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In der Nacht wurden erneut europäische Staaten in ihrer Kreditnote gesenkt. Diesmal war es die Ratingagentur Moody's, die den Daumen gesenkt hat. Sie folgt dem Schritt von Standard & Poor's, der schon zu beginn des Jahres die Noten verschiedener europäischen Staaten teils drastisch gesenkt hat. Bei der allgemeinen Berichterstattung wird meist nur punktuell berichtet, denn nicht erwähnt wird, dass für beide Ratingagenturen der Ausblick negativ ist.

Das bedeutet, dass es nicht lange dauern wird, bis die nächste Abstufungswelle auf Europa zukommt. Dies wird bisher ignoriert, man versucht eher Gelassenheit zu demonstrieren. Das ist zur Zeit die allgemeine Reaktion, wie die Staaten auf die Abstufungen reagieren. Man will sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Noch richtiger wäre es wenn man sagt, man will die Gläubiger nicht aus der Ruhe bringen lassen. Diese sind es, die das Geld für neue Staatsanleihen locker machen müssen.

So langsam scheint sich Europa auch von den Bewertungsorgien der amerikanisch dominierten Ratingagenturen zu lösen. Man "pfeift" sozusagen auf deren Meinung. Europa ist in der Lage, selbst Geld zu drucken und es selbst anzulegen. So ist zum Beispiel die Benotung AA+ oder AA völlig irrelevant für Europa. Denn das Geld wird sowieso neu gedruckt. Somit ist allgemeines Schulterzucken die Antwort auf die Abstufungen der Ratingagenturen.

Für die Staaten bedeutet eine schlechtere Benotung, dass für frisches Geld mehr Zinsen geboten werden müssen. Es steigert die Kosten für die Staatsfinanzierung. Wie gesagt, kurzfristig scheint es die Europäischen Nationen nicht so sehr zu interessieren, welche Note vergeben wird. Langfristig wird sich zeigen müssen, ob Europa in einer globalen Finanzwelt sein eigenes Süppchen kochen kann.

Wenn Geld international ist und wenn Geldströme um die ganze Welt kreisen, dann wird Europa auf das Geld von finanzkräftigen Investoren angewiesen sein. Diese werden im Gegensatz zu Europa Wert auf eine Bonitätswertung der großen Ratingagenturen legen. Hier schließt sich der Kreis. Die internationalen Investoren außerhalb Europas werden nicht mehr gewillt sein, Geld in schwächer benoteten Staaten anzulegen. Man erinnere sich nur an das klägliche Scheitern der groß angekündigten Hebellösung. Kein internationaler Investor war bereit, sich daran zu beteiligen.

Europa kann die großen Ratingagenturen nicht ignorieren. Wenn sie jetzt über die amerikanische Willkür schimpfen, dann sei gefragt, warum Europa keine eigenen Ratingagenturen installiert hat? Dafür hat sie nicht erst seit gestern Zeit. Lange hat man sich nämlich über die Bestnoten der großen Ratingagenturen gefreut.

Es gibt auch nicht nur diese drei großen Agenturen, sondern auch eine chinesische Ratingagentur Dagong, diese wird aber (bisher) nicht akzeptiert.

Für Europa bleibt das Dilemma: Mit den amerikanisch dominierten Ratingagenturen wie Standard & Poor's, Moody's oder Fitch können sie nicht, wie sie wollen. Mit der chinesischen Ratingagentur Dagong wollen sie nicht. Das hört sich eher nach einem schmollenden Kind an, als nach einem starken europäischen Kontinent.

Während sich die europäischen Nationen über die Abstufungen hinwegsetzen, weil sie zum einen noch nicht ganz schlecht bewertet sind und zum anderen, weil Europa glaubt, sich selbst finanzieren zu können, droht das Ungemach für die kommenden Monate wieder aus den USA.

Die Ratingagenturen verkünden ihre Bewertungen und machen zugleich deutlich, dass das, was Europa als Ergebnis im Kampf in der Schuldenkrise vorweisen kann, nicht genug ist und sie davon ausgehen, dass sie bald wieder die Benotung senken müssen. Sie bereiten dies vor, indem sie den Ausblick auf negativ setzen.

Das ist ein Warnzeichen, das in den vergangenen Jahren in Europa nicht verstanden wurde. Auch die jetzigen Abstufungen wurden vorher mit einem Ausblick negativ angekündigt.

Mit jedem Tag der Ignoranz reitet sich Europa immer tiefer in den Schlamassel (umgangssprachlich wäre hier ein anderes Wort passender).

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

start-tradig Team

 

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