Buchtipp

Der türkische Staat hat ein Auge auf das Gold seiner Bürger geworfen. Er möchte, dass seine Bürger diese unter den Matratzen hervorholen und sie den Banken anvertrauen. Dieses Thema wird aktuell durch die Medien gereicht, ist aber nicht neu. Die türkische Regierung versucht schon seit geraumer Zeit einen Köder zu finden, der der Mehrheit der Türken schmeckt. Wer die Türken kennt, wird schon ahnen, dass diese ihr Gold niemals herausgeben werden. Sie wissen schon warum.

Die Türken hatten es nie leicht in der Vergangenheit. Eine hohe Inflation war ein Fluch, mit dem sie Jahrzehnte lang leben mussten. Gegen diese Geldentwertung half Gold, da das Edelmetall den Kaufkraftverlust des Papiergeldes ausgleichen konnte. Gold hat die Bürger zu sehr vielen Zeiten vor Armut geschützt. Mit dem gelben Edelmetall haben die Türken sehr gute Erfahrung gemacht und wurden niemals enttäuscht.

Warum sollten sie also nun den "sicheren Hafen" gegen ein Versprechen des Staates bzw. einer Bank eintauschen? Angeblich wollen die Banken Goldkonten anbieten, bei denen die Kunden ihr Gold bei den Banken hinterlegen können und dafür Zinsen erhalten sollen. Das Gold soll jederzeit wieder abrufbar sein. Das ist schon einmal mit Vorsicht zu genießen. Die Bank sieht sich nämlich nicht als Lagerstätte, sondern will die Goldeinlagen ebenso wie Geldeinlagen weiterverleihen. Damit kann das Versprechen kaum eingehalten werden, den Bürgern jederzeit den Zugriff auf ihr Eigentum zu erlauben.

Es ist wie mit dem Papiergeld auch. Wenn alle Kunden zur Bank gehen würden, um ihr Erspartes abzurufen, würde jede Bank pleite machen. Sie würde nicht in der Lage sein, ihren Kunden das Geld auszuzahlen, da es in der Welt verteilt ist. Es liegt nicht im Tresor.

In der Türkei ist der Vertrauensbonus der Banken nicht so ausgeprägt, wie es in Europa der Fall ist. Das liegt daran, dass im türkischen Finanzsystem Krisen oftmals die Regel waren. Zu Beginn des Jahrhunderts im Jahre 2001 wurden massenweise Banken insolvent und mussten schließen, nachdem Liquiditätsengpässe zum Vorschein kamen. Einige mussten verstaatlicht werden. Nur durch Garantien der Regierung, dass die Einlagen der Bürger sicher sind und nur durch schnelle Hilfe des IWF konnte ein Kollaps verhindert werden.

Kaum waren zwei Jahre vergangen, es war im Jahre 2003, erreichte die türkischen Bürger die nächste Hiobsnachricht aus dem Bankensektor. Die Imar-Bank wurde durch den Staat beschlagnahmt, da Betrügereien im Wert von 5 Milliarden Euro zum Vorschein kamen. Auch hier musste der Staat einspringen und mit Steuergeldern retten.

Durch die regelmäßigen Skandale zeigte sich, dass man im türkischen Bankensektor offenbar leicht Unheil treiben kann. Darauf regierte die Regierung mit vielen Regularien und grenzte deren Spielraum massiv ein. Man hatte aus den Ereignissen in der Vergangenheit gelernt und wollte nicht noch einmal "retten" müssen. Das ist auch der Grund, warum die türkischen Banken von der globalen Finanzkrise kaum betroffen sind. Sie haben gar nicht im Finanzcasino mitspielen dürfen.

Die Türkei hatte ihre Bankenkrise bereits vor der Finanzkrise aus den USA. Die Bürger waren gewarnt, dass man den Finanzjongleuren nicht trauen kann. Es ist seit Jahrhunderten in der Türkei üblich, dass Paare zur Heirat mit Gold beschenkt werden. Das hat einen Grund. Gold ist außerhalb des Zugriffs des Staates. Niemand muss Rechenschaft über seinen Besitz ablegen und es lässt sich leicht verstecken. Das sind Vorteile mit großem Wert.

Der Staat weiß, dass die Türken viel Gold horten. Man vermutet eine Größenordnung von 300 Milliarden Euro. Die Bürger sollen das "Geld" sichtbar machen und es dem Staat und dem Bankensektor zufügen. Die Regierung propagiert einen Gewinn für alle. Konkret möchte der Staat durch diese Maßnahme den Finanzsektor stärken und vor allem das Handelsbilanzdefizit senken. Das viele Gold, das die Türken kaufen und horten muss importiert werden. Das geht zu Lasten der Handelsbilanz.

Der Staat kann den Nutzen von Goldkonten dem Bürger lange schönreden. Die Regierung kann auch von einer Win-Win Situation sprechen. Leere Versprechungen sind die Türken gewöhnt. Sie werden sich unter keinen Umständen zu solch einem Deal hinreißen lassen. Was leere Worte wert sind, weiß der Bürger nicht erst seit gestern. Im Krisenfall können sie nämlich nicht an ihr Gold heran oder müssen vor irgendwelchen Bankgebäuden Schlange stehen. Nein, auf so etwas lassen sich die Türken nicht ein.

Abschließen wollen wir diesen Artikel mit einem türkischen Sprichwort: "Der Spiegel des Menschen sind seine Taten, auf die Worte kommt es nicht an (Aynasi istir kisinin lafa bakilmaz)".

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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