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Die Schuldenkrise eskaliert: Die Griechen heben täglich Millionen von ihren Konten ab, in Italien siecht die Wirtschaft dahin und den Spaniern fehlen an allen Ecken Milliarden. Die Anleihezinsen, nicht nur die der betroffenen Staaten, steigen wieder an. Die Börsen kommen nicht zur Ruhe und mittendrin eine hilflos wirkende Politik, die mit der Situation völlig überfordert ist.

Nichts ist heutzutage so klar wie das, dass nämlich gar nichts klar ist. Die Tage kommen und gehen. Die Euroretter überlegen, sie probieren und sie machen, doch jede Maßnahme ist überschattet von einer Unwissenheit. Nämlich der Unwissenheit über das große Ganze.

Da scheinbar niemand  die Krise versteht, fehlt es auch an Lösungen, die wirklich wirken. Das ist nicht erst seit gestern so, sondern bereits seit vielen Jahren.

Zu Beginn der Krise hieß es, dass die große Depression in den 30er Jahren zum wesentlichen Teil so schwerwiegend war, weil man der Wirtschaft zu schnell und zu stark Geld entzogen hat. Es wurde gespart, wo nicht gespart werden sollte. Darin waren sich die Experten einig.

Dann traf die Gemeinschaft auf die Krise im Jahre 2008. Zunächst nahm man an, man hätte aus der Vergangenheit gelernt. Doch davon war man offensichtlich weit entfernt. All die guten Vorsätze waren plötzlich dahin.

Es ist wie wenn Panik im Flugzeug ausbricht. Man hat zwar gelesen und gehört, wie man sich in einer Notsituation verhalten soll, wo die Atemmasken herunterfallen und die Schwimmwesten liegen, doch in der Not gerät der Passagier in Panik und macht das, was er instinktiv immer macht.

So reagierten einige Staaten mit einer Wachstumsforderung und einige mit striktem Spardiktat auf die Krise. Da die Staaten mit dem Wunsch nach bedingungslosem Sparen die Macht in der Eurozone hatten, schlug man diesen Weg ein.

Zur Überraschung der Befürworter dieses „Lösungsweges“ verschlimmerte dieser Weg die Krise, weil die notleidenden Nationen jetzt nicht nur die Schulden am Hals hatten, sondern auch noch eine zum Stillstand gekommene Wirtschaft. Die Folgen waren Schrumpfung und hohe Arbeitslosigkeit.

Die Euroretter kamen auch nicht zur Einsicht, als sich ihr Weg als der falsche herausstellte. Die Dominanz von Deutschland und Frankreich (unter Sarkozy) konnte nicht gebrochen werden. Man blieb hart gegen die „anderen Meinungen“. Die Krise verschlimmerte sich dadurch.

Um die eigene Leistung nicht zu schmälern, waren die Euroretter trotz der sich verschlimmernden Lage  gezwungen, durch immer neue Rettungsmilliarden zu helfen. Banken wurden gerettet und Staaten wurden gestützt, ohne auf die Auswirkungen dieser Handlungen zu achten. Sie warfen gutes Geld schlechtem hinterher.

Während zunächst nur die betroffenen Staaten durch einen riesigen Schuldenberg infiziert waren, haben sich nun weitere Staaten in eine Situation der Abhängigkeit manövriert. Es wurden so viele Gelder in die Hilfsmaßnahmen gepumpt, dass man nun mitgegangen und mitgefangen war. Man hatte sich in Sippenhaft begeben.

Auch die Zentralbanken taten das, was sie immer tun, da sie sich nicht anders zu helfen wussten. Sie senkten die Leitzinsen. Das gab zwar für einen Moment ein Gefühl des abklingenden Schmerzes, aber das Problem war ja dadurch nicht gelöst.

Da sich die notleidenden Staaten nicht mehr am Markt refinanzieren konnten, weil die Investoren nicht mehr gewillt waren, den notleidenden Staaten frisches Kapital zur Verfügung zu stellen, sprang hier die europäische Zentralbank (EZB) als Retter ein und lieh Geld gegen wertlose Sicherheiten. Da die Sicherheiten auf dem Wohl oder Elend der in Schieflage geratenen Staaten beruhten, war nun  auch die EZB nicht mehr autark. Sie sitzt jetzt in demselben Boot, das gerade unterzugehen droht.

Auch die EZB kam nicht zur Einsicht, dass das, was sie da macht, nicht richtig ist. Anstatt von ihrer bisherigen Haltung abzuweichen, vergrößerte man die Milliarden, mit denen man die Krise bekämpfte. Ihre neue Idee war dann, den Banken Geld zu leihen, damit diese Staatsanleihen der notleidenden Staaten erwerben sollten. Dafür nahm man eine Billion Euro in die Hand. So, das hoffte man, würden die von der Schuldenkrise betroffenen Länder zu Geld kommen.

Auch in diesem Fall ging der Plan der Euroretter nicht auf. Die Banken nahmen das Geld und zockten damit an den Börsen.

Es gab viele weitere kleine Ideen, die zu keiner Zeit gefruchtet haben, wie zum Beispiel „die Hebellösung“. Was auch immer die Euroretter anfassten, geholfen hat es nicht. Genau an diesem Punkt befinden wir uns jetzt. Man ist wieder „zurück auf Los“, nämlich an den Anfang der Krise. Man sucht wieder nach Lösungen, nur diesmal ist die Ausgangslage eine noch schlechtere als vor wenigen Jahren.

Alles Gestochere hat eines gemein. Man ist als Staatengemeinschaft trotz der vielen wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Schuldenkrise, trotz der vielen Experten, trotz der vielen Ökonomen und gar den Nobelpreisträgern mit der aktuellen Krise völlig überfordert.

Man handelt, ohne die Konsequenzen zu kennen. Das ist so, als würden Sie mit voller Geschwindigkeit auf einen Hügel hinauffahren. Sie wissen nicht, was Sie dahinter erwartet. Mit Ihrem Auto würden Sie abbremsen, es könnte ein Stau oder eine scharfe Abbiegung folgen. Sie würden mit Weitsicht agieren.

Dem Bürger bleibt ein desolates Bild der Eurorettung in Erinnerung. Man macht und tut, man trifft sich und man beschließt, aber alles ohne zu wissen, was man tut.

Das macht keine Hoffnung auf eine baldige Eurorettung.   

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Ihr

start-trading Team

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