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Der deutsche Staatspräsident Christian Wulff ist zurückgetreten. In der ersten Reaktion ist eine große Last von den Schultern der deutschen Bürger genommen. Zu schwer, zu untragbar wurden seine Windungen, Entschuldigungen und Bekundungen. Jetzt, wo die Staatsanwaltschaft seine Immunität aufheben wollte und Herr Wulff wirklich alles hätte beichten müssen, da sind ihm seine Gönner doch wichtiger als die erste Position im Staate.

Seien wird doch mal offen. All die Möglichkeiten, die man durch die Bekanntschaft von wohlhabenden Freunden hat, die will man nicht missen. Es ist bekannt, dass in unserer heutigen Zeit die Wirtschaft und das Kapital das Sagen haben und nicht die Politik. Warum sich also von der Sonnenseite des Lebens lösen, der Herr Wulff und seine Frau Bettina freuen sich doch so sehr über die vielen Geschenke. Es gilt das Prinzip: Schütze deine Geldgeber. Das tut Herr Wulff mit seinem frisch verkündeten Rücktritt.

Ein Präsident ist sozusagen der höchste Bürger des Staates. Er sollte einer von den Bürgern sein, jemand, der die Bürger versteht, jemand, der ein Gleicher unter Gleichen ist. Doch wer reist schon in der Business Class, wenn er aus den Ferien zurückfliegt. Wer kann sich teure Hotelaufenthalte leisten, ohne dafür bezahlen zu müssen? Eben nicht der normale Bürger. Mit jedem weiteren Tag, an dem neue Enthüllungen aufgedeckt wurden, fiel es den 80 Millionen Deutschen schwerer, diesen Mann an der Spitze Deutschlands zu akzeptieren.

Man könnte meinen, die Bürger fragten sich: "Wer ist dieser Christian Wulff?". Wenn nicht einer von ihnen, dann auf jeden Fall einer, der an seinem Amt klebt, ein Mann, der trotz massiver Argumente gegen sich trotzdem nicht seinen Hut nehmen wollte. Das erinnerte ein wenig an Herrn zu Guttenberg, der trotz drückender Beweislast der Kopiererei trotzdem alle anderen beschuldigte und nur nicht die Schuld bei sich selbst gesucht hat.

Bei Christian Wulff war das anders. Er hat sich entschuldigt, nicht nur einmal, sondern öfter. Wer sich entschuldigen muss, das Wort heißt dementsprechen ent-schuldigen, der hat Schuld auf sich geladen und bittet um Verzeihung. Doch genau dieser Christian Wulff wollte von einem Fehlverhalten nichts wissen. Juristisch ist alles rechtens gewesen, ließ er immer wieder verlautbaren. Was juristisch richtig ist, muss menschlich nicht korrekt sein. Genau deshalb haben sich die Menschen in Deutschland von diesem Mann schon länger verabschiedet.

Es ist eine Wohltat, wenn sich das Kapitel Wulff nun schließt. Das Ende ist nämlich befreiend. Denn die Ohnmacht, mit der die Bürger in den letzten Wochen zusehen mussten, dass sich hier jemand seines Amtes unwürdig verhält und doch scheinbar niemand etwas dagegen unternehmen kann, das tat weh. Nun kommt mit dem heutigen Rücktritt ein wenig, sagen wir Genugtuung, zurück in die geschundenen deutschen Köpfe. Es scheint also doch noch Recht und Ordnung in Deutschland möglich zu sein.

Seit Wochen beginnt fast jede Nachrichtensendung mit dem Staatspräsidenten und seinen Enthüllungen. Das kann für ein Staatsoberhaupt nicht richtig sein. Dauernd verkünden irgendwelche Anwälte, was der Herr Wulff getan hat und was nicht. Jede Art von Erklärung war neblig und nicht nachzuvollziehen, z.B. die Begleichung von Hotelrechnungen in bar. So kann niemand eine weiße Weste behalten.

Es ist wie es ist. Das Wohl seiner Freunde und die vielen Annehmlichkeiten waren für Herrn Wulff wichtiger als das Wohl des Staates und seiner Bürger. Eine lückenlose Aufklärung oder ein Eingeständnis seiner Schuld von Anfang an mit der Konsequenz eines sofortigen Rücktritts, das wäre eines Staatspräsidenten würdig gewesen. Man bedenke nur all den Imageschaden, der durch die ganze Geschichte im Ausland entstanden ist. Ein Präsident, der in jeder Nachricht die Topmeldung darstellt ist nichts, worauf ein Land stolz sein darf. Ein Präsident, der in den letzten Wochen fast ausschliesslich über seine Anwälte kommuniziert hat, auch nicht. So ist es für Deutschland nicht verkehrt, wenn nun endlich Schluss ist mit dem ganzen Theater.

Deutschland sucht jetzt keinen neuen Superstar, sondern ein neues Staatsoberhaupt. Da sich Frau Merkel beim letzten Griff, das war Herr Wulff, die Finger verbrannt hat, hat sie schon einmal vorsorglich die anderen Parteien aufgerufen, doch gemeinsam einen neuen Präsidenten für die Nation zu suchen. In der Politik ist man halt in der Lage, sich von einem Tag auf den anderen umzuentscheiden. Bei der Wahl des Herrn Wulff wollte Frau Merkel sich nichts von den anderen Parteien sagen lassen. So schnell kann man sich auf neue Situationen in der Politik einstellen.

Für die Deutschen gilt es nun zu hoffen, dass jemand dieses höchste Amt des Staates einnimmt, der diese Position auch würdevoll ausfüllen kann.

Hoffen wir das Beste.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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