Angebot

So wurde die neuste Ausgabe des ifo-Indexes interpretiert. Der ifo-Geschäftsklimaindex, der die Erwartungshaltung von 7000 deutschen Unternehmen widergibt, sank stark von zuvor 106,9 auf 105,3 Punkte. Die Statistik zeigt, wie schlecht die befragten Unternehmen die konjunkturelle Zukunft interpretieren. Was jetzt als scheinbare Überraschung vermeldet wird, ist längst kalter Kaffee.

Es ist nun einmal so, dass jeder das bekommt, was er verdient. Wenn sich also Leute auf die neuesten Zahlen des ifo-Instituts stürzen und dies als Beweis für eine negative deutsche Konjunkturerwartung werten, dann können sie das gerne tun. Niemand soll aber von einer Überraschung sprechen, denn das wäre schlichtweg gelogen.

Für jedes Schulkind war abzusehen, dass sich die einzig starke Wirtschaft in Europa (Deutschland) ebenfalls abschwächen werden wird, wenn die Nachbarn ausfallen. Jetzt fallen mit jedem Tag immer mehr Staaten als Käufer für die deutschen Produkte aus. In Europa geht die "Verarmung" um. Und das schneller, als das vielen lieb ist. Dies wird auf einmal als Überraschung verkauft.

Lange Zeit haben die Medien und die Politik eine starke, kräftige deutsche Konjunktur herbeigeredet, die es so gar nicht gab. Wenn sich Menschen in Panik ihres bald wertlosen Geldes entledigen, dann ist das ein zusätzliches Kaufinteresse, eine Art Sondernachfrage sozusagen, die statistisch nicht weitergerechnet werden kann. 

So verschlechterte sich die Lage sehenden Auges in den europäischen Nachbarstaaten und noch immer verschlossen sich Unternehmen einer realistischen Betrachtung der deutschen Konjunktur. In der Not zeigte man stolz auf den erbitterten Konkurrenten aus China. Auch wenn die europäischen Abnehmer schwächeln, in China geht das Wachstum weiter, hieß es voller Überzeugung.

Während den letzten Wochen wurde auch dem letzten bewußt, dass auch das chinesische Wirtschaftswachstum endlich ist und es auch nur einem Zyklus folgt. Die chinesische Konjunktur bremst jetzt stark. Auch für sie fallen die Abnehmer aus. Für wen sollen die Asiaten billig produzieren? Zusätzlich kämpfen die Chinesen mit dem Platzen ihrer Immobilienblase und der Inflation.

Die deutsche Wirtschaft sieht sich plötzlich mit der schonungslosen Realität konfrontiert. Wenn niemand mehr da ist, der das Geld zum Erwerb eines deutschen Produktes hat, dann kann kaum noch etwas abgesetzt werden. Als Resultat brechen die Erträge weg. Folglich gerät auch Deutschland in die Krise, aus der man sich so lange fern gehalten hat. Diese Information ist die wesentliche Aussage des Ifo-Geschäftsklimas.

Die panische Reaktion kommt daher, dass die Unternehmen sich haben einlullen lassen. Sie trifft die Eskalation der europäischen Schuldenkrise unerwartet und schwer. Wie soll man eine Planung für die kommenden Monate entwerfen, wenn die Parameter sich täglich wandeln? Auf welcher Grundlage sollen Unternehmen Entscheidungen treffen?

Kaum ein Unternehmen hat vorrausschauend auf neue Kredite verzichtet, kaum eines hat seine Kapazitäten rechtzeitig heruntergefahren. Das liegt daran, dass die Manager und Geschäftsführer in der Welt der Wirtschaft an Wachstum und Zuwachs gemessen werden, aber eben nicht an vorausschauendem Denken und Handeln.

Jetzt sitzen die deutschen Unternehmer in ihren Büros und wissen vor Schreck nicht, was sie machen sollen. In Wirklichkeit hätten sie diese Situation kommen sehen können, sofern sie denn wollten. Wollten sie aber nicht. Daher geschieht es ihnen Recht, denn auch in der Wirtschaft bekommt jeder das, was er verdient.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

Share This