Angebot

Nun hat nach Spanien auch Zypern Hilfe aus dem Rettungsschirm erbeten. Beide Länder stehen mit dem Rücken an der Wand. Damit erhöht sich die Zahl der Hilfsbedürftigen auf fünf. Jeder weiß, dass unter einem Schirm nicht unendlich viele Personen Platz haben können. Das gilt ebenso für Staaten. Die ersten werden noch mit offenen Armen aufgenommen, man hilft schnell und unbürokratisch. Dann wird es aber mit jeder neuen Anfrage immer enger unter dem Schirm, bis dieser nicht mehr hilft.

Mit Irland, Portugal und Griechenland waren bereits drei EU-Länder unter den Rettungsschirm ins Trockene geschlüpft. Dann aber kam die Anfrage Spaniens, denn die viertgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone brauchte dringend Geld. Das Bankensystem wäre marode, daher benötige man noch mehr Geld als die bereits zugesagten 100 Milliarden Euro aus Brüssel. Noch bevor die Tinte dieser Zeilen getrocknet waren, meldete sich gestern Abend auch Zypern zu Wort und möchte auch unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen.

An der Geschwindigkeit, dass immer mehr und immer schneller Staaten Hilfe benötigen, kann man erkennen, wie groß die Not in den Ländern ist. Sie wissen sich nicht mehr anders zu helfen. Im Moment dreht sich die Wetterlage. In der Vergangenheit war eine Hilfe aus dem Rettungsfonds verpönt, jetzt ist es der letzte Anker. Jetzt sind es die rettenden Milliarden sozusagen.

Wer noch kann, der stellt sich schnell unter den Rettungsschirm und zweigt ab, was noch abzuzweigen geht. Griechenland hat als erster erkannt, dass diese Technik funktioniert. Da Brüssel keine Staatspleite der Eurozone vorweisen will, müssen sie fortwährend helfen. Das wissen auch die Hilfsbedürftigen und lassen sich regelmäßig einen neuen Scheck ausstellen.

Der Schirm wird mit Sicherheit nicht mehr viele Staaten auffangen können, das ist die Sorge, die alle schuldengeplagten Staaten jetzt begleitet. Wartet man zu lange mit der Flucht unter den Schirm, ist später vielleicht aus dem Rettungsfonds nichts mehr zu holen. Wer wird wohl der nächste sein, der Hilfe erbittet?

Staaten, die die Rettungsmilliarden gerne hätten, gibt es en Masse. Das Problem ist aber, dass sich niemand vor dem Kapitalmarkt offenbaren will. Niemand will sagen, ich habe es alleine nicht mehr geschafft und war auf Hilfe aus dem Rettungsfonds angewiesen. Daraus folgt: Wann ist der Schmerz so groß, dass ein weiteres Land diesen Schritt gehen muss?

Das Geld brauchen alle Staaten. Auch Frankreich ächzt unter seiner Schuldenlast. Italien ist schon lange fällig für externe Hilfen, kann sich aber unerklärlicherweise noch über Wasser halten. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass auch die Großen in Europa Hilfen aus Brüssel fordern werden. Was passiert dann?

Der Schirm wird nicht mehr viele Staaten aufnehmen können. Man hat in der Vergangenheit schon des Öfteren versucht, den Schirm zu vergrößern. Aber das ist nach gesundem Menschenverstand nicht unbegrenzt möglich. Damit bleibt der Schirm das, was er von Anfang an war: Ein kurzfristiger Schutz, eine Art Notfallhilfe. Es ist keine Rettung und schon gar keine Lösung für irgendein hilfesuchendes Land. 

Die anderen Staaten, welche bisher noch nicht unter dem Rettungsschirm sind, sind in Zugzwang. Solange noch etwas zu holen ist, werden sie nun ihre zögerliche Haltung aufgeben und auch unter den Schirm schlüpfen wollen. Das wird der Euro-Rettungsschirm nicht verkraften können. Wir können gemeinsam verfolgen, wie der Schirm aus allen Nähten platzen wird.

Dann stehen alle Staaten im Regen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

Share This