Indikatoren-Trading

Trading ist die Königsdisziplin des Börsenhandels. Sie wird meist in einem sonnigen Licht präsentiert. Die Prospekte der Broker sind auf Hochglanzpapier gedruckt, die Werbesprache spricht von Erfolg und Ruhm. Das ist eine ganz andere Welt, als die, in der sich die normalen Trader tummeln, diese müssen sich gelegentlich mit einfachen Fehlern auseinandersetzen. Wäre man nicht selbst derjenige, der die Fehler macht, müsste man darüber schmunzeln. Einige typische Beispiele aus dem Leben der Trader.

Trader haben meist wenig Zeit. Der DAX wartet nicht. Wenn Long oder Short entschieden wurde, dann wird schnell noch ein KO(Knock Out)-Schein ausgesucht und los geht's. Der nächste Schritt ist dann das Einloggen in die Ordermaske, jetzt zügig die Wertpapiernummer eingeben, die Stückzahl hinzufügen, dann sofort "ohne Limit ausführen" anklicken und fertig. Jetzt noch eine TAN Nummer und bestätigen. Auftrag ausgeführt. Puh, das war knapp, zum Glück hat der DAX sich nicht sehr bewegt und der Trader konnte noch zu seinem Kurs "einsteigen".

Uhh…was ist das? Der Auftrag ist an der Börse Stuttgart ausgeführt worden. Vor lauter Eile hat der Trader eine echte Börse ausgewählt, obwohl er das Geschäft außerbörslich tätigen wolle. Da wären Transaktionskosten geringer gewesen. Naja, der Profit aus dem Trade wird diesen Fauxpas ausbügeln. Was macht der DAX überhaupt? Noch nichts.

Ein ordentlicher Trader denkt natürlich an die Risikokontrolle. Jederzeit kann der Computer abstürzen, die Internetverbindung nicht funktionieren oder der DAX in die falsche Richtung abschmieren, da kann man dann nicht mehr reagieren, auch wenn man vor dem Bildschirm sitzt. Deshalb wird gleich die Order für den Stopp-Loss-Auftrag eingegeben. Ein Blick auf den DAX, dieser läuft noch nicht in die richtige Richtung, aber gleich wird es bestimmt soweit sein. Zurück zur Webseite des Brokers. Wechseln ins Depot, dann auf den "Verkaufen" Knopf drücken, nochmal die Daten in der Verkaufsmaske überfliegen, dann Auftrag bestätigen.

Super. So muss das sein, Sicherheit geht vor. An solchen Tagen weiß niemand, was der Markt in der nächsten Minute macht. Gut das man mit Stopp-Loss abgesichert ist. Der Trader wechselt in die Maske "Orderbuch", um dort einen Blick auf seinen offenen Auftrag zu werfen. Welcher offene Auftrag? Die Ansicht "offene Order" ist grau, da steht gar kein Auftrag. Komisch. Der Blick auf die geschlossenen Trades offenbart den nächsten Fehler, der Trader hat den Orderzusatz "Stopp-Loss" vergessen einzugeben. Die Position ist sofort verkauft worden.

So ein Mist. So war das aber nicht geplant. Jetzt, wo man sich über den Fehler im Klaren ist, fällt dem Trader auch auf, dass er in der Verkaufsmaske während der Auftragserstellung gar kein Limit eingegeben hat. Das hätte ihm auffallen müssen, so denkt er. Gut. Was ist jetzt mit dem Trade? Nochmal von vorne und diesmal richtig.

Der DAX scheint sich gegen unseren Trader verschworen zu haben, der steigt just in dem Moment, als dieser aus der Position heraus ist. Der Trader hatte steigende Notierungen erwartet. Ok, nur die Ruhe, das wird schon. Also wieder Ordermaske öffnen, diesmal auf die außerbörsliche Auftragsmaske wechseln, dann alles wie gewohnt eingeben. Vielleicht die Stückzahl noch erhöhen? Kann nicht schaden, denkt sich unser Trader, der DAX steigt ja, die Richtung "Long" stimmt also. Gut, die Positionsgröße wird verdoppelt. Nachdem alles ausgefüllt ist, und auf Auftrag absenden gedrückt wurde, ist die Positionseröffnung fertig.

Ein schneller Blick noch auf den DAX, was macht der Index? Ein leichtes Grummeln wird vernommen. Der DAX will noch nicht so ganz, wie der Trader will. Es geht erst einmal in die falsche Richtung (scheint wohl nur auf die Trade Eröffnung gewartet zu haben) und das auch noch mit der größeren Portionsgröße. Na gut. Niemand kann hellsehen, denkt unser Trader. Ein bisschen Toleranz muss man jeder Position zugestehen.

War es das jetzt? Nicht ganz, da fehlt noch die Risikominimierung, indem eine Stopp-Loss-Order aufgeben wird. Nun wieder auf "Auftrag erteilen" wechseln, die Daten werden manuell eingegeben, da man ja außerbörslich handeln will, Wertpapiernummer, Stückzahl, alles rein und diesmal ganz genau aufpassen, dass auch der Orderzusatz eingeben wird. Super, passt. Auftrag bestätigen. Fertig.

Was macht der Index? Der fällt, obwohl er steigen sollte. Das sieht nicht gut aus für die Position des Traders. Gleich wird er wohl ausgestoppt. Der Einstieg war wohl zu früh, denkt er sich. Nur gut, dass er rechtzeitig einen Stopp-Loss-Auftrag eingegeben hat. Während schnell fallender Kurse will man nicht investiert sein. Noch ein Blick auf den Kurs des KO-Scheins. Gleich ist es soweit, noch etwas Geblinke und dann ist es passiert. Der Stoppkurs ist erreicht worden. Die Position ist ausgestoppt worden.

Der Ausstieg hat sich als richtig erwiesen, kurz darauf fällt der DAX noch weiter. Gut, dass unser Trader nicht mehr dabei ist. Ein Stopp-Loss-Kurs ist manchmal Gold wert. Ein Blick in das Depot soll noch einmal die richtige Entscheidung bestätigen. Was ist das? Dort müsste eine "0" in der Spalte Stückzahl stehen. Stattdessen ist die Hälfte der Position noch da. Ein schneller Wechsel in das Orderbuch zeigt den nächsten Fehler, die falsche Stückzahl wurde eingegeben, nämlich so wie sie ursprünglich geplant war (ohne die Erhöhung).

So ein Mist, schiesst es aus dem Gebeutelten. Sofort wird auch die Restmenge außerbörslich veräußert. Die Position wird mit Verlust geschlossen. Nicht nur der Verlust tut weh, sondern besonders die Fehler, die nicht hätten sein müssen.

Das war ja ein Hin und Her für unseren Trader, ein Gefühlschaos sozusagen. Da sind ihm in kurzer Zeit wirklich viele Fehler unterlaufen. Er hat den Börsenplatz falsch ausgewählt, musste dafür höhere Transaktionskosten bezahlen, er hat den Orderzusatz vergessen, ist deshalb aus der Position geworfen worden. Musste erneut eine neue Position eröffnen und erneut Transaktionskosten zahlen. Er hat danach noch beim Verkauf die falsche Stückzahl eingegeben. Hat dadurch einen doppelten Verlust hinnehmen müssen (erster Verlust, Verkauf mit SL- zweiter Verlust nach dem Erkennen, dass noch Restbestand existiert).

Dies ist ein fiktives Beispiel aus dem Leben eines Traders. So etwas kommt jeden Tag an jedem Ort der Welt vor. Wenn es ums Geld geht, ist man als Trader in Erregung, es soll schnell gehen, man will die Gelegenheit nicht verpassen. In der Eile kommt es zu eben zu Fehlern.

Niemand soll sich von Fehlern freisprechen oder mit dem Finger auf unseren Beispieltrader zeigen. Es ist menschlich, dass Fehler passieren. Es liegt an jedem selbst, die Fehler zu vermeiden, soweit es ihm möglich ist.

Die Liste der möglichen Fehlerquellen kann sich beliebig erweitern lassen. Da ein Trader meist Scheine für einen steigenden und welche für einen fallenden Markt vor sich liegen hat, kommt es gelegentlich vor, dass man in der Eile den falschen KO-Schein kauft. Das heißt, der Trader kauft einen Short-Schein obwohl er Long gehen wollte. Manchmal will ein Trader seine Position verkaufen und kauft stattdessen. Das kommt vor, wenn man in der Ordermaske nicht explizit auf "Verkaufen" gedrückt hat. Vielleicht haben Sie auch einen Fehler gemacht, der hier nicht erwähnt wurde. Nur zu, Sie können im Kommentarfeld Ihre Erfahrung aufschreiben.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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