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Deutschland steht für eine Nation, die stark exportlastig ist. Sie verkauft ihre qualitativ hochwertigen Produkte an das Ausland. Es sind die produzierten Güter, auf deren Fundament die deutsche Wirtschaft beruht. Das war schon immer so. Umso erstaunlicher war deshalb die Nachricht der Gesellschaft für Konsumforschung. Diese urdeutsche Grundannahme ist nämlich dabei sich zu wandeln.

Man muss den Beitrag der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zweimal lesen. Sie meldete einen Anstieg im Bereich des privaten Konsums um 1,5% für das Krisenjahr 2011. Das ist insofern von besonderer Bedeutung, da "die Konsumlaune hierzulande deutlich stärker als bei den europäischen Nachbarn" sei. Die Deutschen shoppen wieder. Ist das die Trendwende, auf die der Einzelhandel jahrelang gewartet hat?

Die Deutschen gelten meist als knausrig. Lieber wird das Geld auf das Sparkonto gebracht, man weiß ja nicht, was der morgige Tag bringen wird. Doch jetzt scheint alles anders zu sein. Und das vor allem im Krisenjahr 2011, in dem die meisten Deutschen nicht wussten, ob nun die Schuldenkrise eskaliert und der Euro sein Begräbnis findet. In Anbetracht dieser Rahmendaten ist dieser Anstieg mit einer gesunden Portion Respekt zu bewerten.

Doch ein wenig Bauchweh ist noch vorhanden. Warum steigen die Umsätze so stark? Ist es vielleicht nicht die Konsumlust der Deutschen, sondern die Angst vor der Geldentwertung? Ist das vielleicht der sogenannte Crack-up-Boom, der bereits eingesetzt hat? Bei dieser Art der Kauflust kaufen die Bürger ein, um das bald wertlose Geld in der Brieftasche auszugeben. Das Motto: Solange man noch was für sein Geld bekommt, noch schnell ausgeben.

Nicht die Konsumfreude wäre der Treiber der vielen Ausgaben, sondern die Angst der Deutschen vor der Zukunft. Man beachte nur die vielen Modernisierungen, die in den Städten eingesetzt haben. Plötzlich wollen alle ihre Immobilie modernisieren. Dafür brauchen sie Produkte und Güter.

Es fällt schwer zu glauben, dass die Deutschen einfach nur um des Kaufen willens in die Einkaufszentren strömen. Es geht den Deutschen gut, besser als vielen europäischen Nachbarn, aber wenn die Deutschen mehr Geld zur Verfügung haben, dann wird das für schlechte Tage zurückgelegt. So sind die Deutschen nun einmal.

Mit dem starken Anstieg des privaten Konsums verschiebt sich jetzt das Gefüge des deutschen Konjunkturmotors. Denn es ist auf einmal nicht mehr nur die produzierende Industrie, welche mit ihren Maschinen und Autos, die sie über den Export verkauft, zu einer wesentlichen Wirtschaftsleistung beiträgt, sondern eben auch der private Konsum.

So erklärt der Vorstandsvorsitzende der GFK Matthias Hartmann :

Der private Konsum liefert damit einen stabilen Beitrag zur Konjunktur und verhindert ein Abgleiten in die Rezession.

Quelle: Gfk

Der Konsum als Konjunkturmotor, dass hätte in Deutschland wohl niemand erwartet. Das gilt als Symbol der amerikanischen Wirtschaft, bei dem der Konsum die wichtigste Stütze ist. Wenn diese wegbricht, dann sieht es schnell düster aus in einer Wirtschaft, die sich nur auf einem Bein (Konsum)  fortbewegt. Kein Land sollte auf den Konsum als Wirtschaftsmotor setzen.

Damit festigt sich die Annahme aus diesem Artikel, dass die Deutschen aus der Panik heraus kaufen, was das Zeug hält. So ist auf der Webseite der GfK ebenfalls zu lesen: "der Vertrauensverlust in das Finanzsystem fördert zusätzlich den Trend zu werthaltigen Anschaffungen". Die Angst als Treiber wäre damit unterstrichen.

In Deutschland hat der Crack-up-Boom bereits begonnen.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-trading Team

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