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Es ist nicht mehr mit anzusehen, wie Regierungen sich für eine Rettung Griechenlands einsetzen. Das Geeiere um Hilfen und um jede weitere quälende Abstimmung der letzten Jahre ist unerträglich geworden. Diese Art von Erregung eines öffentlichen Ärgernisses müsste mit einem Ordnungsgeld belangt werden. Wenn Rettung, dann braucht das Volk endlich Ergebnisse. Wenn keine Rettung, dann muss eine Pleite als Konsequenz erfolgen. Nur so wie bisher kann es nicht weitergehen, jemand muss ein klares Wort sprechen.

Wieder einmal ist die stark gebeutelte Gilde der Ratingagenturen das Zünglein an der Waage. Sie ist bisher die einzige Organisation, die den Regierungen in Europa seit Jahren die Stirn bietet und klar ausspricht, was nicht zu leugnen ist. Euer Handeln ist Murks. Gerettet habt ihr nichts. Deshalb senken wir als Konsequenz die Bonitätsnoten europäischer Staaten.

Das hat den betroffenen Ländern nicht gefallen, die eine Senkung der Kreditwürdigkeit hinnehmen mussten und doch war der Schritt von den Ratingagenturen richtig und wichtig. Wer nicht hören will, muss eben fühlen.

Jetzt hat die Ratingagentur Standard & Poor's den teilweisen Zahlungsausfall für Griechenland festgestellt. Die Agentur stufte das Rating von CCC auf "SD" (Selective Default) herab. Das bedeutet teilweise zahlungsunfähig. Dieser Schritt war bereits Ende Januar im Artikel "Es gibt keine Lösung für Griechenland" von uns erwartet worden. Es hieß:

 

Nicht zu vergessen sind die Ratingagenturen. Standard & Poor’s hat bereits angekündigt, sobald in Griechenland ein Schuldenschnitt beschlossen wird, der keine Regelung auf freiwilliger Basis erkennen lässt, würde sofort ein “D=Default” Rating ausgerufen werden. Eine Staatspleite wäre dann offiziell eingetreten.

 

Nun ist ein Zahlungsausfall innerhalb der EU eingetreten. Davor hatte man sich gefürchtet. Offensichtlich scheint das jetzt niemanden zu stören. Es gibt keine eilige Krisensitzung, kein EU-Gipfel ist einberufen worden. Nicht mal die Finanzmärkte scheint der teilweise Zahlungsausfall mehr zu jucken. Die Pleite Griechenlands ist ja auch allseits bekannt, nur offiziell auszusprechen traut sich das (noch) niemand. Für die Politik wäre es ein Eingeständnis völligen Versagens.

In  den Medien führte die Meldung über die erneute Abstufung Griechenlands durch S&P zu einer schnellen Reaktion, die meist folgendermaßen lautet: "EZB akzeptiert keine griechischen Anleihen mehr als Sicherheit". Sofort klingeln die Alarmglocken beim Leser und es wird angenommen, dass Griechenland nunmehr von weiteren Hilfszahlungen abgekapselt ist. Diese Reaktion soll die Wortwahl der Schlagzeile wohl auch auslösen. Tatsächlich ist dem nicht so, die EZB kann immer Wege finden, um Kapital zur Verfügung zu stellen.

Die EZB hat immer Möglichkeiten über verschiedene Kanäle Geld zu besorgen und den betroffenen Ländern zukommen zu lassen. Hierfür gibt es Notfall-Liquiditätslinien. Da die EZB selbst entscheidet, was ein Notfall ist, kann sie jederzeit Geld locker machen. Wenn es wirklich nicht mehr anders zu machen ist, dann setzt sich die EZB auch über ihre eigenen Statuten/Verträge hinweg und findet dann einen Weg der Zahlung. Auch wenn nur noch das Tricksen und Abwickeln über eine dritte Partei bleibt, wie bei dem Zahlungsarrangement mittels IWF geschehen.

So geschehen, seitdem die Schuldenkrise begonnen hat. Die EZB darf, nach ihren ursprünglichen Verträgen, keine Staatsanleihen von Staaten akzeptieren, welche nicht mit sehr guten Noten ausgestattet sind. Man bedenke, dass die EZB bis gestern griechische Papiere mit der Note "CCC" angenommen hat. "CCC" ist eine Stufe vor dem "D" welcher den Zahlungsausfall bedeutet. Soweit zu Recht und Ordnung innerhalb der EU. Das erinnert eher an eine Bananenrepublik.

Wie weit das Rettungstheater in der EU weitergegen wird ist schwer zu prognostizieren. Denn EU und EZB haben sich zu einer Vermeidung einer Staatspleite entschlossen. Auch wenn der griechische Patient schon länger tot ist, will dies einfach nicht eingestanden werden. Doch dieser finale Schritt ist nicht weit.

Durch die Entscheidung der Ratingagentur S&P einen teilweisen Zahlungsausfall (Selective Default) Griechenlands zu attestieren, ist der griechische Patient formal tot oder in der Staatensprache ausgedrückt: Die Staatspleite ist formal eingetreten. Jetzt gibt es Interessen am Markt, die diese Bewertung in Bares umgemünzt haben wollen, nämlich diejenigen, die sich gegen einen Zahlungsausfall versichert haben (CDS). Diese werden nicht locker lassen, das ihnen zustehende Geld einzutreiben.

Wenn eine Versicherung eine Leistungspflicht feststellt und den Besitzer einer Ausfallversicherung auszahlt, dann werden alle anderen Versicherungen aktiv und ebenfalls ausgezahlt werden müssen, da die Verträge auf der gleichen Basis beruhen. Das wird der Moment sein, an dem die Politk keine Handlungsmöglichkeit mehr hat, da sie nicht mehr gefragt wird. 

Wer die offizielle griechische Staatspleite ausspricht, werden wir gemeinsam erleben.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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