Indikatoren-Trading

Gestern wurde ein erneuter Monat gemeldet in dem die Verkäufe bestehender Häuser in den USA angestiegen sind. Drei der letzten Vormonate wurden damit mit einem Anstieg abgeschlossen. Verwunderlich ist die Interpretation, die mit dieser Meldung geliefert wurde.

Es hieß nämlich aus Richtung der Volkswirte: "Der Anstieg sei ein Zeichen, dass die Käufer die Marktbedingungen als günstig empfinden". Das sollte unsere Leser neugierig machen. Wie kommen die Volkswirte dazu, einen Anstieg der Häuserverkäufe als positiv zu verkaufen? Man könnte meinen, die Käufer haben also zugeschlagen, weil die Preise im Keller sind. Es könnte doch ebenso sein, dass zu viele Häuser am Markt vorhanden sind. Diese wollen bzw. müssen verkauft werden. Die Verkäufer könnten doch auch in der Not sein und zu jedem Preis verkaufen wollen?

Das würde bedeuten, die Lage ist nicht schön, denn der Verkaufsdruck bei bestehenden Häusern in den USA hält unverändert an. Immer mehr Besitzer müssen zusehen, dass sie ihre Immobilie verkauft bekommen. Aus der Not heraus senken sie immer weiter die Preise, bis sich Käufer finden, die bereit sind, das Objekt zu erwerben. Was an der Meldung, der Anstieg sei ein gutes Zeichen, positiv sein soll, erschließt sich dem Betrachter nicht.

Zu einem Geschäft gehören immer zwei. Die gleiche Meldung könnte auch kritisch interpretiert werden. Wenn man die positive Komponente weglässt, dann könnte die Meldung wie folgt lauten: "Immer mehr Häuser müssen den Besitzer wechseln". 

Ist ein Glas halb voll oder halb leer? Es kommt auf die Betrachtungsweise an. Wenn ein Unternehmen aus einem Land zum Beispiel einen PKW in ein anderes Land verkauft, welcher Geschäftsprozess findet dann Anwendung? Der Import- oder Exportprozess? Das empfangende Land zählt dieses Geschäft in der Statistik als Import. Das verkaufende Land bewertet den Verkauf als Export. Es kommt darauf an, durch welche Brille welchen Landes man dieses Geschäft betrachtet. Auch hier gilt also, die Betrachtungsweise gibt die Antwort vor. Es ist in diesem Beispiel unmöglich, eine neutrale Antwort zu geben, denn beide Antworten sind auf ihre Art richtig.

Ein weiteres Beispiel: Gelegentlich kommt es vor, dasd eine Aktie unter hohen Umsätzen zusammenbricht. Je tiefer die Notierungen rutschen, umso deutlicher zieht der Umsatz an. Jetzt kommt wieder die Betrachtungsweise ins Spiel. Laut obiger Vorlage müsste das positiv interpretiert werden: Bei sinkenden Aktienkursen langen die Käufer zu. Die Alternative würde so aussehen: Die Umsätze könnten zugenommen haben, gerade weil viele Anleger sich von diesen Aktien trennen, koste es was es wolle. Es gibt mehr Verkäufer als Käufer.

Hier zeigt sich das Dilemma in der Aussage der Volkswirte. Es kann unmöglich festgestellt werden, dass der Anstieg der Verkäufe bestehender Häuser eine positive Nachricht ist. Eine echte Interpretation könnte nur dann erfolgen, wenn auch die Preiskomponente betrachet wird. Steigen die Verkäufe bei gleichbleibenden oder gar steigenden Immobilienpreisen? Das wäre posiitv. Doch dafür müsste man Äpfel mit Äpfeln vergleichen. Dieser Vergleich fehlt bei der obigen Meldung. 

Warum wird die Lage beschönigt?

Als Konsequenz kann man eine positivere Gestaltung der Meldung herauslesen. Durch die Wortwahl "günstige Marktbedingungen" orientiert sich der Gedankengang des Lesers direkt in auf die positive Schiene und entscheidende Kennzahlen werden besser interpretiert, als sie sind. Daraus folgt, dass man die gesamtwirtschaftliche Lage wohlwollender betrachtet. In diesem Fall wird also der Gedanke geweckt, die Käufer kaufen wieder, weil sie wieder Geld haben. Der Immobilienmarkt verlässt seine Krise und die Marktsituation für Häuslekäufer wird besser, wäre die natürliche Interpretation. Klingt alles toll? Genauso will man die Meldung auch beim Leser ankommen lassen.

Bei einer Meldung wie dieser aus dem Beginn dieses Artikels sollte man immer die Ohren spitzen und die Augen weit öffnen. Es gibt immer einen Grund, warum eine Meldung genauso ausgegeben wird und nicht anders. Also Obacht.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

Share This