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Es wird keine Auffanggesellschaft für die betroffenen Schleckermitarbeiter geben. Das hat die Politik entschieden. Willkürlich, muss man sagen, denn es gibt keine Regel, wann geholfen wird und wann nicht. Der Staat sucht sich aus, wem und wann er helfen will. In anderen Fällen half man schnell und medienwirksam.

Bei den Holzmännern zum Beispiel aus der Baubranche griff der rhetorisch begabte Altbundeskanzler Schröder gerne zum Mikrofon und rief, was die Menge hören wollte. „Ihr seid welche von uns“, „wir gehen Seite an Seite“ oder „wir lassen euch in der Not nicht alleine“ waren Wasser auf die Mühlen der von der Arbeitslosigkeit bedrohten Menge.

Aber nicht nur der ehemalige Kanzler Schröder half den Betroffenen aus der schwierigen Situation, auch die aktuelle Bundeskanzlerin Merkel rettet gerne Arbeitnehmer in der Not. Ihr Auftritt war in Rüsselheim, um den Autobauern, den Opelanern, zu helfen.

Jetzt ist die Frage schon im Raum, warum bei anderen Unternehmen Geld für einen Rettung/eine Stützung vorhanden ist und bei Schlecker nicht? Ist Schlecker nicht sexy genug? Sind deren Mitarbeiter nicht wichtig genug? Oder will man einfach nicht, weil es dabei nichts zu gewinnen gibt?

Diese Willkür erinnert stark an die Arbeitswelt. Ihr Kollege bekommt jedes Training, nach dem er fragt. Wenn Sie aber mal eine Weiterbildung anfragen, dann ist kein Geld da. Nichts anderes ist es mit einer Flugbuchung in einem Unternehmen. Einige Kollegen aus dem gleichen Unternehmen schaffen es, in der Businessklasse zu reisen, die meisten müssen mit der Holzklasse vorlieb nehmen.

In beiden Fällen fehlt es an einer klaren Definition, wann Mitarbeiter eine Trainingsmaßnahme besuchen dürfen und in welchen Fällen welche Flugklasse gebucht werden darf. Die fehlende Regelung führt dazu, dass der Chef nach der Nase des Mitarbeiters und dessen Sympathiepunkten entscheidet.

Die Schlecker Mitarbeiter können sich zu Recht veräppelt vorkommen. Entweder man hilft als Staat oder man lässt es sein. Oder man hat klare Bedingungen, wann eine Hilfsaktion eintritt. Eine Absage zu erhalten, weil eine Partei aus taktischen Gründen nicht helfen will, ist für gar keinen Arbeitnehmer fair. So sollte man mit Menschen in Not nicht umgehen.

Es fehlt an Ordnung in diesem Land, obwohl Deutschland in der Welt früher bekannt war für Recht und Ordnung.

Offensichtlich fehlt es seit Ausbruch der Krise an beidem, an Recht und an Ordnung. Die Kanzlerin rettet alternativlos Banken, ohne nach dem Sinn der Maßnahme zu fragen. Eine kleine Gruppe von Politikern entscheidet über Rettungsmilliarden für in Not geratene Eurostaaten, ohne den Bundestag zu fragen.

Und ich dachte immer, sowas gäbe es nur in einer Bananenrepublik“ mögen viele Leser jetzt sagen. Sie haben Recht.

Für die Mitarbeiter von Schlecker ist es schmerzhaft zu erleben, dass sie aus taktischen Gründen als nicht hilfswürdig eingestuft wurden. Der Staat hilft eben nicht jedem.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading.de

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