Indikatoren-Trading

Die Banken sind unter starkem Beschuss. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein Stresstest fehlendes Eigenkapital ausweist, Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit senken, oder die Sparer die Schalter stürmen. Wie man es dreht und wendet, die Bankenlandschaft ist im Umbruch. Sie waren es, die die Krise heraufbeschworen haben, sie werden es auch sein, die wie Dominosteine umfallen werden. Das ist keine Prophezeiung, sondern der natürliche Gang der Dinge. Eine Selbstreinigung ist überfällig. Die ersten Bankenruns haben bereits stattgefunden, weitere werden folgen.

Die Woche begann schon besorgniserregend mit der Meldung, dass die griechischen Sparer ihr Geld von den inländischen Banken abziehen würden, um dieses in Sicherheit zu bringen. Einige legen es unter die Matratze, andere, die die Möglichkeit haben, bringen es auf ausländische Konten. Hauptsache, man hat nichts mehr auf dem Sparbuch, wenn eine griechische Bank pleite geht (gehen muss). Jede Art von Bankenstürmung kann ein Unternehmen in die Knie zwingen. Das kommt daher, dass das Geld der Sparer nicht im Tresor liegt. Wenn sehr viele Kunden auf einmal ihr Geld wollen, kann die Bank nicht mehr bezahlen.

Die griechischen Banken gerieten schnell wieder in den Fokus, als herauskam, dass einige Banken von der Geldbeschaffung durch die EZB abgeschnitten seien. Da vor allem kleinere und mittlere griechische Institute auf dem freien Markt kein Geld mehr bekommen, war das eine Schocknachricht für die Sparer und beschleunigte sofort die Abhebungen.

Ein Bankenrun ist gar nicht so abwegig. Erinnern Sie sich an an TV-Auftritt der Bundeskanzlerin Frau Merkel und des Finanzministers Steinbrück im Herbst 2008? Zur besten Sendezeit wurden die Sparer beruhigt, ihre Bank-Einlagen wären sicher, der deutsche Staat garantiere dafür. Das passierte aus der Not heraus, denn auch die Deutschen hatten begonnen, zu Beginn der Finanzkrise ihre Bankkonten zu leeren. Die Regierung musste etwas unternehmen, denn die Lage war kritisch.

Ebenfalls am Anfang dieser Woche trübte sich die Stimmung In Italien ein. Die Ratingagentur Moody's hatte 26 italienische Banken in ihrer Bonität heruntergestuft. Nach einer kurzer Schockstarre, ob nun auch italienische Bankkunden die Schalter stürmen werden, beruhigte sich die Lage wieder. Möglicherweise hatten die Italiener bereits im Vorfeld ihre Einlagen in Sicherheit gebracht.

Die Lage in Spanien ist ebenso brisant wie in Griechenland. Die Bürger stehen (gefühlt) bereits vor den Türen der Bankhäuser, um ja die Ersten zu sein, sollte es zu einer Art Pleitemeldung kommen. Spanische Finanzhäuser sitzen auf besonders vielen Schrottpapieren, ihre Lage gilt als besonders kritisch in Europa. Aussicht auf eine Besserung gibt es keine. Erst letze Woche musste die Bank "Bankia" teilverstaatlicht werden, um eine Pleite abzuwenden. Sofort begannen besorgte Kunden, ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Sie hoben in kurzer Zeit eine Milliarde Euro ab. Die Lage in Spanien ist äußert unsicher, nicht nur bei der Bank "Bankia". Es kann jederzeit zu einem größeren Bankenrun kommen.

Als wären die spanischen Sparer nicht schon gestraft genug, meldete sich Ende dieser Woche erneut die Ratingagentur Moody's zu Wort und stufte diesmal 16 spanische Banken in ihrer Bonität herunter.

Mit jedem neuen Tag zeigt sich ein immer größeres Spektrum an Sparern die gewillt sind, ihr Geld bei den Banken sofort abzuziehen. Das Vertrauen ist dahin. Warum sollte man einem Finanzmonster auch vertrauen? Es darf nicht vergessen werden, die Banken haben das System in diese Schieflage gebracht. Der Satz: "Man solle nicht mehr selbst arbeiten, sondern das Geld für sich arbeiten lassen", kommt von den Banken selbst. Sie haben die Renditegier angefacht und dann ist sie außer Kontrolle geraten. Die Konsequenzen trägt nun die Allgemeinheit.

Warum sind die Südeuropäer so stark von Bankenruns betroffen und die Nord- und Mitteleuropäer (bisher) weniger? Noch läuft ein Transfer der Einlagen. Die Sparer im Süden bringen ihr Geld in den scheinbar sicheren Norden. Aber auch die Banken in Mittel- und Nordeuropa sind Teil des Bankensystems. Das heißt, diese Banken werden etwas zeitverzögert dieselben Probleme erleiden. So wie wir die Bankenwelt heute kennen, wird es sie in der Zukunft nicht mehr geben.

Da die Banken nicht von selbst eine Veränderung des Status Quo einleiten wollten, diese Chance haben sie bereits vertan, wird nun der Markt eine Veränderung/Schrumpfung erzwingen. Die Bankenwelt wäre in den letzten drei Jahren bereits ordentlich geschrumpft, hätte man nicht von staatlicher Seite mit Rettungsmilliarden, Badbanks und vor allem Bilanztricks unter die Arme gegriffen.

Jegliche "manipulative" Hilfe/Lösung funktioniert aber nicht langfristig, siehe auch die Eurokrise als übergeordnete Krise. Die Bankenlandschaft ist im Umbruch. Sobald die Sparer verstehen, dass Banken nicht mehr der sichere Ort sind, wie sie es aus früheren Zeiten kannten, werden sie sofort die Schalter stürmen, um das Ersparte abzuheben. Das wird in jedem Teil der Erde gleich sein. Bankenruns sind ein Teil des Umbruchs, man weiß nur nicht, welche Bank es als nächstes trifft.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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