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Die Politik versteht etwas von Politik. Die Wirtschaft etwas von Wirtschaft. Derzeit aber dominiert die Politik die Wirtschaft und weiß scheinbar ganz genau, wie man die Krise in Europa lösen kann. Nur woher nimmt sie diese Überzeugung? Denn Politik heißt in Worten: zu handeln. Das Wort ist das Element der Politik. Ganz im Gegenteil dazu die Wirtschaft. In ihr sind Taten das dominierende Element. Es wird gehandelt, produziert, etwas bewegt. Wenn die eine Partei im Terrain der anderen herumpfuscht, dann kann nichts Sinnvolles herauskommen.

Am Beispiel der Eurokrise kann man das hilflose Agieren der Politik gut verfolgen. Sie weiß nicht, was sie tun soll, sie handelt planlos und steht dann vor dem Scherbenhaufen. Die cleverste Idee war das Kaputtsparen eines Staatshaushalts. Die Politik hat die wirtschaftliche Lokomotive einer kränkelnden Nation zum abrupten Abbremsen gebracht und sich dann gewundert, warum die Konjunktur nicht vom Fleck kommt. Ja so ist das, wer die Handbremse fest anzieht, der kommt kaum vorwärts.

Jetzt ist es so, dass man vor einer Handlung das Ergebnis wenigstens zum Großteil abschätzen können muss. Es gibt ein zeitliches Fenster, in dem sich erst Gedanken gemacht werden, dann wird abgewägt, ob die angedachte Handlung zum Erfolg führen kann und dann wird das Geplante in die Tat umgesetzt. Niemand springt schließlich von einer Klippe herunter, wenn er nicht weiß, ob das Wasser unter ihm tief genug ist. Im Falle der Eurokrise hat die Politik nicht einmal gewusst, ob überhaupt Wasser am Boden ist. Die Griechen mussten aber trotzdem springen.

Die Politik weiß nicht, was sie tut. Doch sie hat die Macht, kraft Amtes zu regieren. Sie rettet Unternehmen und Staaten, wo es wirtschaftlich gar keinen Sinn macht. Wäre sie mit einem Businesscase, den bisherigen Rettungsmaßnahmen, zu einer Sparkasse gegangen, würde sie für so einen Plan kein Geld erhalten. Das heißt nicht, dass sie tatenlos zusehen soll, es heißt, dass die Handlung sinnvoll sein muss und die monetäre Hilfe auch wirken sollte. Eine Maßnahme muss vor Beginn eine Chance auf Erfolg haben.

Im Falle der Rettungsmaßnahmen ist das Geld verbraucht und eine Besserung ist nicht eingetreten. Noch mehr Geld wird im Rahmen des ESM Vertrages benötigt. Eine größere, eine höhere Schutzmauer will die Politik errichten. Da bahnt sich schon der nächste Fehler an. Wer in seiner Burg festsitzt, der kann nicht heraus, bekommt nichts mehr zu essen (Nachschub) und vor allem weiß er nicht, was um ihn herum passiert. Sollte sich die EU also abschotten und einmauern, natürlich unter dem Deckmantel einer  nützlichen Brandmauer, dann wird das der EU ebenfalls schaden.

Die Politik versteht nichts von Wirtschaft, heißt dieser Artikel. Die Politik kann Grenzen aufzeigen, kann ordnen und Regeln definieren. Aber nicht in den Kreislauf der Wirtschaft eingreifen. Bisher wurden schlecht geführte Unternehmen gerettet und den Guten die Chance auf neue Marktanteile genommen. Schlechtes Wirtschaften wird seitens der Politik belohnt. Die hat nur ihre Wähler im Sinn. Das ist kurzfristig gedacht und falsch. Langfristig spielt die Politik mit dem Feuer. 

Die Wirtschaft kann nicht ohne Regeln, dafür ist die Politik die richtige Adresse. Natürlich muss die Politik die Regeln selbst schreiben und sie nicht wie heute gang und gäbe eben von der Wirtschaft diktieren lassen. Die Wirtschaft braucht auch schwache und falsch geführte Unternehmen, wie zum Beispiel Banken, die auch Pleite gehen.

Nur dann kann eine bereinigende, eine heilende, Wirkung erzielt werden. Nach der Marktbereinigung werden die am Markt gebliebenen Unternehmen vorsichtiger agieren, sie werden sich nicht mehr so sehr verschulden und Risiken minimieren. Das wird zum Wohle der Mehrheit geschehen. Man muss eben der Wirtschaft den Lauf in vorgegebenen Bahnen lassen.

Solange sich die Politik so aufspielt wie heute und sich als einzigen Retter präsentiert, wird eine Änderung der Krise wohl kaum passieren können. Diesmal ist es an der Zeit, dass das Volk der Politik ihre Grenzen zeigt. Sie ist das Zünglein an der Waage zur Normalität.

Für die Politik gilt das alte Sprichwort: Schuster bleib bei deinen Leisten.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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