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Aktionäre können sehr viel Leid ertragen. Nicht selten müssen sie sich mit Luftnummern herumschlagen, bei denen Unternehmen Dinge versprechen, die sie nicht halten können. Eine tolle Geschäftsidee, eine zu erwartende Kooperation, eine Übernahme oder aber auch Gewinnversprechen sind nicht selten. Am Ende erfüllt sich die Hoffnung nicht. Der Traum platzt, der Aktionär leidet. Am Beispiel des Batterieherstellers IQ-Power kann man dies besonders gut verfolgen.

Das Unternehmen IQ-Power ist gestartet, um den Markt der Autobatterie zu revolutionieren. Das Auto habe sich so sehr verändert, es habe sich technisch weiter entwickelt. Nur die Autobatterie, die ist immer noch auf dem Stand von vor vielen Jahrzehnten. Da die aktuellen Modelle viel Strom benötigen, soll eine revolutionäre Autobatterie den Wandel bringen. Der Markt ist riesig und die Chancen enorm. So verkaufte man das Potential des Unternehmens den Aktionären.

Bestimmt ist dieses Produkt ein gutes, und sicher die Idee eine tolle Idee. Doch diese Idee wird nicht vom Markt angenommen. Die Autoindustrie findet die Batterien zu teuer. Seit Jahren braucht IQ-Power immer wieder Geld. Seit Jahren lautet die immer gleiche Parole: "man stehe vor dem Markteintritt, vor dem großen Durchbruch". Nur eingetreten ist nichts davon. Das trifft den Aktienkurs hart. Die Aktionäre haben lange leiden müssen und leiden immer noch.

Mit den positiven Worten aus dem obigen zweiten Absatz beginnen sehr viele Foren im Internet. Man malt die Chancen des Produktes (und somit die des Aktienkurses) in Großbuchstaben ans Board und sucht Gleichgesinnte, die ebenfalls Aktien dieses Unternehmens gekauft haben. Was als normale Aktieninvestition begonnen hat, wandelt sich zu einer Sucht.

Der Aktionär hat sich zum Beispiel für drei Euro Einstiegskurs in diesen Wert eingekauft, wider Erwarten fällt der Kurs auf zwei Euro. Was für jedes Investment das Aus bedeuten würde und die Aktie schnellstmöglich veräußert werden sollte, ist bei IQ-Power anders. Man hat sich eingekauft und steht zu seinem Investment. Fast blind wird jede negative Nachricht ausgeblendet. Man will nicht sehen, was man nicht hören will.

Ganz hartgesottene Aktionäre "verbilligen", kaufen also nach. Sie sehen Chancen und diese wollen genutzt werden, so deren Aussage. Günstige Kurse seien Einstiegskurse, ist man sicher; dass man mit immer mehr Anteilen in sein Verderben rutschen könnte, kommt in ihren Vorstellungen nicht vor.

So sammeln sich die IQ-Power Aktionäre in Foren und sprechen sich Mut zu. Gemeinsam lässt sich das Leid leichter ertragen. Es wird zu einem täglichen Ritual, jeden Morgen den Internetbrowser zu öffnen und ein eigenes Fenster nur für die Diskussion zu öffnen. Man liest schnell alle noch nicht gelesenen Beiträge der Nacht. Man will informiert sein. Hoffentlich hat man keine "wichtige Meldung" verpasst. Denn jede neue Meldung, könnte genau DIE Meldung sein, auf die viele schon seit Jahren warten.

Während der Aktienkurs sinkt, steigt die Anzahl der Kommentare im Board. Miesmacher werden ausgeschimpft. Sie werden von Diskussionen ausgeschlossen, weil sie zu sehr die Realität ansprechen. Die Worte sind meist zu forsch gewählt, die Message ist aber wahr. "Lasst endlich gut sein, macht euch nichts vor", wollen die Realisten mitteilen. Es sind sogar ehemalige Aktionäre, die sich endlich aus dem Strudel des Niedergangs befreit haben. Sie haben es geschafft, loszulassen. Aber auf solche Leute wollen die Anhänger dieser Aktie nicht hören. Sie verkennen die Möglichkeiten, wird ihnen entgegengeworfen. Dazu passt ein türkisches Sprichwort: "Denjenigen, der die Wahrheit spricht, verjagt man aus 9 Dörfern". Die positiven Beitragsersteller übernehmen das Ruder. Es wird weiter gehofft. Innerlich schmerzt zwar der Kursverlauf der Aktie, doch äußerlich wahrt man Haltung.

Diese zu wahren, gestaltet sich schwer. Der Aktienkurs kennt nämlich keine Gnade. Immer, wenn die Forenteilnehmer eine Bodenbildung des Kurses ausrufen, ein "es geht nicht mehr tiefer" öfter zu lesen ist, dann verliert die Aktie deutlich und sinkt weiter. Sogar in Kursbereiche, die man nie für möglich halten konnte, wurden erreicht. Verluste in Aktiengeschäften sind unbarmherzig. Verluste mit einem Wertpapier kennen keine Gnade. Der Schmerz hört nur dann auf, wenn sie bei Null angelangt sind (oder verkaufen).

Die Sucht nach positiven Nachrichten zu suchen nimmt groteske Formen an. Jede Information, sei sie mit noch so geringer Wertigkeit, wird als bahnbrechende Entwicklung interpretiert. Da sollen mögliche Kooperationen den Grundstein für einen stark steigenden Aktienkurs bilden. Natürlich weiß jeder, dass mögliche Kooperationen nur etwas Angedachtes sind. Von einer Zusammenarbeit, einer verbindlichen Unterschrift, ist man dabei weit entfernt. Doch wenn man als Aktionär so sehr am Abgrund steht, dann klammert man sich an jeden Strohalm.

Jeder Wechsel im Vorstand wird als etwas Positives interpretiert, was es nicht ist. Ein reger Wechsel von Vorständen ist meist eine Flucht aus einem Unternehmen. Das darf man aber als Aktionär solcher Unternehmen nicht denken, und schon gar nicht aussprechen.

Die Suche der Aktionäre nach positiven Meldungen geht weiter. Das Internet wird dauernd durchsucht, ob es nicht irgendwo in der Welt eine Entwicklung gibt, über die im Forum nicht berichtet wurde. Da sind dann Meldungen vertreten, wie dass ein Traktor mit der neuen Batterie ausgestattet wurde. Das Forum tobt. Endlich werde man die Leistungsfähigkeit der Batterie in der Welt erkennen und dann – genau dann – wird der Aktienkurs sowas von durch die Decke gehen, wird wieder gehofft.

Jeder Grundstückskauf wird gefeiert, jeder Bau einer Fabrikhalle als Start in die Massenproduktion interpretiert. Nur passiert ist halt noch nichts. Das kann man glauben oder sich weiter selbst blenden.

Der Aktionär vergisst, dass er schon sehr lange bluten musste, dass seine Verluste sich schon seit ewig stapeln. Er verdrängt, dass die Hoffnung auf eine Trendwende gering ist. Es tut einfach nur weh, die Diskussion der gescholtenen Anleger zu verfolgen.

IQ-Power ist hier nur ein Beispiel für sehr viele andere kleinere Unternehmen. Alle einigt die Gemeinde der Aktionäre, die jeden Tag hoffen und beten, dass ihr Investment sich endlich zum Positiven wendet.

Aktionäre sind wirklich stark, was ihre Leidensfähigkeit angeht. Der Kurs der IQ-Power sinkt und sinkt. Da spricht nichts für einen Einstieg. Und doch stützt man sich als Aktionär auf jeden neuen Beitrag der Presseabteilung. Man giert auf den kommenden Ausblick des Vorstands für das nächste Jahr, weil nächstes Jahr alles hoffentlich besser sein soll. Das jetzige Leiden ist scheinbar nicht genug, man möchte auch nächstes Jahr weiter die Schmerzen ertragen.

Die Investoren, die sich offensichtlich in einen Wert eingekauft haben, der einfach keine positive Wertentwicklung ausweisen will, müssen sich eingestehen, aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Warum trennen sie sich nicht davon? Es würde ihrem Seelenheil gut tun.

Wenn Sie Aktien kaufen, dann wollen Sie an einer positiven Kursentwicklung teilhaben, nicht an einer negativen. Es ist nicht Ihr Unternehmen, das da einfach nicht in die Gänge kommen will. Es gibt so viel mehr Unternehmen, die schon einen Erfolg vorweisen können, die vielleicht schon die ersten Erträge generieren. Ihr Geld könnten Sie in solche Aktien investieren, als nur zu warten und weiter zu hoffen.

Aber ein Ausstieg aus IQ-Power wäre ja ein Eingeständnis, dass man als Aktionär Mist gebaut hat. Lange hat man an dem Investment festgehalten und nun will man die schweren Stunden gemeinsam mit dem Unternehmen durchstehen. Die Wende wird morgen kommen, davon ist man als Aktionär überzeugt. So füllen sich die Foren im Internet mit Durchhalteparolen und übertünchen das Leid, das jeder Aktionär mit sich trägt.

Das Leiden will einfach kein Ende nehmen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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