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Die Zentralbanken haben es wieder getan. Sie haben den Leitzins gesenkt und vereinzelt Stützungsmaßnahmen angekündigt. Die Finanzmärkte haben sich auf dieses Ereignis gefreut, bringt es ihnen doch noch mehr Liquidität als bisher. Das Problem ist aber, dass es nur mit neuer Liquidität nicht getan ist. Wem bringt eine Leitzinsänderung um 25 Basispunkte etwas, wenn niemand das Geld haben will. Die Banken kommen leichter an Geld, aber die Wirtschaft braucht gar keinen Kredit. Somit ist die Interpretation einer Leitzinssenkung recht einfach. Sie bringt nichts.

Vor allem ist die Betrachtungsweise wichtig. Wann ist eine Leitzinssenkung von Nöten? Eben, wenn die Konjunktur schlecht läuft. Das heißt, immer wenn eine Zentralbank sich genötigt sieht, zu solch einer Maßnahme zu greifen, dann ist die Kacke am Dampfen, wie man es umgangssprachlich ausdrückt. Dann funktioniert der Wirtschaftsmotor nicht ordentlich, er braucht Unterstützung. In der Theorie ist der Plan so, dass die Zentralbanken den Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld leihen können senken und die Banken zu günstigen Zinsen Kredite an die Wirtschaft weitergeben.

In der Folge kommt die Wirtschaft an frisches Geld, kann damit Fabriken bauen und andere Investitionen tätigen. Sie stellt Arbeitskräfte ein, diese verdienen Lohn und geben ihn aus und steigern die Nachfrage nach Konsumgütern. Wie gesagt, das ist die Theorie. Wir durchleben aber eine Zeit, in der diese Theorie nicht umgesetzt wird. Die Banken behalten das Geld einfach, weil sie das Risiko eines Kreditausfalls nicht eingehen wollen. Über die Unternehmen haben wir bereits berichtet, die wollen kaum noch Kredite, wofür auch?

So kam es heute zu einer Entscheidung der Bank of England (BoE), ihren niedrigen Leitzins so wie bisher bei 0,5% beizubehalten und das Volumen ihres Anleihekaufprogramms von £325 Mrd. auf £375 Mrd. zu erhöhen. Das war so vom Markt erwartet worden. Überraschend meldete sich zur gleichen Zeit die chinesische Zentralbank zu Wort und verkündete eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte auf nun 3%.

Das ist insofern besorgniserregend, da man in Europa bis zuletzt an die starke Konjunkturlokomotive China geglaubt hat. Diese hat aber nun den Rückwärtsgang eingelegt und lahmt, anstatt mit Volldampf zu fahren. Die Wirtschaft in China kühlt sich merklich ab, auch wenn es die Politik nicht wahrhaben will. Da China bereits mit der Inflation zu kämpfen hat, ist eine Leitzinssenkung, die den Markt mit noch mehr frischem Geld fluten soll, mit besonderer Vorsicht zu genießen.

Auch die europäische Zentralbank (EZB) hat ein Zeichen gesetzt und senkte ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf nun 0,75%. Das ist der günstigste Zinssatz, den sie je für die Eurozone angesetzt hat, man spricht von einem Rekordzinssatz. Während eigentlich das Wort „Rekord“ etwas Positives sein sollte, ist es im Falle der Zentralbank etwas Negatives.

Die Zentralbanken lernen einfach nicht aus ihren Fehlern. Die amerikanische Zentralbank FED hat es vorgemacht. Sie hat den Leitzins bereits in der Vergangenheit auf Null gesenkt (Spanne: 0,00-0,25%) und guckt nun doof aus der Wäsche. Wenn eine Zentralbank all ihr Pulver verschießt, dann hat sie bald keine Werkzeuge mehr, um den Markt wirklich noch zu beeinflußen. Auf dem gleichen falschen Weg ist nun auch die EZB. Man begibt sich hier in eine Abhängigkeit der Finanzmärkte und der Politik und senkt solange die Zinsen, bis es nichts mehr zu senken gibt.

Als Resultat wird man der entsprechenden Zentralbank kein Vertrauen mehr entgegen bringen. Jemand, der mit einem stumpfen Schwert kämpft, kann niemandem wirklich weh tun.

Am heutigen Tag haben die chinesische und die europäische Zentralbank ihre Leitzinsen gesenkt. Das bedeutet für die beiden Wirtschaftszonen nichts Gutes.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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