Signalservice

Also gut. Die Zentralbanken haben diesen Weg eingeschlagen. Sie drucken Geld. Ofensichtlich auch mit Erfolg. Die Anleihemärkte haben sich beruhigt, die Pleitestaaten bekommen wieder Geld gegen zahlbare Zinsen und die Aktienmärkte haussieren, wie selten zuvor gesehen. Die Probleme werden mit frischem Geld gelöst und sobald Normalität einkehrt, wird das Geld dem Markt wieder entzogen. Jedenfalls hat man das so versprochen, aber geht das denn so einfach?

Scheinbar hat man mit dieser Maßnahme, dem unbegrenzten Gelddrucken, den heiligen Gral gefunden, das Lebenselixier der Menschheit. Denn seitdem die Flutung begonnen hat, sind die Menschen, die Unternehmen, die Finanzmärkte, sie sind alle viel glücklicher. Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Der DAX steigt, die eigenen Aktien ebenso. Von Krise hört man kaum noch etwas. Offensichtlich ist die Welt wieder in Ordnung.

Wohin das Auge sieht, alle Schalter stehen auf  Erfolg und Expansion. Die Unternehmen verkaufen gut, die Ergebnisse sind hervorragend. Die Staaten weisen stabile Konjunkturzahlen aus. Die Angestellten kämpfen für mehr Gehalt. Die Verbraucher konsumieren wieder mehr und stürmen die Läden. Die Einzelhändler verkaufen besser, bestellen mehr von der Industrie und die produziert kräftig.

Irgendwie passt das Thema Krise nicht in den Zusammenhang des bisherigen Artikels und doch ist es ein wesentlich wichtiger Teil der oberen Darstellung.

Damit der obige Kreislauf aufrecht erhalten werden kann, muss es jemanden geben, der das Geld erarbeitet hat. Und hier ist der Fehler im System.

Wenn der Aktienmarkt steigt, weil das viele neue Geld der EZB investiert werden will, dann hat keine der kaufenden Banken, die sich das Geld geliehen haben, dieses Geld erarbeitet. Für das neue Geld steht kein Gegenwert im Raum. Wenn jetzt der DAX mit dem Anstieg der Aktienkurse zusammen steigt, dann nicht, weil jemand das Geld für den Aktienkauf verdient hat. Niemand hat dafür "geschuftet". So kann das nicht funktionieren.

Das ist dasselbe Prinzip, wenn Sie sich einen PKW mit einem Kredit von einer Bank kaufen. Eigentlich wären Sie nicht in der Lage gewesen, sich einen Neuwagen zu kaufen. Nur durch das Einspringen der Bank war der Kauf möglich. Tatsächlich versucht der Konsument mit diesem Schritt das System zu übergehen. Es wird Kaufkraft dargestellt, die nicht vorhanden ist.

Wenn jetzt die Hersteller der PKWs jubeln, sie hätten in den vergangenen Zeiträumen viele Autos verkauft, dann ist das volkswirtschaftlich zu früh gefreut. Denn solange Sie (der Käufer) Ihren Kredit bei der Bank nicht abgetragen haben, ist das Auto noch nicht bezahlt und es besteht das Risiko, dass Sie als Zahler ausfallen.

Passiert das, dann freut sich der Autoverkäufer über das verkaufte Auto, aber die Bank heult, weil sie die offene Forderung abschreiben muss, dass Geld nämlich, dass sie Ihnen geliehen hat.

Richtig wäre es gewesen, wenn solange auf ein Gut gespart wird, bis dieses auch erwerbbar ist. Damit Sie Geld bekommen, müssen Sie arbeiten, veredeln, verändern, verbessern. Sie müssen eine Arbeit verrichten, die in Geld ausdrückbar ist, die einen Mehrwert schafft. Sie müssen für Ihr Geld arbeiten.

Genau das wird im Moment nicht getan. Für das Geld von den Zentralbanken hat niemand gearbeitet.

Wenn Ihr Nachbar das Haus nebenan geerbt hat und nun auf der Terrasse liegend das Objekt sein Eigen nennt, dann ist das in Ihren Augen berechtigterweise keine besondere Leistung, Er muss ja nicht wie Sie die monatlichen Raten abbezahlen. Sie würden das Nachbarhaus als "nicht verdient" einstufen. Ihr Nachbar hat nichts dafür getan.

Das Gleiche passiert gerade an den Aktienmärkten. Niemand hat für das Geld, mit dem die vielen Aktien erworben werden, etwas geleistet. Wenn aber das eigene Depot als Nebenwirkung der Aktion der Zentralbank auch ansteigt, dann ist man nicht so kritisch mit der eigen Meinung, wie man das bei Nachbars Haus noch war. Oder haben Sie sich wirklich damit auseinandergesetzt, warum der Aktienmarkt derzeit so abgeht, wie Schmitts Katze niemals abgehen konnte?

Wir befinden uns auf dem Holzweg. Sich in der Sonne sonnen, ohne dafür etwas geleistet zu haben ist weder richtig noch von Dauer.

Nun haben die Zentralbanken versprochen, sobald sich die Krisenindikatoren senken, werden sie das geflutete Geld wieder einsammeln. Dann soll alles wieder wie früher sein. So verkauft man es den Bürgern. Versuchen Sie doch mal Ihren Eimer Wasser, den Sie ins Meer gekippt haben, wieder einzusammeln. Welcher Teil des Wassers im Meer ist Ihrer?

Wasser ist doch Wasser, mag ein Leser einwerfen, man nimmt einfach einen Eimer voll. Das gestaltet sich daher schwierig, da Ihr Wasser sauber und unverbraucht war. Was Sie jetzt aus dem Meer zurückbekommen ist gar nicht mehr sauber, sondern dreckig. Und wer weiß, was mit dem Wasser alles angestellt wurde.

Darin liegt der Fehler der Zentralbank. Sie glaubt, sie könne das geflutete Geld wieder einsammeln, aber das wird ihr niemals gelingen können. Das hat bereits in der Vergangenheit nicht funktioniert. Alan Greenspan, der ehemalige Chef der amerikanischen Zentralbank FED, hat auch die Märkte Anfang des Jahrhunderts geflutet, um sich gegen den Absturz des Aktienmarkts zu stemmen. Er wollte das Geld später auch wieder einsammeln, passiert ist das aber nicht. Geflossen ist das Geld in den Immobilienmarkt und hat den Grundstein der jetzigen Finanzkrise geleget.

Das frisch geschaffene Geld kann nicht zurückließen, da sich die Parameter in der Welt dauern wandeln. Was passiert wenn eine Bank, die sich 20 Milliarden Euro geliehen hat, Pleite geht? Das Geld ist für die Zentralbank weg. Es verbleibt im System, was es eigentlich nicht mehr soll. Was passiert, wenn viele Banken pleite gehen?

Die Zentralbank hat ihre Munition verschossen, ihr Vertrauen verspielt und nun spielt sie mit dem Feuer. Das geflutete Geld wird sich entladen, es fließt aber niemals wieder zurück.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

Share This