuropäer auf die Südländer. Dort solle man die Schuldigen suchen. Die Südeuropäer sehen das ganz anders. Sie würden ja wieder auf den richtigen Pfad zurückkehren, wenn es denn eine Wachstumsinitiative geben würde, die wird aber von den Mittel- und Nordeuropäer abgelehnt.

Früher hat man sich gegenseitig nicht die Augen ausgekratzt, da saß man noch im selben Boot. Damals konnte man noch gemeinsam Schulden machen. Jetzt hat man in Europa die Südländer ausgesetzt. Denen steht das Wasser bis zum Hals, sie drohen unterzugehen. Hier kann man wieder einmal besonders gut erkennen, wie weit es in Europa mit der Gemeinschaft her ist. In der Not will man mit den "Armen" nichts zu tun haben. Man setzt sie einfach aus.

Die kommenden Wochen werden spannend werden. Wer verliert zuerst die Fassung in Europa?

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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