Buchtipp

Als Nicht-Immobilienbesitzer kommt man dieser Tage oft ins Grübeln. In der Bäckerei wird ein Brot, das einen Tag alt ist, für die Hälfte verkauft. Ein Auto, das nur ein paar Kilometer gelaufen ist, kostet nicht mehr den vollen Neuwagenpreis. Bei Immobilien scheint diese Logik nicht zu funktionieren, da fragt sich der gesunde Verstand: Da stimmt doch etwas nicht?

Bei Immobilien geht der Käufer davon aus, dass sein Haus oder seine Eigentumswohnung in der Zukunft an Wert gewinnen wird. Das ist deshalb unverständlich, weil in der Zukunft die Immobilie genausowenig neuwertig sein wird wie das Brot in der Bäckerei oder das Auto im Autohaus.

Nicht nur die Abnutzung des Immobilienkerns (Wände, Decken, Isolation) schlägt zu Buche, sondern auch die alte Heizung, die alten Fenster und alles, was sonst noch nach 25 Jahren alt sein mag.

Warum soll etwas, was in der Zukunft alt und abgenutzt sein wird, im Wert steigen? Oder handelt es sich hier um einen Denkfehler? Und vor allem bei wem?

Die Käufer von Immobilien schwören auf ihr „Betongold“ und sind sich sicher, dass sich diese Investition auszahlen wird. Die Banken finden auch, dass ein Immobilienerwerb etwas Gutes ist und das sollte schon stutzig machen.

Besonders die Faktoren, die zur Begründung eines Kaufs herangezogen werden, sind zu wenige und vor allem oberflächlich. Denn verglichen wird lediglich der Immobilienpreis plus Zinsen mit den Mietkosten. Bei diesem Vergleich schneidet der Kauf  fast immer besser ab als die Miete. Was ist mit den ganzen anderen Kosten für eine Modernisierung, für Reperaturen oder Sonstiges? Ach ja, da wäre noch die Bank, die das monatliche Bezahlen für das Eigenheim schmackhaft macht. Sofern der Interessent solvent ist, hat sich die Bank bereits für den Kauf entschieden.

Warum sollte man auch für einen wildfremden Vermieter zahlen anstatt für sich, nämlich in die eigenen vier Wände? Mit dieser Motivation wird sich dann in einen Kredit gestürzt, der jeglicher Vernunft entbehrt. Für den Kauf darf sich jeder selbst entscheiden, es geht hier um die Summen. Da wird 50.000 Euro Brutto verdient und locker ein Kredit über 250.000 unterschrieben. Es versteht sich, dass zu den 250.000 Euro noch Zinsen hinzugerechnet werden müssen.

Ganz clevere Immobilienkäufer kaufen sich eine Wohnung und lassen den Mieter die monatlichen Raten für die Wohnung abbezahlen. Wieso ist nicht jeder schon auf diese geniale Idee gekommen? Bei dieser Art von Investment hört man ganz selten das Wort Leerstand, darüber will niemand sprechen. Auch wird nicht über die Abnutzung der Wohnung gesprochen, dass neue Armaturen eingebaut werden müssen, das Laminat erneuert  werden muss und die Fenster auch nicht mehr ganz dicht sind. Von staatlich vorgeschriebenen baulichen Veränderungen ganz zu schweigen.

Die Investition in eine Immobilie in Kombination mit einer Verschuldung über 20 Jahre leuchtet schwer ein. Ganz besonders, dass man sich in die Abhängigkeit eines Anderen begibt, sollte zu denken geben. Die freundliche Bank grüßt Sie nur so lange, bis Sie die Raten nicht mehr zahlen können.

Es soll hier der Immobilienerwerb nicht verteufelt werden, jeder Käufer ist alt genug und wird sich seine Vor- und Nachteile ordentlich abgewogen haben. Wie kann man sich nur freiwillig in einen Schuldenturm flüchten, ohne dass dafür eine Notwenigkeit besteht? Wieso verschuldet man sich mit dem Vielfachen des Einkommens? Niemand weiss, wie die kommenden 20 Jahre verlaufen werden. Warum also das Risiko eingehen?

Der Immobilienhype in Deutschland scheint den Käufern Recht geben zu wollen. Immer mehr Interessenten entscheiden sich für die eigenen vier Wände. Sie lassen sich trotz der schnell steigenden Immobilienpreise nicht vom Kauf abbringen. Eine weise Kaufmannsregel besagt: das Geschäft macht man beim Einkauf, nicht beim Verkauf. Damit wäre die Hoffnung auf steigende Preise verfehlt, wenn man das Objekt der Begierde bereits zu teuer erworben hat.

Die positiven Gründe für einen Immoblienkauf wollen sich einfach nicht einstellen. Ein Denkfehler?

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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