Buchtipp

Besonders in Zeiten, in denen die Aktienkurse in den Himmel steigen, werden Konjunkturdaten ebenfalls positiv vermeldet bzw. sind positiv. Was zuerst kam, wissen nur die berühmte Henne und das Ei. Aber wer weiß schon, was die gemeldeten Zahlen aussagen? Kaum jemand versteht die Statistiken, deshalb gibt es auch keinen Grund, in Euphorie zu verfallen.

Am heutigen Tag meldet der ADP-Report aus den USA, dass die Zahl der neu geschaffenen Stellen gestiegen ist. Auch in Deutschland ist man mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes der letzten Monate sehr zufrieden. Nur was sagt uns eine Zahl ohne bewertbare Messgröße zum Arbeitsmarkt? Welche Erkenntnis lässt sich davon ableiten?

Genau hier hapert es. Wenn zuvor 200 Leute je 1000 Euro verdient haben und jetzt 230 Arbeitnehmer für 600 Euro arbeiten müssen, weil die Löhne gedrückt wurden oder weil sie eine gering bezahlte Tätigkeit aufnehmen mussten, dann ist das nichts, worauf man als Staats/als Behörde stolz sein kann. Die Menschen müssen von der Arbeit leben können, wenn dem nicht so ist, dann sind die hochgelobten Arbeitsmarktzahlen völlig fehl am Platz.

Diesen Eindruck erhält man als Leser, wenn von positiven Signalen vom Arbeitsmarkt gesprochen wird. Werden hier Äpfel mit Äpfeln verglichen? Denn nur eine Zahl, ohne eine Referenz, ist vollkommen wertlos. Und doch haben es die Statistikbehörden geschafft, dass scheinbar irgendwer diese Zahlen aufnimmt und diese weiterreicht, ohne zu hinterfragen.

"Es sind mehr Stellen geschaffen worden" ist der oft gehörte Satz von einer Arbeitsagentur. Das ist in jedem Land gleich. Heißt das nicht eher: Mehr Menschen arbeiten im Sinne von "Sie haben eine registrierte Tätigkeit und zahlen damit Steuern"? Worin liegt also die positive Eigenart, die man dieser Meldung zuordnet?

Wenn ein Arbeitnehmer sein Gehalt steigern kann, indem er für die gleiche Arbeit mehr verdient, dann ist das bewertbar und schön. Für 40 Stunden Arbeit pro Woche gab es früher im Monat X-Euro und nun Y% mehr. Dieses Beispiel ist rund, weil die Bewertbarkeit vorhanden ist. Für die gleiche Stundenzahl gibt es mehr

In den Worten der Arbeitsagentur würde die Meldung ohne Messgröße folgendermaßen verkündet werden: "Arbeitnehmer verdient mehr" – Ein Hurra würde durch die großen Medien gehen, was natürlich Unfug ist: Die Messgröße zur Bewertung wäre ja nicht kommuniziert. 

Ohne Messgröße (gleiche Stundenzahl) könnte der Anstieg des Gehalts viele andere Gründe haben. Der Arbeitnehmer könnte in verschiedene Projekte eingebunden sein und nun 60 Stunden pro Woche arbeiteten. Tatsächlich würde der Arbeitnehmer im Verhältnis weniger als früher verdienen. Er arbeitet mehr Stunden und kompensiert den prozentualen Lohnzuwachs. Der Lohn pro Stunde sinkt. 

Die Meldung der Agentur "Arbeitnehmer verdienen mehr" wäre entlarvt als eine statistisch positive, aber volkswirtschaftlich negative Entwicklung. So muss man es auch bei den Zahlen zum Arbeitsmarkt betrachten. Ohne eine Messgröße zum Vergleich kann jede Zahl, die von einer Behörde ausgegeben wird (das gilt natürlich auch für alle anderen Zahlen) ignoriert werden.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

Share This