Indikatoren-Trading

Der Spritpreis sei zu hoch, wird kollektiv geschimpft. Das stimmt überhaupt nicht. Wenn dem wirklich so wäre, würden die Menschen weniger Auto fahren, machen sie aber nicht. Wenn die Wirtschaft in Gefahr wäre, würde die Regierung etwas unternehmen, macht sie aber nicht. Es ist wie immer. Es wird kurzzeitig geschimpft und Dampf abgelassen, dann geht es einfach weiter. Man gewöhnt sich an jeden Preis. Es gibt eindeutige Gründe, warum der Benzinpreis nicht zu hoch ist.

Es ist wirklich so, dass der Benzinpreis nicht zu hoch ist. Denn zu hoch ist relativ. Fragen Sie doch einmal den SUV fahrenden Unternehmer, der weiß nicht einmal, was das Benzin an der Zapfsäule kostet. Er tankt einfach. Das normale Volk ist über jeden Cent Preisanstieg erbost, doch ist der Preis eben nicht hoch genug, als dass es die Menschheit vom Autofahren abhalten könnte. Glauben Sie uns, teuer ist das Benzin nicht.

Vor wenigen Jahren hat der Benzinpreis für einen Liter Super die Marke von 1,20 Euro überschritten. Den gleichen Aufruhr wie heute gab es damals auch. Die Medien haben sich damals auf dieses Thema gestürzt und die Politik hat versucht, einige Sympathiepunkte zu gewinnen und sich demonstrativ auf die Seite der Autofahrer gestellt. Menschen wurden in Fußgängerzonen interviewt, fast alle fanden, es wäre eine Schweinerei, was da mit dem Benzinpreis geschiehe, ein harter Tobak, eine Abzocke. Die Personen wurden gefragt, wo denn ihre Leidensgrenze erreicht ist. Vollmundig und in bester Stammtischlaune wurde der Literpreis von 1,50 Euro ausgerufen. Bei 1,50 Euro würde man das Auto stehen lassen, man wäre sogar bereit, auf die Straße zu gehen und sich das nicht gefallen zu lassen.

Sie merken schon, bei einem Preis von 1,50 Euro wollten die Autofahrer auf die Straße gehen und sich die Abzocke nicht gefallen lassen. Und jetzt? Jetzt notiert der Preis bei 1,70 Euro. Man hat glatt 20 Cent verschlafen. Heute sind die Autofahrer froh, wenn sie wieder unter 1,60 tanken können. Der Mensch vergisst eben schnell.

Warum der Benzinpreis nicht hoch sein kann?

Wenn der Benzinpreis wirklich zu hoch wäre, dann würden die Bürger auf die Straße gehen. Die Menschen müssen zur Arbeit, sie sind auf den Sprit angewiesen. Das heißt, sie würden etwas unternehmen – machen sie aber nicht, denn es ist nicht so schlimm.

Gelegentlich wird eingeworfen, der hohe Spritpreis würde der Wirtschaft schaden, da sie auf den Brennstoff angewiesen ist. Es werden Rufe nach dem Staat laut, dieser möge gegen die Preistreiberei endlich etwas unternehmen. Der Staat unternimmt aber nichts. Der Staat verdient an den Steuereinnahmen, warum sollte er die milchgebende Kuh schlachten? Wenn es wirklich schlimm um den Standort Deutschland stehen würde, dann würde der Staat die Mineralölsteuer senken und damit den Benzinpreis senken – macht er aber nicht, denn es ist nicht so schlimm.

Wenn der Benzinpreis wirklich ein Niveau erreicht hätte, an dem die Bürger das Tanken lassen würden, dann würde die abgegebene Menge an Litern den Mineralölherstellern auffallen. Wenn die Nachfrage nach Benzin nachlässt, dann würden die Anbieter den Preis automatisch senken – senken müssen. Geringe Nachfrage trifft auf ein gleichbleibendes Angebot, der Preis fällt. Das ist Grundkurs Volkswirtschaftslehre. Der Preis fällt aber nicht. Merken Sie etwas? Solange die Anbieter so gut verkaufen können wie heute, werden sie den Preis nicht senken. Werden sie auch nicht machen, denn sie verkaufen gut.

Das sind die Gründe, warum der aktuelle Spritpreis nicht hoch sein kann. Es tut niemandem wirklich weh. Der Mensch spart an allem, aber nicht an seinem Auto. Solange er die Tankrechnung begleichen kann, werden die Bürger weiter tanken. Das weiß der Staat, die Unternehmen und man selbst weiß es auch.

Auch dieser Aufruhr wird sich legen. Mal sehen auf welchem Preisniveau die nächste Entrüstung laut wird.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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