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Müssen wir jetzt einen Nachruf zur aktuellen Krise schreiben? Man hört und sieht gar nichts mehr davon. Womöglich hat sie das Zeitliche gesegnet, denn es ist ganz schön still geworden. Es herrscht eher Freude, dass die Börsen steigen und die Unternehmen Gewinne erzielen, aber von Krise ist keine Rede mehr. Wo ist die Krise nur geblieben?

 

Es ist ein mediales Wunder, wie die Berichterstattung die öffentliche Meinung beeinflussen kann. Es ist wie bei einem Zugunfall oder einem Flugzeugschaden. Im ersten Moment ist die Nachricht eine Eilmeldung, eine wirklich wichtige Nachricht, wegen der die laufende Sendung unterbrochen werden muss. Die Geschehnisse werden aufgearbeitet.

 

Da nun die Aufmerksamkeit der Betrachter gewonnen worden ist, wird begonnen, alles nur Greifbare in dieser Richtung in die mediale Aufmerksamkeit zu lenken, auch wenn es noch so unsinnig sein mag. Die nächsten Tage und Wochen werden dann mit solch „unwichtigen“ Nachrichten gefüllt, wie zum Beispiel: Ein Trecker in einem 500 Seelendorf ist auf den Schienen liegen geblieben ist und ein Zug musste deshalb einen Notstop einleiten.

 

Oder ein Airbus musste umdrehen, weil eine Flugbegleiterin nach dem Start einen fiesen Geruch in der Nase hatte. Solange sich die Konsumenten dieser Nachricht noch die Mühe machen, diese Nachricht zu verfolgen, diese Informationen anzuklicken, solange werden die Medien die Aufmerksamkeit darauf lenken.

 

Tatsächlich kommt es nicht selten vor, dass ein Zug anhalten muss, oder die Türen eines Wagen einmal nicht aufgehen. Jeder andere Grund kann auch aufgeführt werden. Wie gesagt, im Normalfall sind solche Dinge keine Meldung wert.

 

Die Wirkung einer einseitigen Berichterstattung lässt auch nicht lange auf sich warten. Zu viele negative Nachrichten in einer kurzen Zeit prasseln auf den Konsumenten nieder. Für einen Moment bekommt der Betrachter das Gefühl: „Oh Gott, oh Gott, ist das Fahren mit einer Bahn oder das Fliegen mit dem Flugzeug noch sicher?“

 

Was ist nun mit der Krise:

Im Moment ist die Krise kein Bestseller, sondern ein medialer Ladenhüter. Die Konsumenten sind müde. Sie können und wollen nicht mehr aufnehmen. So gestaltet es sich als ein Segen für die Medien, dass die Börsen einen großen Schluck aus der Pulle nehmen und eine Welle der Euphorie gestartet haben.

 

Die Medien blenden die Krisenmeldungen aus. Es gibt scheinbar nichts aus Portugal zu berichten, nichts aus Spanien oder aus Italien. In Wirklichkeit gibt es natürlich neue Meldungen, aber sie werden bewusst nicht in den Vordergrund gerückt. Das geht sogar soweit, dass ein Ende der Verhandlungen in Griechenland als ziemlich egal verkauft wird. Es ist soweit in den Hintergrund gerückt, dass jegliche Art von Einigung oder eine Nichteinigung als ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen interpretiert werden wird.

 

Es geht jetzt darum, die freundliche Stimmung soweit zu tragen, wie es geht. Das ist das Gleiche wie im obigen Beispiel, als dem Betrachter von Meldungen bei der Bahn und dem Flugzeug die Sorge überkam, ob das Transportmedium noch sicher ist. Nur heute ist es im Falle der Krise umgekehrt. Der Konsument interpretiert die Krise als vernachlässigbar unwichtig. Die positiven Meldungen in kurzer Zeit über steigende Aktienkurse und über neue Jahreshochs im DAX überschatten einen klaren Blick auf die wirkliche Lage. Das ist von den Medien so gewollt.

 

Auf die Krise brauchen wir keinen Nachruf zu schreiben. Die mediale Desillusion wird sich bald wieder legen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Ihr

start-trading Team

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