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Die Bekämpfung der Krise war von Anfang an alternativlos. So formulierte es die Bundeskanzlerin und ließ keine Zweifel daran, auf welche Weise gerettet und geholfen werden muss. Normalerweise gibt es immer mehrere Möglichkeiten. Normalerweise hat eine Medaille immer zwei Seiten, man kann also wählen. Warum die Handlungen in der Krise nur einen einzigen „alternativlosen“ Weg kannten, weiß bis heute niemand.

 

So zückte die Kanzlerin gleich das Scheckbuch, als das kleine Griechenland in Schieflage geriet. Die Helenen konnten ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen und brauchten frisches Geld. Die Lösung war für die Regierenden in Europa glasklar, schnell musste Geld bereit gestellt werden, dazu gab es keine Alternative. Jegliche Diskussion über andere Lösungswege wurde im Keim erstickt.

 

Auch zu Beginn der Finanzkrise war die Vorgehensweise ähnlich. Es gab keine Alternative zu der Lösung, dass Banken in Schieflage unbedingt gerettet werden mussten. Geld musste sofort und zuhauf bereitgestellt werden. Koste es was es wolle, wie man an den Unmengen an Euros unkompliziert analysieren kann.

 

Scheinbar hat die Ansicht Methode, die Krise ohne Alternativen durchzustehen. So kann man sich lästiges Hereinreden von anderen ersparen. Denn es ist nicht schwer zu kombinieren, weil in beiden Krisen (Finanzkrise, Schuldenkrise) die Banken die Hauptrolle spielen, dass hier nicht der Staat und nicht seine Bürger gerettet werden sollen, sondern die Banken.

 

Der alternativlose Schuss ist nach hinten losgegangen.

Es ist wie bei einem Auto, das schon viele Jahre auf dem Buckel hat. Sie können einen Schlussstrich ziehen, das alte Auto entsorgen und ihr Geld in ein neues investieren. Oder sie können den alten Wagen immer und immer wieder in die Werkstatt bringen. Am Ende werden Sie viel mehr Geld für die vielen Reparaturen und das Wechseln der Altteile bezahlen müssen. Sie wollten keinen Schlussstrich ziehen.

 

So ist es mit Griechenland ebenfalls. Zu Beginn wäre noch die Möglichkeit gewesen, die Griechen vielleicht sanft aus der Eurozone zu entlassen. Am Anfang hätte man auch viel leichter „nein“ zu den Forderungen aus Griechenland sagen können. Jetzt, wo die EU schon so viel Geld hinein gebuttert hat, hängt sie bis zum Hals am Schicksal der Griechen. Jetzt kann man sich nicht mehr zurück ziehen.

 

Bei alternativlosen Plänen gibt man sich schnell in Abhängigkeiten, die man so nicht geplant hatte. Man nimmt sich selbst die Möglichkeiten. So ist es auch bei der Bundeskanzlerin und dem europäischen Verbund geschehen. Die Griechen wissen natürlich auch, dass Europa die Helenen nicht (mehr) einfach fallen kann. Diesen Trumpf spielen sie aus. Sie zögern Veränderungen hinaus und stellen neue Forderungen.

 

Jetzt, wo bereits so viel Geld überwiesen wurde, jetzt wo so viele Garantien ausgesprochen wurden, die bei einer Staatspleite fällig werden können, kann die EU den Griechen nichts wirklich aufdrücken: Die Griechen zucken einfach mit den Schultern.

 

Gibt es doch eine Alternative?

Man kann den falschen Weg, den die europäische Union bisher gegangen ist, verlassen und eine Pleite eines Staates zulassen. Das ist gar nicht so alternativlos, wie die Bundeskanzlerin immer zu betonen pflegt. Wie sonst kann sich ein Staat oder eine Wirtschaft gesund schrumpfen? Eine Pleite gehört immer dann zur Tagesordnung, wenn über die eigenen Verhältnisse gelebt wurde. Um auf das normale Niveau zurückzukommen, braucht es schmerzhafte Einschnitte.

 

Während die Krise bei den griechischen Bürgern bereits angekommen ist, ist das bei den Banken noch nicht der Fall. Auch die Banken müssen die Konsequenzen ihres Handelns schmerzhaft spüren, nur dann findet eine Einsicht, eine Änderung der bisherigen Denk- und Handlungsweisen statt. Bisher wurde dieser Prozess durch die fortwährend geleisteten Hilfen nicht in Gang gesetzt.

 

Trotz aller Bemühungen lässt sich die Krise nicht aufhalten. Auch nicht die Pleite Griechenlands. Dazu gibt es wirklich keine Alternative.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Ihr

start-trading Team

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