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Wer der Sprache mächtig ist, der knüpft schneller Kontakte, kann sich besser ausdrücken und kann sich in die Gemeinschaft schneller integrieren. Derjenige, der die Sprache perfektioniert, kann die Menschen, die ihm zuhören leiten, Sachverhalte anders zu interpretieren, als sie tatsächlich passiert sind. Die Sprache der Werbung ist hinlänglich bekannt. Die einpeitschenden Worte der Propaganda ebenso. Neu hervorzuheben ist die Wortwahl, mit der die Medien über die Schuldenkrise berichten.

Im Zusammenhang mit der Schuldenkrise wird besonderen Wert darauf gelegt, dass diejenigen, die die Schulden gemacht haben und diejenigen, die für die Misere verantwortlich sind, als Geschädigte dargestellt werden. In der Berichterstattung wird oft von dem "armen" Schuldner gesprochen. Für den Privatmann gilt diese Vorgehensweise nicht. Den kann man für seine finanziellen Versäumnisse nicht schnell genug vor den Kadi bringen.

Wenn ein Staat Anleihen ausgibt um frisches Geld einzunehmen, dann wird von "großen Mühen" gesprochen. Ein Staat muss also besonders viel Kraft aufwenden, damit das Ziel erreicht werden kann. Die Zeitungen und Internetseiten sind voll damit, wie schwer es z.B. Italien und Spanien haben. Sie mussten wahre Höchstleistungen erbringen, um noch an Geld zu kommen. Man könnte meinen, man muss den Staaten auf die Schulter klopfen. Dass der Staat aber selbst schuld ist, dass er in diese schwierige Lage gelangt ist, wird unter den Teppich gekehrt.

Die Staaten "leiden" unter dem Schuldenberg, ist oft zu lesen. Man ist fast zu Tränen gerührt, achtet man auf diese mitfühlenden Worte. Der Schuldenberg ist scheinbar über Nacht über die Weltgemeinschaft gekommen. Die Medien hatten die Schuldenorgie nicht kommen sehen, in der sie seit Jahren mitspielten. Plötzlich aber ist die Last so groß und der "arme" Schuldner muss sich nun unter Schmerzen durch diese schwere Zeit kämpfen, er "leidet" eben.

Auch Banken sind in den Worten der Medien die Geschädigten, wenn es um ihre Rolle in der Schuldenkrise geht. So wird kaum mit dem Finger auf sie gezeigt, dass sie die Schuldenorgie mit angefacht haben. Im Verhältnis dazu sind die mitfühlenden Artikel deutlich in der Überzahl. Sobald das Thema an Finanzregeln (z.B. mehr Eigenkaptal) für die Finanzindustrie gelangt, werden die Schutz-Artikel losgefeuert. Sofort wird von "drohen" gesprochen, Banken "müssen" oder es werde "verlangt". Man spricht von "Strenge".

Hola, ist das harter Tobak von den Medien, darf der Leser hier einwerfen. Die Banken waren selbst nicht in der Lage, sich zu kontrollieren und haben selbst zu dem Unheil beigetragen. Jetzt müssen den Finanzinstituten eben Zügel angelegt werden, das klingt naheliegend. Dass die Medien sich auf die Seite der "Vermögenden" schlagen, ist dreist und zeigt wie unparteiisch die vierte Macht im Staate ist.

Auch bei den Abschreibungen ist es ähnlich. Da "drohen" Abschreibungen und "belasten" die armen Finanzhäuser. Wer sich nicht verzockt hätte, bräuchte auch nicht im großen Ausmaß abschreiben, könnte man erwidern. Davon ist aber kaum etwas zu lesen.

Die mit Bedacht gewählten Worte der Schlagzeilen sollen ein bestimmtes Gefühl beim Leser wecken. Unterschwellig wird zu einer Art Solidarität („so schlimm war es auch wieder nicht“, „die anderen haben auch mitgemacht“, „es war ja nicht mit Absicht“) aufgerufen. Der Sinn ist es, den Schaden geringer darzustellen als er tatsächlich ist, während gleichzeitig der Fokus vom Hauptschuldigen weggelenkt wird. Darin liegt die Absicht.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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