Buchtipp

Der DAX eröffnete heute Morgen mit einer riesigen Kurslücke. Kurz nach Markteröffnung kann der Aktienindex ein Plus von 2.5% vorweisen. Der Grund ist ein scheinbarer Durchbruch beim EU-Gipfel in Brüssel. Die erlösenden Nachricht lautet: "Pleitestaaten, die kein mehr Geld haben und am Kapitalmarkt auch keines mehr bekommen, können sich jetzt ganz ungeniert, auch ohne Sparauflagen, an den europäischen Rettungsgeldern bedienen". Für die Anleger ergibt sich jetzt die Gelegenheit, sich von ihren Aktienpositionen zu trennen. Das ist gar nicht so einfach, wie man meinen könnte.

Zunächst ist eine Eröffnung mit einem GAP (Kurslücke) ein starkes Signal in die Richtung, in die der Index gesprungen ist. In diesem Fall steigen die Aktienkurse. Sehr viele Anleger wollen plötzlich Aktien erwerben, die sie gestern noch verschmäht haben. Die Kurslücke erscheint deshalb im Chart, da die Käufer jetzt bereit sind, einen viel höheren Preis für eine Aktie zu bezahlen. Der Preisunterschied zum Vortag ist die Kurslücke.

Der DAX spiegelt den Preissprung in den 30 Aktien wieder, welche in ihm gelistet sind. Bei einem Kurssprung dieser Größenordnung verändert sich die Lage am Aktienmarkt von einem auf den anderen Tag. Der Anleger muss sich neu sortieren.

Gestern war noch Panikstimmung und Aktien wurden schnell veräußert. Manch ein Anleger hatte mit seinen Aktien, die im Minus notierten, zu kämpfen. Das gilt ebenso für Hebelprodukte. Gestern notierte der Short-Schein bedrohlich nahe am Knock-Out-Level. Heute ist die Welt eine ganz andere, eine viel positivere. Wie geht der Anleger mit diesem Kurssprung um?

Er hat die Wahl, seine Aktien (auch andere Wertpapiere) weiter zu behalten oder diese zu verkaufen. War seine Position noch bis gestern im Minus, ist der gleiche Anleger heute wieder im Rennen. Jetzt freut er sich und will weiter an den steigenden Kursen teilhaben. Plötzlich wandelt sich die Stimmung, ist seine Denke. Bei dieser "Überraschung" hat der Index viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt, denkt er sich. Große Marktteilnehmer, die Fondsgelder verwalten, müssen jetzt auch kaufen, damit sie den Zug nicht verpassen. Leerverkäufer müssen jetzt kaufen, damit ihre Verlustposition glattgestellt werden kann. Das spricht für weiter steigende Kurse, also drin bleiben?

Auf der anderen Seite plagt die Anleger die Sorge über einen erneuten Absturz der Kurse. Jeder weiß, dass Brüssel auch diesmal nichts gelöst hat. Man hat wieder Geld bereitgestellt und verkauft diesen Schritt, wie so viele andere Male zuvor, als Erfolg. Daraus resultiert: der Anstieg im DAX ist eine kurzfristige Reaktion. Er ist die mögliche Chance für die Börsianer, sich von ihrer Position zu lösen. Man kann jetzt noch zu deutlich besseren Kursen aussteigen, als das gestern noch der  Fall war. Das spricht für fallende Kurse, also sofort raus aus dem Markt?

Eine Kurslücke lässt den Anleger in einem luftleeren Raum zurück. Beide obigen Szenarien sind möglich. Der Index kann sofort weiter hochziehen und den Anlegern, die auf steigende Kurse gesetzt haben, Freude bereiten. Die Stimmung kann aber ebenso schnell kippen. Der Grat zwischen Himmel und Hölle ist an der Börse ein ganz kleiner.

Wie so oft, kann Ihnen niemand eine klare Antwort geben, wie zu verfahren ist. Es können nur Erfahrungen ausgetauscht werden. Wieder einmal sind Sie selbst gefragt, wie sie mit diesem Dilemma umgehen wollen. An der Börse geht es vor allem um das Minimieren von Risiken. Dieser Punkt ist noch wichtiger als die Absicht, Gewinne zu erzielen. Wenn Sie das Risiko nicht klein halten, werden Sie Ihr Geld verlieren, dann gibt es auch keinen Gewinn mehr.

Wenn mit diesem Kurssprung Ihre Verlustposition geringer geworden ist oder gar komplett verschwunden ist, dann fragen Sie sich, ob Sie nicht dem Börsengott für diesen Zustand danken sollten. In diesem Fall versuchen Sie diesen Umstand zu nutzen und verabschieden sich von Ihrer Position. Seien Sie dankbar, dass Sie Ihren Einsatz wieder herausgeholt haben und schielen Sie nicht nach höheren Gewinnen.

Die Entscheidung, sich von seinen Wertpapieren zu diesem Zeitpunkt zu trennen, fällt dem Anleger besonders schwer, da der Börsenzug in seinen Augen gerade Fahrt aufnimmt. Der Anleger hatte auf steigende Kurse gesetzt, das ging in den ersten Tagen zwar schief, aber jetzt geht es los und da schreibt dann dieser Artikel, man solle sich von seinen Wertpapieren trennen.

An der Börse trifft jeder Anleger seine Entscheidung selbst. Das ist ganz wichtig. Jeder muss wissen was er tut. Dieser Artikel will aufzeigen, dass Sie, sofern Sie schon ordentlich im Minus waren, bereits einen Fehler gemacht haben. Diesen können Sie ignorieren (zu früh gekauft) und mit einem neuen Fehler (nicht verkauft, als der Einstandskurs erreicht wurde) fortfahren.

Während in den letzten Tagen die Börse kontinuierlich nachgegeben hat, war für die Anleger das Dilemma kein großes. Sie mussten (wollten) nicht reagieren. Diejenigen, die im Plus waren, haben ihre Position laufen lassen, diejenigen, die im Minus waren, haben gebannt geschaut, wie das Minus größer wurde. Aber heute, heute ist plötzlich alles anders und die Anleger müssen eine neue Entscheidung treffen.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der Wahl der richtigen Entscheidung.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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