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Am Beispiel des Frankfurter Flughafens kann man besonders gut die Gratwanderung zwischen Ökonomie und Ökologie erkennen. Gerade heute wird wieder einmal gestritten und geklagt, ob ein Nachtflugverbot rechtens ist oder nicht. Dieser Streit schließt sich an die vielen anderen Auseinandersetzungen an, wie den Ausbau des Flughafens. Es geht immer um Standortsicherung und Konkurrenzfähigkeit. Zu kurz bleibt der Faktor Mensch.

Der Druck der Unternehmen ist immer auf der gleichen Argumentation aufgebaut. Man will Gutes tun. Man will durch den Ausbau des Flughafens Arbeitsplätze sichern. Das sind in Frankfurt mit knapp über 70.000 Arbeitsplätzen nicht wenige. Mit diesem Druckmittel wird die Politik so lange bearbeitet, bis sie zum Wohle der Ökonomie entscheidet. Oftmals ist diese Phase der Auseinandersetzung der Unternehmen und der politische Entscheidungsträger recht kurz. Man kennt sich und weiß sich gegenseitig zu helfen.

Jetzt gilt es zu bewerten, wie wichtig ein Unternehmen für einen Standort sein kann, wenn deren Erhalt auf Kosten der regionalen Lebensqualität erfolgt? In vielen Orten rund um den Flughafen Frankfurt kann man heute kaum noch leben. Fragen Sie ruhig einmal Menschen aus dem Umland. Seit neuestem ist auch die Stadt Frankfurt stark vom Fluglärm betroffen. Schulen können kaum noch unterrichten, weil man den Lehrer nicht versteht, ein Plausch auf dem Balkon oder Terrasse ist auch nicht mehr möglich, ohne alle zwei Minuten eine Pause einzulegen. Man versteht einfach sein eigenes Wort nicht mehr.

Wer meint, derjenige, der in die Nähe eines Flughafens zieht, muss wissen, was ihn erwartet, der irrt. Von der hessischen Landesregierung gab es in den Vergangenheit Verlautbarungen, dass es nicht zu einem Flughafenausbau kommen wird. Im Vertrauen auf diese Aussage von öffentlicher Stelle haben sich Familien und Betriebe in der Umgebung angesiedelt. Jetzt fühlen sich die Betroffenen über den Tisch gezogen.

Anders die Profiteure der Erweiterung. Den Betreiber des Flughafens Fraport freut der Ausbau des Standorts. Kann man doch jetzt viel mehr Passagiere abfertigen. Die Lufthansa freut sich ebenfalls. Konnte man doch am Drehkreuz Frankfurt seine Dominanz behalten und ausbauen. Für Betreiber und Fluggesellschaften ist der Flughafenausbau eine gelungene Sache.

Wie viel bringt eine ökonomisch scheinbar richtige Sache, wenn dafür Ökologie und der Mensch als Verlierer dastehen? Wie viel gilt der Mensch in der Diskussion um wirtschaftliche Entscheidungen?

Der Mensch ist zumeist der Leidtragende bei Fragen um die Wirtschaft. Er muss oft den Kürzeren ziehen und hat auf die Gestaltung seiner Umwelt keinen Einfluss. Doch wie viel gewinnt ein Unternehmen, wenn es zwar den nächsten Schritt gewinnt, aber langfristig verliert. Ein Autowerk, das geschlossen wird und woanders (Billiglohnland) wieder aufgebaut wird, kann zwar kurzfristig durch die gesunkenen Lohnkosten profitieren, doch die entlassenden Menschen sind die Käufer ihrer Produkte gewesen. Wenn diese kein Gehalt bekommen, weil entlassen, dann können sie sich auch keinen Neuwagen dieser Marke leisten. Die neuen Angestellten aus dem Billiglohnland dienen nur der günstigen Produktion, diese können sich die PKWs, die vom Band laufen, nicht leisten. 

Ein kurzfristiger Gewinn für das Unternehmen geht also in der längeren Betrachtung nach hinten los. Für die Gesellschaft ist nicht der Unternehmensgewinn ausschlaggebend, sondern das Wohl der Gemeinschaft. Wenn als Antrieb nur der kurzfristige Gewinn fokussiert ist, dann sind die Folgen meist nachteilig für alle. Man siehe nur den Verlauf der Finanzkrise bzw. Immobilienkrise.

Es ist umso wichtiger in wirtschaftlichen Entscheidungen, die Belange der Menschen nicht zu vernachlässigen. Das klingt leider ausgelutscht, was es nicht sein sollte. Nur wer ist die Lobby der Bürger? Die Politik vertritt leider die falschen Werte. Übrig bleibt der Mensch, der für sich alleine kämpfen muss. Für sich genommen ist der Mensch nur ein kleines Licht. In dem ungleichen Kampf David (Mensch) gegen Goliath (Unternehmen), brauch es ein stärkeres Gewicht des kleinen Davids, um für das Wohl Aller einzustehen.

Kein Unternehmen kann ohne seine Mitarbeiter und seine Kunden ein erfolgreiches Geschäft führen. Der Mensch ist wichtig.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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