Indikatoren-Trading

Wer hätte das gedacht? Lange Zeit hat man nur über die faulen, nicht ihre Steuern zahlenden Griechen geschimpft. Man hat mit dem Finger auf das kleine Land im Südosten des Kontinents gezeigt. Die Iren sind zwar auch Pleite, die gelten aber als leidensfähig und als Musterschüler. Die Portugiesen haben ebenfalls kein Geld, sind aber eher ein stilles Volk. Während also das Wohl oder Übel des Kontinents in Griechenland gesucht und gefunden wurde, spielt die wahre Trauermusik in Madrid und in Barcelona. Mittellos rutscht das Land in die Depression und reißt Europa gleich mit.

Die Geschichte Spaniens ist schnell erzählt. Lange Zeit war es ein stolzer Staat, der durch den Euroverbund günstig an Kredite gekommen ist. Den Menschen ging es gut. Förderungen und Subventionen für die Landwirtschaft aus der Brüsseler Europazentrale sicherten den Wohlstand. Die Bürger forderten mehr Gehalt und bekamen dieses auch, da die südländischen Gewerkschaften rigoroser vorgehen als die mitteleuropäischen. Außerdem haben die Spanier weniger Angst, auf die Straße zu gehen und für ihre Forderungen einzustehen. Auch das ist etwas, was man in Mittel- und Nordeuropa selten findet, dort ist man eher ängstlich.

Dem Land ging es gut. Die Bürger hatten Arbeit und ein geregeltes Einkommen. Mit dieser Ausgangslage ging man zur Bank und ließ sich einen Immobilienkredit geben. Da sich plötzlich gefühlt alle Spanier eine Immobilie zulegen wollten, stiegen die Preise rasant. Der Hype nährte sich selbst. Weil die Preise für Häuser und Wohnungen stiegen, kauften immer mehr Leute ein neues Heim, auch aus dem Ausland. Spekulanten tummelten sich im Immobilienmarkt, denn die Gier war entfacht.

Zwischenzeitlich standen 40% aller Großkräne in Europa in Spanien, um schnellstmöglich die nächsten Objekte fertig zu stellen. Jeder, der von einer Immobilienblase sprach, wurde schief angesehen und für blöd gehalten. Jetzt ist die Immobilienblase geplatzt und die Verwunderung ist groß. Die Spanier fragen sich selbst: Wie konnte es soweit kommen?

Die Banken waren besonders gierig und haben mit vielen Krediten den Hype angefacht. Jetzt, wo das Geld nicht mehr zurückkommt, sind sie besonders stark in Schieflage. Es kam schon zu Bankenruns, wie dem bei der Bank Bankia, bei der innerhalb sehr kurzer Zeit 1 Milliarde Euro abgehoben wurden. Die Bank, die bereits teilverstaatlicht ist, ist in schwerer Seenot und braucht dringend Geld. Man kommt gar nicht mit dem Zählen nach. Zunächst waren es 19 Milliarden, aktuell redet man von 23 Milliarden, es wird bereits von einer Geldsumme von 40 Milliarden gesprochen, die nötig sind, um die Bank auf den Beinen zu halten. Das erinnert an die deutsche HRE (Hype Real Estate) , wo jede neue Rettung nicht genug war.

All die fehlenden Milliarden, nicht nur für die Banken, soll der spanische Staat aufbringen, der selbst nur leere Taschen hat. Die Staatskassen sind leer, von Steuereinahmen keine Spur. In Spanien ist jeder vierte Bürger arbeitslos (25%). Bei den Jugendlichen unter 25 Jahren ist es jeder Zweite (50%). Womit sollen die Bürger also Steuern zahlen? Womit soll der Staat helfen? Die Lage ist ausweglos. Spanien hat bereits Hilfe von der EZB angefordert und wird wohl in Kürze unter den europäischen Rettungschirm schlüpfen.

Ob der Rettungsfonds einen Staat der Größe Spaniens stemmen kann, steht in den Sternen. Eines wird aber sehr deutlich, gemessen an den immensen Problemen Spaniens sind die Probleme der kleinen Griechen Peanuts (um in der Bankensprache zu bleiben).

Konnte man in Europa bisher stützen, stemmen, halten und helfen, wo Not am Mann war, dreht jetzt die Stimmung auf dem Kontinent. Plötzlich ist den Griechen nicht mehr zu helfen, Sparen ist nicht mehr die alternativlose Lösung und Austrittspläne von einzelnen Staaten zu erstellen ist erlaubt, ja sogar erwünscht.

Während alle gerade an einem Austrittsplan für Griechenland arbeiten, könnte Spanien der Grund für den Zerfall der Eurozone sein.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading.de

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