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Jeder, der neu an der Börse ist, dem fällt zunächst die Wankelmütigkeit der Marktteilnehmer auf. Die Meinungen drehen sich wie das berühmte Fähnlein im Wind. Gestern noch stiegen die Kurse, als gäbe es kein Morgen, und heute ist man von fallenden Kursen überzeugt. Gestern war die Wirtschaft noch in Ordnung, heute droht die schlimmste Rezession. Dabei macht nicht die Änderung der Meinung dem Neuling zu schaffen, sondern die Nichtgreifbarkeit der aktuellen Lage.

Was soll ein Anleger von der vorherrschenden Marktmeinung halten, wenn er sie nicht greifen und relativ bewerten kann? Am heutigen Tag ist die Begründung für einen fallenden DAX, dass die chinesische Wirtschaft nicht so wachsen wird, wie man sich das als Anleger erhofft hatte. Noch vor wenigen Wochen hieß es, die chinesische Wirtschaft wachse ordentlich und die Anleger kauften Aktien. Da kann man schnell durcheinander kommen. Wer bei diesem Hin und Her durcheinandergekommen ist, der muss sich nichts vorwerfen, so ist es an der Börse.

Wenn man versucht, Nachrichten und Meinungen an der Börse zu greifen und zu bewerten, dann wird man automatisch daran verzweifeln – denn das geht gar nicht.

Man sagt, die Börse ist Psychologie. Nicht das, was richtig oder falsch ist gewinnt, sondern was man glaubt, was passieren wird. Zum Beispiel braucht man nur an einen Unternehmenserfolg glauben. Bekanntlich versetzt der Glaube Berge. Solange das Unternehmen die Anleger überzeugen kann, es werde glänzende Gewinne erwirtschaften, dann reicht das bereits, damit die Kurse steigen. So war es bei den vielen Internetunternehmen zu Beginn des Jahrhunderts zur dot.com Blase. 

Die Kurse stiegen, weil die Käufer der Aktien an blühende Zukunftsaussichten geglaubt haben, nicht etwa, weil das Unternehmen tatsächlich Gewinne vorweisen konnte. Aktuell verhält es sich ebenso an den Börsen. Die Wirtschaftsdaten, die tagein tagaus gemeldet werden, sind für den einzelnen Tag eher unwichtig, aber in der Psychologie ist es ein Schlüssel, sich für einen Kauf oder einen Verkauf zu entscheiden. 

Was vor zwölf Jahren an den Märkten funktioniert hat, ist heute kein bisschen anders. Auch heute glaubt die Anlegergemeinschaft, dass in der Zukunft die Weltkonjunktur besser wird. Heute schwächelt die Konjunktur eher und doch steigen die Aktienkurse rapide. Wer hier versucht, Realität in seine Gedanken einfließen zu lassen, der wird schnell merken: Realität und Aktienkurse gehen nicht im Gleichschritt.

Keine Wirtschaft ändert sich von heute auf morgen, keine Konjunktur hat letzte Woche gebrummt und schlittert diese Woche in die Rezession. Konjunkturelle Veränderungen brauchen Zeit. An der Börse gilt nur das "Gefühlte", so wie man beim Wetter von einer gefühlten Temperatur spricht.

 

Wie geht der Neuling damit um?

Das ist wohl die schwerste Disziplin an der Börse. Der Anleger muss sich von seiner Meinung lösen können. Nicht was er denkt ist richtig an der Börse, sondern was die Allgemeinheit denkt bestimmt die Kurse. Es muss also permanent antizipiert werden. Die schwere Gradwanderung ist nun, dem vorzugreifen, was die Masse denkt (einen Schritt vorausdenken) und sich doch selbst einen Plan zu erarbeiten, wie es in der Zukunft aussehen mag (zwei Schritte vorausdenken). Da muss man nämlich wieder seinen eigenen Kopf anstrengen. Man muss als Anleger versuchen, die Puzzleteile, die vorliegen, so zu interpretieren, wohin das Schiff steuert. Das Ziel ist der Zielhafen, den muss der Anleger herausfinden. Den Weg dahin bestimmt die Masse der Marktteilnehmer, ob sie den direkten Weg nehmen oder einen Schlingerkurs fahren. 

Es kann in diesem Artikel keine Empfehlung ausgesprochen werden, sondern nur auf die Funktionsweise der Gedankenwelt der Anleger hingewiesen werden. Es gibt nichts Greifbares an der Börse. Wer schon gehandelt hat wird wissen, dass auch Fakten an der Börse nicht helfen. Sind Unternehmenszahlen gut, dann fällt der Aktienkurs vielleicht trotzdem, weil die Aussichten schlecht sind. Sind die Zahlen gut und auch die Aussichten, dann fällt der Kurs ebenfalls, weil die Anleger Gewinne mitnehmen wollen. Diese haben zuvor gekauft und verkaufen jetzt die Fakten (buy the rumor, sell the fact = kaufe das Gerücht, verkaufe, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen). 

Sie merken, es ist nicht einfach an der Börse. Wie man es macht, es kommt anders als man denkt. Die Markteinschätzung der Händler ändert sich täglich, ohne dass sich an der fundamentalen Lage etwas geändert hat. Sie können sich nicht auf die Börse verlassen. Sie müssen als Neuling ihren eigenen Weg finden

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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