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Die Börsen sind in freudiger Lauerstellung. Werden die Gläubiger von Griechenland nun für einen Forderungsverzicht stimmen oder nicht? Wird das Land in 24 Stunden Pleite sein oder nicht? Da werden Zustimmungsraten von 60% herumgereicht, die jeglichen Beweis schuldig bleiben. Jede neue Zahl wird mit einem Kurssprung an den Märkten quittiert. Die Spekulation hat ihren Höhepunkt erreicht. Die Börsen springen wie wild nach oben, verloren haben bereits die Kleinanleger.

Um 10:12 Uhr springt  der DAX aus dem Stand um 1% oder 64 Punkte nach oben. Völlig verwirrt schauen die Trader zu, wie der Index ihren Tagesplan zunichte macht. Eigentlich wurden fallende Kurse erwartet. Das war auch gar nicht unklug, nach den starken Verlusten vom Dienstag. Und heute ist wieder scheinbar alles wieder in Butter. Über den schnellen Meinungswandel der Anleger wurde (hier) schon mal geschrieben. Aber was jetzt abgezogen wird, ist mehr Abzocke als Anlage.

Das muss man so klar sagen, da die Anleger in diesem verrückten Markt nicht die Teilnehmer sind, im Sinne von Gewinn erwirtschaften, sondern nur das Futter für die anderen Börsenteilnehmer. Die Trader, die short waren, sind schmerzhaft aus ihrer Position gepresst worden. Wer kein Stopp Loss eingegeben hatte, der ist besonders schlimm überrascht worden. Dessen Position könnte bereits ausgeknockt worden sein.

Wie groß die Übermacht der großen Anleger ist, kann man an solchen Tagen besonders deutlich erkennen. Wenn diese nicht den Daumen über Griechenland senken, dann geht das Land nicht pleite. Da kann gehofft, gebetet oder sonst etwas getan werden. Das Großkapital entscheidet, wann der Zeitpunkt gekommen ist. 

Nicht unerwartet ist da die Haltung der Medien, die an solch einem wichtigen Tag für Europa die Werbetrommel rühren. Sie wollen noch die letzten Anteilseiner von griechischen Staatsanleihen zum Umtausch bewegen. Das äußert sich in wohlwollenden Worten über die Lobbyarbeit der Bundesregierung. Außerdem in der regen Meldung von Zustimmungsraten, welche suggerieren sollen, dass sich scheinbar alles zum Positiven wenden wird.

Die positive Tendenz, welche sich gerade am Markt durchsetzt, wurde bereits in Asien aufgenommen, als die asiatischen Börsen den Handelstag mit einem ordentlichen Kursplus beendeten. Es heißt oft, Börsen mögen keine Unsicherheit. Eine noch größere als die heute gibt es wohl selten und doch greifen die Handelscomputer emotionslos zu. 

Wer als privater Anleger staunend vor dem Computer sitzt und sich die Kursveränderungen ansieht, der muss sich wohl oder übel veräppelt vorkommen. Manche haben ihre Aktien veräußert und wollten günstig wieder einsteigen, wenn sich eine Korrektur im DAX ausgebildet hat. Der Zug fährt gerade mit Volldampf, aber ohne die Privaten. Da kann den Anlegern schnell die Lust an der Börse vergehen. 

Das ist auch berechtigt, weil die Börsen beim Betrachter einen heillos verlorenen Eindruck hinterlassen. Börse ist irrational – ja, doch wer sich länger damit beschäftigt wird wissen, dass es selten so "luftleer" an den Märkten zuging wie in den letzten Monaten. 

Die Verlierer sind die normalen Kleinanleger, die mit ihrem Ersparten einen ordentlichen Profit erwirtschaften wollen. Sie können inmitten der hektischen Zockerei der großen Spieler nicht mitspielen. Sie bekommen immer nur die Quittung präsentiert. Sie müssen für die Party der Großen bezahlen. 

Auch heute sind wieder sehr viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischt worden. Mit so einer Reaktion, an so einem wichtigen Tag, hat niemand gerechnet. Ein Schelm, wer da an Absicht denkt. Man redet am Markt von Zuversicht über ein Gelingen des Schuldenschnitts. Gerüchten zufolge haben bereits 60% zugesagt und der Rest hat noch Zeit bis heute Abend 21Uhr. 

Für die Börsen ist die Entscheidung gefallen, es wird gefeiert. Nur wer hier etwas zu feiern hat, das ist nicht ganz klar, jedenfalls nicht der normale "private" Anleger, dem ist zum Heulen zu Mute, denn er wird hier mächtig veräppelt.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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