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Am heutigen Tag überwiegt die Euphorie über eine möglicherweise gelingende Einigung in der Frage des Schuldenschnitts für Griechenland. Doch dem Braten kann man einfach nicht trauen, das sollte man auch nicht. Wer sich vor Monaten noch rigoros gegen einen Schuldenschnitt gewehrt hat und sich nun begeistert daran beteiligen möchte, dem kann man nicht trauen. Genau das machen die Finanzinstitute im Moment. Sie signalisieren ihre Bereitschaft Griechenland zu retten, jedenfalls nach außen hin.

Warum die Märkte am heutigen Tag nach oben schießen, wird wohl nur der Markt selber wissen. Die Teilnehmer der Börse können dem Treiben nur verdutzt zusehen. Sie sehen die steigenden Kurse, aber glauben können sie es nicht. Sämtliche Indizes sind stark im Plus. Die Hoffnung beruht auf einer Einigung Griechenlands mit den Gläubigern über einen Forderungsverzicht von 53,5% (Schuldenschnitt).

 

Zwei Dinge sollten zur Vorsicht mahnen:

Erstens: Warum steigt plötzlich das Interesse an einer Einigung, die bis vor wenigen Tagen noch auf wenig Sympathie gestoßen ist? Da vornehmlich Finanzinstitute von einem Schuldenschnitt betroffenen sein werden, stellt sich die Frage: Was ist die Gegenleistung für ihre Zustimmung? Welche Annehmlichkeit versprechen sich die betroffenen Unternehmen? Wie wäre es mit einer Versicherungsleistung?

Könnte es nicht sein, dass die Institute 53,5% ihrer Forderung hergeben, aber dafür mehr von der Versicherung kassieren? Unmöglich ist das nicht. Denn die Verflechtung in der Finanzwelt ist enorm. Die eine Bank gibt Versicherungsprodukte aus, die andere kauft sie, eine Dritte besitzt die Staatsanleihen, auf denen die Versicherungsprodukte basieren, und eine weitere bündelt verschiedene Wertpapiere und verkauft sie weiter. Ein augenscheinlicher Verlust kann sich im stillen Kämmerlein also als Gewinn herausstellen, sofern man das Finanzkonstrukt versteht und weiß, wie man es clever anwendet. Wer also von einem Schuldenschnitt profitiert, bleibt bisher im Dunkeln. Nur eines ist klar: Es ist nicht Griechenland.

 

Zweitens: Worauf beruht die Hoffung, dass es dem Land nach der Einigung besser gehen sollte? Offensichtlich denkt man als Gläubiger mit diesem Schritt des Forderungsverzichts dem Land etwas Gutes zu tun. Nach bisherigen Zahlen soll die Schuldenlast der Hellenen um 107 Milliarden Euro sinken. Und was soll das bringen, werte Leser? 

Nehmen wir an, ein Schuldner hat ein geringes bis gar kein Einkommen. Dieser Schuldner hat an verschiedene Gläubiger angenommene 30.000 Euro Schulden. Was würde es dem Schuldner ausmachen, wenn seine Schulden auf 20.000 Euro gesenkt würden? Offensichtlich nichts. Denn auch mit einer Senkung der Schulden um 10.000 Euro sind die Verbindlichkeiten trotzdem zu hoch. In genau dieser Lage befindet sich Griechenland. Für die Hellenen sind die angehäuften Schulden nicht abtragbar, ob mit oder ohne Schuldenschnitt.

Die Schulden des Staates belaufen sich Ende 2011 auf ca. 350 Milliarden Euro. Durch den Schuldenschnitt soll die Summe um die besagten 107 Milliarden gesenkt werden. Bleiben immer noch 243 Milliarden Euro, denen keine Art von Einnahmen entgegen stehen. Es gibt keine Industrie, keine Einnahmequelle, um überhaupt Schulden abtragen zu können. Auf dem Kapitalmarkt bekommen die Griechen kein frisches Geld. Nur unter großen Anstrengungen der EZB wurde bisher eine Pleite hinausgezögert.   

Egal, wie am Abend die Entscheidung zum Schuldenschnitt in Griechenland ausgehen mag, das Land der Götter kann nur den Weg in die Pleite gehen. Dieser Weg ist vorgezeichnet. 

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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