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An Tagen, an denen die Kurse purzeln und das Depot anfängt rot anzulaufen, da müssen sich Trader von anderen Tradern gelegentlich anhören, man solle sich nicht aufregen, das Geld sei ja nicht weg. Es habe nur jemand anderes. Das fällt umso schwerer, wenn man in die eigene Brieftasche blickt. Was hat es damit auf sich?

Wenn ein Trader sowieso schon schlecht gelaunt ist und sich dann auch noch obigen Kommentar anhören muss, dann läuft nicht nur das Depot rot an, sondern auch der Kopf. Denn für denjenigen, der die Verluste einstecken muss, ist die Rechnung ganz einfach. Vor den Verlusten war seine Brieftasche mit Betrag X gefüllt und nach dem Kurssturz sind es nur noch Y, was eindeutig weniger ist als X. Sehr wohl ist das Geld weg.

Nun ist Börse nicht gleich Börse und Meinungen sind nicht gleich. Das heißt, jede Aussage für sich ist richtig. Der Trader, der die Verluste einstecken musste, sieht seine eigene Situation. Für sich selbst genommen hat er recht, das Geld ist weniger geworden und sein Geld ist tatsächlich weg. 

Der andere Trader betrachtet die Börse in seiner Gesamtheit. Auch dieser Trader hat mit seiner Meinung Recht. An der Börse wird untereinander gehandelt. Das heißt, jemand muss verlieren, damit ein anderer gewinnt. So funktioniert die Börse.

Investoren kaufen Aktien günstig und versuchen diese teuer zu verkaufen. Da niemand weiß, wann ein Preis günstig ist und wann ein Preis zu hoch ist, gibt es für jedes Geschäft einen Handelspartner, der von seiner Aktion überzeugt ist. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine Aktie A für 50 Euro gekauft und verkaufen diese jetzt für 70 Euro. Das sind satte 20 Euro Gewinn. Für Sie ist der Wert gut gestiegen und Ihrer Meinung nach ist der Moment gekommen, sich von dieser Aktie zu trennen. Und doch gibt es irgend jemanden in der großen Börsenwelt, der Ihnen zu genau diesem Zeitpunkt diese Wertpapapiere abkaufen will, weil er sicher ist, dass die Aktie noch weiter steigen wird. 

Wie heißt es so richtig an der Börse? Wenn ein Anleger eine Aktie verkauft, dann macht er das mit der Überzeugung, das Richtige zu tun. Der Käufer dieser Aktie kauft diese Aktie mit derselben großen Überzeugung, genau zum gleichen Zeitpunkt ebenfalls das Richtige zu tun. 

Die Unternehmen, die Aktien ausgegeben haben, sind von dem Hin und Her der Aktienkurse nicht betroffen. Sie verdienen auch nichts daran, wie irrtümlich manchmal vermutet wird. Das Unternehmen bekommt sein Geld bei der Ausgabe der Aktien, danach ist es von Kursveränderungen nicht betroffen. (Es gibt in der tieferen Betrachtung Gründe, auf den Kurs aufzupassen, wie für den Fall, dass Aktien als Kapital verwendet werden oder Gründe, einem zu niedrigen Kurs entgegenzuwirken, um nicht Ziel einer feindliche Übernahmen zu werden usw. Das passt aber hier thematisch nicht in den Artikel, deshalb wird nicht weiter darauf eingegangen).

So wandern die Aktien von einem Depot zum anderen, ohne dass sich an der Geldmenge an der Börse etwas ändert. Ihr Gewinn ist der Verlust eines anderen. Ihr Verlust ist der Gewinn eines anderen Anlegers. Es ist wie an einem Pokertisch oder beim Monopolyspiel. Das Kapital wandert von einem Spieler zum nächsten, mal hat der eine mehr Scheine oder Chips vor sich liegen, mal der andere.

Für die Betrachtung des gesamten Aktienmarkes ist es tatsächlich so, dass das Geld nicht weg ist. 

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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