Indikatoren-Trading

Die deutsche Vorzeigeairline will ihre Sparanstrengungen steigern und 3500 Mitarbeiter entlassen. Die Kranich-Airline befindet sich schon länger nicht mehr in angenehmer Flughöhe, sondern befindet sich im Sinkflug. Die Kunden laufen weg, die Mitarbeiter streiken und die Konkurrenz legt deutlich zu. Um das Ruder der Airline rumzureißen, wird wieder rigide gespart. Leider hält man durch das Sparen keine Kunden, geschweige denn man könne neue hinzugewinnen. Ein Fall von mangelnder Strategie.

Bereits am Wochenende hatte das Handelsblatt sich ausgiebig mit der Airline beschäftigt. Heute veröffentlicht auch spiegel-online einen Artikel. Während das Handelsblatt wesentlich kritischer die Lage der Lufthansa hinterfragt hat, ist die Spiegel Online Redaktion sehr zurückhaltend mit ihrer Meinung. Sie schreibt "durch teures Kerosin und hohe Kosten durch Emissionshandel und Luftverkehrssteuern" sei ein Verlust im ersten Quartal entstanden. Die Gesellschaft wolle nun dieser Lage hauptsächlich mit Personalkürzungen entgegen treten.

Das ist insofern typisch und auch falsch von einer Unternehmensleitung, da diese Reaktion eine Schulbuchmaßnahme aus dem Betriebswirtschaftsstudium ist. In der Not die Mitarbeiter zu entlassen, das kann jeder. Dass bei einer Airline die Mitarbeiter eine besonders wichtige Rolle spielen, wird vom Unternehmen nicht betrachtet. Man hat in sie investiert und hat sie geschult. Da hilft es auch nichts, dass die Stellenstreichungen vornehmlich in der Verwaltung stattfinden sollen. Personalentlassungen wirken sich auf alle Mitarbeiter aus. Diejenigen, die nicht direkt betroffen sind, geraten in Sorge, dass sie die Nächsten sein werden. Zusätzlich steigt die Fluktuation, da Mitarbeiter sich schnell erfolgreicheren Unternehmen zuwenden. Der Tenor unter den Mitarbeitern lautet dann: Die Lage ist kritisch, schnell wechseln.

Wenn nun die Gründe für den Verlust im ersten Quartal durch hohe Kosten aus teuerem Kerosin, Emmisionshandel und Luftverkehrssteuern angegeben werden, dann muss man sagen, dass diese nur Vorwände für eine fehlende Strategie ist. Wohin will die Kranich-Airline fliegen? Darauf gibt es keine klare Antwort. Es ist eher eine Ohnmachtstellung zu beobachten, bei der die arabischen und asiatischen Airlines der Lufthansa davonziehen und die Billigflieger eine deutliche Konkurrenz bilden, mit der man lange Zeit nicht gerechnet hat.

Auch andere Fluggesellschaften müssen Kerosin und weitere Kosten stemmen. Wenn die Unternehmensführung beteuert, dass in anderen Ländern die Personalkosten wesentlich geringer sind, dann ist das nur ein Puzzleteil von vielen. In Deutschland kosten die Mitarbeiter in einem Autowerk auch mehr als in anderen Regionen der Erde und trotzdem verkaufen die PKW Hersteller sehr gut. Teure Hotels mit teurer Ausstattung und teuren Angestellten haben auch wiederkehrende Gäste. Also allein an den Personalkosten kann es nicht liegen.

Es ist an der Zeit, dass sich die Unternehmensführung an die eigen Nase fasst. Mit schwammigen Brötchen und engen Sitzreihen kann man keine Economy Gäste begeistern. Sitze sind lange Zeit ein Problem gewesen und sind es immer noch. Bei der Lufthansa erwartet man keine durchgesessenen Sitze und doch gab es sie. Das darf einer Vorzeigeairline nicht passieren. In der Businessclass hat man lange Zeit den Wandel in eine neue Zeit ignoriert und dann verpasst. Niemand will für ein paar tausend Euro Ticketpreis in einem Sitz schlafen, der sich nicht in eine gerade Liegeposition stellen lässt. Was macht der Vielflieger also? Er wechselt zu einer anderen Airline, bei der man die Nachruhe auch als eine solche bezeichnen kann.

Jeder Passagier, der öfter mit der Lufthansa geflogen ist, konnte den Absturz in der Qualität miterleben. Das Unternehmen zeigt oft auf andere und verweist meist auf Kosten, auf die es keinen Einfluss hat. Als Resultat auf die sinkendenden Einnahmen, reagiert es mit Sparanstrengungen. Das erinnert an die europäische Schuldenkrise. Wohin ein immer mehr an Sparen führt, kann in den südlichen Nationen verfolgt werden.

Tatsächlich fehlt es dem Unternehmen an Ideen. Jedes Unternehmen wächst durch Innovation und Investition. Durch das Sparen bekommt man die zuvor ausgeuferten Kosten wieder unter Kontrolle, aber man kommt nicht vorwärts. Warum sollte ein Passagier die Lufthansa auswählen, wenn er mit Emirates oder Singapur Airlines fliegen kann?

Die Unternehmensführung muss darauf schnellstens eine Antwort finden, sonst fliegt die Konkurrenz noch weiter davon.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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