Buchtipp

Die Gemeinschaft der Nutzer, die sich auf Plattformen wie Twitter, Facebook und Co treffen und austauschen, werden auch Schwarm genannt. Manch einer geht sogar soweit und spricht von der Macht der Gemeinschaft. Die einfache Vielzahl der Benutzer soll ihnen Macht geben. Sie können Dinge blockieren, manchmal verändern, und auf jeden Fall können sie in der Informationsgesellschaft wichtige Nachrichten blitzschnell verbreiten. Genau in dem wichtigen Punkt, als nämlich Facebook seine Umsatzprognose zurückgenommen hat, genau da hat der Schwarm vollkommen versagt.

Die Ernüchterung hat nicht lange auf sich warten lassen. Mit viel Kommerz und viel heißer Luft hat man das Unternehmen Facebook an die Börse gebracht. Das ist nichts Neues. Morgan Stanley & Co haben das viel Male zuvor schon getan. Was mit viel Lorbeeren und viel positiver Energie angekündigt wurde, nämlich der Börsengang eines Internetgiganten, endete plötzlich in einem Desaster für alle Beteiligten. Der Konsortialbank wird betrügerisches Verhalten vorgeworfen. Die einen wittern Fehler bei den Konsortialbanken, die anderen reden von eigenem Verschulden der Anleger.

Der Grat zwischen geschönter Werbung und Betrug ist bei einer Bank, die einen Börsengang begleitet, sehr sehr dünn. Ihre Aufgabe ist es die Braut (Unternehmen) schön für die Hochzeit (IPO/ Börsengang) zu machen. Niemand möchte die Braut heiraten, wenn sie so aussieht wie immer: gestreßt, übermüdet ungeschminkt. Genau hier setzt Morgan Stanley an. Sie retuschiert die Fettpolster, glättet die Falten und setzt professionelle Make-Up-Artists ein, damit Facebook im Rampenlicht strahlen kann.

Jeder, der sich noch nicht so sehr mit dem Thema Börsengang befasst hat, dem sei die Aufgabe der Konsortialbank noch mal in Erinnerung gerufen: Die Braut für den Höchstpreis an den Markt zu bringen. Sie ist keine soziale Einrichtung.

Damit kommen wir gleich zum Problem. Wenn die Aufgabe darin besteht, das Unternehmen schöner darzustellen als es ist, dann ist die Gefahr groß, Dinge so weit zu beschönigen, dass daraus schnell eine Lüge wird, oder man verschweigt negative Nachrichten, um die gute Stimmung nicht zu vermiesen.

Der erste Punkt, nämlich die kleinen Unreinheiten zu verschönern, ist weitgehend gesichert. Dafür gibt es die Prospekthaftung. Alles was im Emissionsprospekt dargestellt ist und die Investoren zum Kauf animiert, muss der Wahrheit entsprechen. Wenn nicht, kann das Unternehmen nachträglich dafür belangt werden. Jedes Unternehmen spielt also mit dem Feuer, wenn es hier nicht besonders gut aufpasst. Der Lüge wird damit der Raum genommen, Beschönigen ist aber erlaubt. Auf ein Beispiel aus dem Leben übertragen bedeutet das, dass jemand der einen schlechten BMI (Body-Maß-Index) Wert hat, argumentieren kann, er würde viel trainieren und hätte besonders viele Muskeln am Körper, die sein Körpergewicht erhöhen würden. Das klingt logisch, sofern man die Person nicht persönlich gesehen hat. Die Konsortialbanken sind geübt im Beschönigen.

Der zweite Punkt, nämlich Negatives zu verschweigen, ist viel schwerer zu beweisen. Daher ist hier auch Raum für Manipulation. Es hat sich Folgendes zugetragen: Die aufgeputschte Braut (Facebook) hatte kurz vor dem Börsengang, noch während der Werbetour, eine Mitteilung an Morgan Stanley ausgegeben, die den zukünftigen Investoren nicht schmecken würde. Sie senkte ihre aktuelle Umsatzprognose. Das ist ein Partykiller, eine falsche Nachricht zur falschen Zeit, das würde die Einnahmen für alle Beteiligten des Börsengangs stark verringern. Was macht man in diesem Fall?

Der Bank Morgan Stanley wird vorgeworfen, diese wichtige Mitteilung nicht nach außen weitergegeben zu haben. Nur eine kleine Gruppe wichtiger Investoren wurde informiert, der Rest wurde im Glauben gelassen, alles sei noch in bester Ordnung. Da diese Information aber wesentlich für eine Investitionsentscheidung ist, musste die Bank diese auch kommunizieren. Hat sie aber nicht. Das riecht nach absichtlichem Handeln, ob es eine betrügerische Handlung war, müssen Gerichte entscheiden.

Es ist schwer, die Unterlassung einer wichtigen Nachricht zu beweisen. Wer hat wann was gewusst?

Hier zeigt sich wieder einmal, wie gering die Macht des Web 2.0 ist, wenn es um wirklich wichtige Dinge geht. Facebook rühmt sich damit, über 900 Millionen Nutzer zu haben und nicht einem ist die Korrektur der Umsatzprognose aufgefallen? Einige Leute wussten, sowohl bei Facebook, als bei den beteiligten Banken, dass die Umsatzprognose gesenkt wurde. Jemand hat die Zahlen zusammengestellt, jemand aufbereitet, andere an die Unternehmensführung weitergeleitet. Eine Banken wussten von dieser Veränderung. Einige Investoren auch. Hat niemand von den vielen vielen Facebook Mitgliedern etwas gehört und hätte rechtzeitig warnen können?

Nein, wenn es wirklich wichtig wird, versagt das Soziale Netzwerk. So auch beim Börsengang von Facebook.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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