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Schon wieder hat der Anleger das Gefühl, da spielt sich ein Film an der Börse ab, den er nicht versteht. Die Börsen steigen und verdutzt schaut der Anleger zu, warum der DAX auf einmal aus dem Stand 7% gewinnt, ohne dass sich etwas in der Welt getan hat. Wer an der Börse Gründe für den DAX-Anstieg sucht, ist dort falsch, wer dort aber heiße Luft sucht, goldrichtig. Es passieren einfach Dinge, die lassen sich nicht erklären. Das ist mit der aktuellen Erleichterungsrally ebenso.

Besonders deutlich ist die Diskrepanz der Entwicklung des Aktienkurses zu der Entwicklung einer Aktiengesellschaft. Denn wie man die letzten Tage gut verfolgen konnte, interessiert es niemanden, welche Unternehmensergebnisse eine Aktiengesellschaft vorzuweisen hat. Die Anleger kaufen Aktien, weil sie ein "Signal" vom letzten EU-Gipfel empfangen haben. Nämlich, dass sich die spanischen und italienischen Banken ohne einengende Bedingungen aus den Rettungstöpfen bedienen können. Damit haben die Börsen sich der Problemfällen entledigt.

Eine Erhöhung der Verschuldung wird als etwas Positives an der Börse interpretiert. Das ist schlichtweg krank und zeigt, wie sehr die Finanzakteure am letzten Strohhalm festhalten. Gebe es kein frisches Geld mehr, wäre ihr Lebenselixier aufgebraucht. Es gebe schlichtweg eine Vielzahl der Institute nicht mehr, damit auch keine Handelscomputer, keine Händler, keine Analysten, alle würden vom Erdboden verschwinden. Das wäre nicht einmal schlecht für den Markt, der so abstruse Formen angenommen hat. 

Die Börse war schon immer Psychologie, das ist unbestritten, doch so abwegig wie in den letzten Jahren war sie selten nicht mehr. Wer die Börse schon länger verfolgt, wird das wissen.

Jetzt schauen sich die privaten Anleger und die Trader gegenseitig an und können den Anstieg der letzten Tage nicht in Worte fassen. Ist das der Beginn einer längeren Aufwärtsbewegung, soll man jetzt einsteigen oder doch lieber warten? Noch vor wenigen Wochen zitterten die Aktienkurse sich immer weiter herunter. All die Sorgen, die die Aktienmärkte damals beschäftigt haben, scheinen wie vergessen.

Könnte es nicht sein, dass der EU-Gipfel nur das zugesagt hat, was die Märkte hören wollten? Denn was wäre passiert, wenn es kein "Ergebnis" gegeben hätte? Der Markt wäre in sich zusammengebrochen. Die Euroretter hatten keine andere Wahl, so könnte man schlussfolgern, wenn man den Verlauf der Börsen seit letztem Freitag verfolgt.

Auch jetzt haben die Märkte Erwartungen geäußert, diesmal fordern sie ein "klareres Signal" von der EZB. Die europäische Zentralbank kommt am Donnerstag zu ihrer regelmäßigen Sitzung zusammen. Eine ordentliche Zinssenkung soll es schon sein. Eine „helfende Hand“ für die Problemstaaten wird ebenfalls erwartet. Die Märkte wissen um ihre Macht.

Wenn an der Börse niemand mehr über Unternehmen redet, niemand mehr über Produkte, über Innovationen und Investitionen, dann ist wieder einmal etwas ganz faul am Markt. Auch dieser Anstieg im DAX könnte sich als Strohfeuer herausstellen, wie die vielen anderen Male zuvor. 

Vorsicht war schon immer ein guter Ratgeber an der Börse. Das ist sie auch heute noch.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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