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Im Moment hofft die gesamte Finanzwelt auf 130 Milliarden Euro. Die Weitsicht, mit der die globalen Finanzmärkte normalerweise agieren, ist einem Tunnelblick gewichen. Es geht nur noch um diese genannte Summe. Die Börsen, die Staaten, die Regierungen, die Menschen, es gibt niemanden, der nicht die Daumen drückt, dass am heutigen Tag dieses Geld für Griechenland freigegeben wird. Doch die Erfahrung zeigt, die Hoffnung ist kein guter Partner am Finanzmarkt.

Wer sich auf das Parkett der großen Hoffung begibt, der ist sich seiner Sache nicht sicher. Er muss beten und hoffen, dass das, was er sich wünscht, auch eintrifft. Meist kann man diesen Zustand verfolgen, wenn ein Aktienengagement in die falsche Richtung geht und der Aktionär zögert, die Notbremse zu ziehen. Er hofft dann auf bessere Tage und steigende Kurse. So beruht die Hoffnung dieser Tage auf einer neuen Rettung Griechenlands oder muss man eher sagen Rettung Europas?

Das Schicksal von Europa hängt ebenso am seidenen Faden wie die Zukunft Griechenlands. Ebenso hängt die Zukunft der EZB an dem Schicksal der jeweils anderen beiden Parteien. Sie sehen, die Lage ist verzwickt.

Erneut begannen die Handelsplätze den Wochenanfang vornehmlich positiv. Der Nikkei ist deutlich im Plus, der DAX folgt ebenfalls mit positiven Notierungen und mit einem Aufwärtsgap. Lauscht man, was so unter den Händlern gesprochen wird, dann hört man immer wieder das Gleiche: die Hoffnung auf die Rettung Griechenlands beflügele die Aktienmärkte.

Der besagte Tunnelblick beruht auf einer positiven Interpretation der Griechenland Problematik. Die Marktteilnehmer "sehen" nur die positiven Nachrichten. Jede auch so kleine unscheinbare Handlung reicht, um eine Kaufwelle auszulösen. Es reicht für einen Kursanstieg aus, wenn sich die Parteien in Athen zusammensetzen, es reicht, wenn diese ohne Streit den Tisch wieder verlassen. Es ist ein positiven Zeichen, wenn die griechischen Parteien verbal eine Zusage machen. Das sind alles Dinge, die der Anleger nicht greifen kann. Das heißt, auf so etwas sollte niemand wetten, doch genau das passiert derzeit am Markt. Es wird auf Luft gebaut.

Das Durcheinander unter den Marktteilnehmern wurde Ende letzter Woche besonders deutlich, als am Donnerstag und Freitag die amerikanischen Märkte bereits die Rettung Griechenlands vorgezogen haben. Es hieß "Wallstreet feiert bereits die Rettung…". In den USA nimmt man also eine Rettung schon als gegeben an. In Asien hofft man noch und in Europa folgt man den anderen beiden Märkten. Sie sehen, dass klingt alles nicht so ganz fundiert, ist es auch nicht. Das Eis, auf dem die Märkte gleiten, ist sehr dünn.

Es geht um 130 Milliarden Euro, die die Euro-Finanzminister am heutigen Tag absegnen sollen, wollen oder müssen. Damit soll Griechenland geholfen werden. Gerettet werden kann man auch nicht sagen, weil dadurch sich ja nichts ändert. Auch das Geld wird schnell verbraucht sein. Die Probleme aber werden bleiben.

Worauf sich die Hoffnung der Finanzmärkte im Moment wirklich aufbaut bleibt im Dunkeln. Die Griechen hoffen auf neues Kapital, Europa auf die Vermeidung einer Staatspleite innerhalb ihrer Grenzen, die Bürger haben eh keine Hoffnung mehr. Der Faktor Hoffnung ist daher eine Eigenart an den Finanzmärkten. Es wird eisern eine Rechtfertigung gesucht, warum die Kurse weiter steigen (sollen). Was passiert aber, wenn die Griechenland Hilfe durch ist, fallen die Märkte dann in ein tiefes Loch?

An der Börse heißt es: "buy the rumor – sell the fact". Kaufe, solange das Gerücht im Umlauf ist, verkaufe, wenn die Fakten genannt werden. Es kann nur wiederholt unterstrichen werden. Hoffnung ist kein guter Partner an den Finanzmärkten. Sie kann schnell verfliegen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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