Signalservice

Mit den Grundlagen von "Elliott -Wave" Prinzipien kann ein Trader geniale Analysen erstellen. Wenn dieser Fahrplan dann wie in einem Film abgespult wird, Ziele punktgenau erreicht werden, dann bleibt dem Trader der Mund offen stehen, einfach genial. Doch wo Genialität vorkommt, da ist der blanke Irrsinn nicht weit. Mit Elliott-Wave kann man nämlich auch sehr viel Geld verlieren.

Es ist bei der Elliott-Methode so, dass Kursziele sehr genau vorausgesagt werden können. Das Problem ist nur, man weiß dabei nicht, wie der Kurs dahin kommt. Ein Beispiel: Wenn zu Beginn des Jahres eine Elliott-Analyse gesagt hätte, der DAX steigt in kurzer Zeit auf 6800 Punkte, dann wäre das eine Hausnummer. Wir reden hier von 900 Punkten Kursanstieg im DAX. Nur sagt solch eine Analyse meist nicht aus, wie der Index auf dieses Niveau kommt. Das heisst, geht es zuerst 400 Punkte hoch, dann 200 runter und dann 500 Punkte hoch usw. Somit bleibt die Umsetzbarkeit ins Trading im Dunkeln.

Dass der DAX dieses Ziel direkt wie am Strich verlaufend erreichen würde, dass wusste niemand. Denn bekanntlich erklären Elliott- Analysten, dass zu jedem Anstieg auch eine Korrektur gehört, nur wann und wo die ist, das wird wieder schwammig formuliert. Denn bei der Elliott-Methode hängt die Interpretation vom Auge des Betrachters ab.

Zuerst wird eine Welle angenommen, in der sich ein Basiswert befindet, handelt der Trader danach und verliert, weil es nicht so kam wie angenommen, dann ist schnell klar "wir sind in einer anderen Welle". Das ist zwar schön, hat aber im ersten Trade gleich einen Verlust beschert. Was hat der Trader von der Analyse, wenn sie nicht zutrifft?

Kommen wir zu den Korrekturen. Hierfür verwendet die Elliott-Wave-Analyse Fibonacci Retracements. Das sind Prozentangaben, wie weit ein vorheriger Anstieg korrigieren sollte. Auch hier ist man als Trader im Niemandsland. Nehmen wir an, die Analyse sieht für die Welle 2 eine Korrektur, einen Rücklauf bis zum 23,6% Retracement Level vor. Tritt das ein und der Index dreht an diesem Punkt wieder nach oben, dann sagt der Analyst "ich hab es euch ja gesagt, da sollte der Markt drehen".

Hat ein Trader aufgrund der Analyse bei dem Retracementlevel 23,6% gekauft und der Index fällt tiefer, dann häufen sich schnell die Verluste. Der Trader hofft dann auf das nächste Level bei 38,2%. Wenn der Index auch dort nicht dreht und weiter fällt, dann steigen die Verluste weiter an. Irgendwann verkauft der Trader seine Position, denn offensichtlich geht der Plan nicht auf.

Erholt sich der Index nicht mehr, dann hat die Elliott-Zunft gleich eine Antwort parat. Der DAX ist dann nicht in der Welle 2 unterwegs, sondern ganz woanders. An einer Erklärung mangelt es nicht, denn jede Kursbewegung kann in eine Elliott-Theorie eingebettet werden.

Wenn am Abend der DAX dann doch wieder gestiegen ist, dann meldet sich der Elliott-Analyst ebenfalls zu Wort und sagt: "Ich habe es euch doch gesagt". Wir waren in der Welle 2 und diese hat eben nicht bei 23,6% gedreht, sondern erst bei 61,8%. Das war dann scheinbar alles im Rahmen und normal. Nur hat der Trader von dieser Aussage auch wieder recht wenig. Hat doch der Tag nur Verluste beschert.

Humorvoll wird es, wenn ein Ausbruch über ein Hoch neue Kursziele aktiviert. Dann soll der Trader schnell einsteigen und bis zum prognostizierten Ziel drin bleiben. Eröffnet der Trader seine Position und hofft auf Kursgewinne, dann passiert etwas gänzlich Unerwartetes: der DAX fällt direkt und scharf und die Position läuft gleich ins Minus.

Während der Trader noch flucht, kommt bereits die Antwort aus der Elliott-Ecke. Man sei doch nicht in der steigenden Welle 5, sondern in einer überschiessenden Welle B, damit wäre der Kursverlauf erklärbar und im Sinne der Elliot-Regeln ganz richtig. Bei solchen Kommentaren läuft der Trader rot an, der soeben einen Verlust einfahren musste.

Die Elliot-Wave-Prinzipen sind eine Methode um Kursmuster zu analysieren. Der Trader darf nicht erwarten, dass diese Analysemethode ein Allheilmittel ist. Auch wenn sich Kursprognosen in der Nachtbetrachtung als richtig erweisen und dadurch die Gier des Traders entfacht wird.

Eine Analyse, die auf den Elliott-Wave-Regeln beruht, kann erfolgreich sein, aber der Trader kann trotzdem verloren haben. Das liegt daran, weil diese Analysemethode keine klare Handlung zu einem gewissen Zeitpunkt ausgibt. Der Trader ist sozusagen in der Analyse verloren, da er nicht weiss, wo er sich (im Chart) befindet.

In der Elliott-Wave-Analyse gibt es auf jede Kursbewegung immer eine Antwort "die passt". Das sollte man sich als Trader bewusst machen. Denn auch die beste Analyse führt nicht zum Erfolg, wie dieser Artikel zeigt.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Ihr

start-trading Team

Share This