Indikatoren-Trading

Alle Welt redet vom Sparen. Die Griechen müssen sparen, die Spanier auch. Die Politik sollte sparen. Alle sollen weniger ausgeben und damit sparen. Ganz im Gegenteil dazu sprechen die Werbezettel aus Ihrem Briefkasten eine ganz andere Sprache. Sie sollen ebenfalls sparen, indem Sie Geld ausgeben. Je mehr Sie ausgeben, umso mehr würden Sie sparen, lautet das Versprechen. So werden Konsumenten zu einer Kaufentscheidung gelockt, was völlig sinnlos, mit Verlaub, sogar völlig hirnlos ist.

Das Wort Sparen ist vollkommen von seiner Bedeutung abgekommen. Denn eigentlich steht es für etwas Gutes. Sparen, damit man für schlechte Zeiten etwas hat. Sparen, damit man sich etwas kaufen kann. In den Köpfen der Menschen ist Sparen etwas Gutes, es wird aber nicht mehr so verstanden. Die Politik spricht von Sparen, wenn sie sich weniger verschuldet als angenommen. Was natürlich töricht ist, aber man muss einem Dummen etwas Falsches nur oft genug wiederholen, er wird es irgendwann für richtig halten.

Die positive Assoziation von Sparen, nämlich sich einzuschränken, etwas zurückzunehmen, das Sammeln – wird in der Werbeindustrie missbraucht. Sparen wird in diesem Zusammenhang als etwas Vorteilhaftes präsentiert, was es nicht ist. Einige Beispiele gefällig?

Im Kleinen sind das Angebote im Supermarkt oder in der Bäckerei. Sie kaufen zum Beispiel eine Tüte von fünf Brötchen, obwohl sie nur zwei kaufen wollten. Denn wenn Sie mehr kaufen, dann verringern Sie den Preis pro Brötchen. Sie denken, Sie haben ein gutes Geschäft gemacht, denn nun zahlen Sie für ein Brötchen 30 Cent, anstatt 40 Cent zu zahlen. Die Ernüchterung kommt dann zu Hause. Sie schaffen höchstens drei Brötchen zu essen, der Rest wird weggeschmissen. Mental haben Sie das Geschäft aber positiv abgeschlossen. Sie erinnern sich nur noch an den Deal mit den 30 Cent.

Ebenso stark buhlt die Möbelindustrie um seine Käufer. "Sparen war noch nie so einfach", "Sparen Sie die Mehrwertsteuer" und viele weitere Sparideen haben die immer gleiche Absicht, den Kunden zum Kauf zu animieren. Dabei werden Ihnen die Vorteile Ihres Kaufes so schön präsentiert, dass Sie kaum "Nein" sagen können. Die Möbelverkäufer gehen sogar noch einen Schritt weiter und bieten Ihnen Gutscheine an. Kaufen Sie für 1000 Euro ein, dann bekommen Sie einen Einkaufsgutschein für 150 Euro. Klingt doof? Ist es auch. Denn das ist kein Geschäft, bei dem Sie gewinnen.

Es geht auch teurer: Mit Werbesprüchen wie "Stark, Spart, Quark" wird versucht, dem Kunden ein Auto schmackhaft zu machen. Man würde mit dem Kauf sofort sparen, weil das neue Auto weniger verbraucht und auf dem modernsten Stand der Technik ist, im Gegensatz zum jetzigen Auto zu Hause. Das soll sich im Portemonnaie bemerkbar machen und soll Sie verleiten, Ihre Brieftasche zu ziehen und ein neues Auto zu kaufen. Allen Autoherstellern ist gemein, dass diese natürlich auch bei der Finanzierung dem Käufer zur Hand gehen. Dieser hat zwar kein Geld, soll aber doch ein neues Auto für 0% Zinsen und 0% Anzahlung kaufen. Das bedeutet, Sie müssen sich verschulden um etwas Neues zu kaufen. Das hat mit Sparen rein gar nichts zu tun.

Zu guter Letzt, des Deutschen Lieblingserwerb (gleich nach dem Auto): die Immobilie. Auch hier werden Sie zum Sparen gedrängt. Wenn die Immobilie abbezahlt ist, würden Sie im Alter sparen, keine Miete, kein Vermieter… das klingt doch toll. Dass Sie aber dafür 25 Jahre ein Darlehen abstottern müssen, wird nicht thematisiert. Es geht ja eben ums Sparen. Sparen Sie, indem Sie genau jetzt kaufen, wird oftmals geworben. Die Zinsen seien günstig. Wer jetzt zuschlägt, der spart ganz ordentlich, heisst es vollmundig. Und da man bei Immobilien von großen Zahlen spricht, sehen die vermeintlichen Sparbeträge auch besonders groß aus.

Finden Sie sich in den Beispielen wieder? Die Mehrheit der Menschen kann den Lockrufen nicht widerstehen. Denn kaum einer der aktuellen Generation musste je sparen. Man kennt die Bedeutung von Sparen gar nicht. Daher fällt es den Unternehmen auch leicht, entsprechende Locksignale auszusenden. Kaufen Sie, um zu sparen.

Jeder weiss, dass wenn er etwas ausgibt, um weniger zurückzuerhalten, dann damit ein Minusgeschäft macht. Jedenfalls sollte man das wissen. Manch einer kauft sich einen neuen  Firmenwagen für 50.000 Euro, weil er dann 25.000 Euro von der Steuer zurückerhält. Klingt komisch? Ist auch komisch. Oder ein Arbeitnehmer freut sich über eine Steuerrückerstattung aus der Einkommenssteuer, weil er soviel Kilometer angegeben hat. Er bekommt 1000 Euro zurück und ist erfreut. Tatsächlich hat er aber 3000 Euro ausgegeben. Daran ist nichts zu freuen, das Gehirn spielt Ihnen einen Streich.

Sparen ist nur dann echtes Sparen, wenn Sie weniger ausgeben als Sie einnehmen. Weniger ist in diesem Zusammenhang mehr. Sie schränken sich ein, gehen weniger essen, kaufen keinen neuen Fernseher usw. Sparen Sie also nicht so, wie es Ihnen die Unternehmen verkaufen wollen.

Nur wenn Sie verzichten, nur dann handelt es sich um echtes Sparen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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