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Der DAX ist außer Rand und Band. Nicht nur im Januar ist der Index stark gestiegen, auch der Februar beginnt euphorisch. Die Dominanz der europäischen Märkte ist besonders deutlich. Seit neuestem geben sie den Ton an und nicht mehr die Wallstreet aus New York. Es ist das viele Geld in Europa, das investiert werden will. Jeder neue Anstieg im Index ist nicht genug, es kommt immer frisches Geld nach. Und das obwohl die Anleger dem Anstieg misstrauen.

An der Börse gehört Ungläubigkeit zum Geschäft. Denn das was die Anleger derzeit erleben passiert selten, aber es kommt vor. Der Markt pumpt nach oben und niemand scheint dabei zu sein. Denn das viele Geld, das die Aktienmärkte treibt, haben nicht die Bürger, sondern die Banken. Diese werden immer wieder gerettet, gestützt und auf eine sonstige Weise auf den Beinen gehalten.

Die letzte Rettungsspritze kam kurz vor Weihnachten durch die europäische Zentralbank. Sie hat die Banken mit 500 Milliarden Euro zu 1% Zinsen und drei Jahren Laufzeit versorgt. Die EZB wollte eine Kreditklemme vermeiden, sagte sie. Stattdessen generiert sie jetzt eine Aktienblase.

Besonders die Dominanz der europäischen Börsen ist offensichtlich. Der DAX und seine europäischen Nachbarn (Mailand, Paris oder London) steigen viel kräftiger als die amerikanischen Indizes. Früher sagte man an der Börse: "Wenn die Wallstreet hustet, bekommt der DAX eine Grippe". Heute muss man diese Redewendung umgekehrt formulieren. Europa gibt den Ton an.

Die Kaufpanik ist nicht unerwartet, da scheinbar viele noch investieren wollen, aber sich noch nicht trauen. Mit jedem weiteren Plustag kommen diese Anleger in Zugzwang und springen hastig auf den fahrenden Zug. Angesprochen wurde diese Börsensituation in dem Artikel "DAX in äußerst starkem Kaufmodus" vom Mitte Januar. Es hieß:

 

Bald werden Nachrichten veröffentlicht werden, dass institutionelle Anleger in den Markt wollen oder sogar müssen. Sie laufen den Kursen nach, wird es dann heißen. Jede neue Meldung wird den deutschen Leitindex weiter ansteigen lassen. Tage mit Minuszeichen werden zu einer Seltenheit werden.

 

So ist es dann auch passiert. Jede kleine Schwäche im Index wird wieder gekauft. Jeder Ansatz von Gewinnmitnahmen wird im Keim erstickt. Es wartet einfach zu viel frisches Geld an der Seitenlinie, das investiert werden will. Das Schizophrene an dieser aktuellen Lage ist, dass in den europäischen Staaten zu wenig Geld vorhanden ist, aber an den Finanzmärkten der Bulle tanzt, weil einfach zu viel Geld da ist.

Für den Moment freuen sich die Börsen über das Sonnenscheinwetter auf dem Parkett. Die Stimmung lässt sich so leicht nicht trüben. Heute freut man sich über besonders gute Konjunkturzahlen aus China. Die neue Lokomotive soll die Weltwirtschaft wieder einmal anziehen. Man sollte als Börsianer nicht außer Acht lassen, dass sich auch Europa um gute Konjunkturzahlen bemühen sollte. Immer nur auf die fernen Freunde aus Asien zu hoffen, könnte am Ende zu kurz gedacht sein.

Fragen Sie sich auch gelegentlich, ob die EZB wusste, dass sie mit dem billigen Geld eine neue Aktienhausse starten würde? Offiziell wollte man eine Kreditklemme vermeiden. Außerdem sollten die Banken Anleihen von wankenden Staaten kaufen, die das Geld dringend brauchen. Und zu guter Letzt: Die Aufgabe einer Bank ist es, die Wirtschaft mit Kapital zu versorgen, auch das wollte man mit der Liquiditätsspritze sicher stellen. Nichts davon geschah.

Die Finanzinstitute nahmen das Geld von der EZB und befeuerten damit die Aktienmärkte. Möglicherweise ist die Kontrollmöglichkeit und die Einflussnahme von Regierungen an den weltweiten Börsen am geringsten. Da kann einem also niemand dazwischen reden. Das Finanzkasino begann sich wieder zu drehen.

Das Spiel der Banken an den Börsen ist ohne Risiko. Denn wieder ist das Geld der Banken nicht von ihnen selbst verdient worden, sondern es kam von dritter Stelle. Die Bank musste es sich nicht hart erarbeiten. Denkt man einen Schritt weiter, kann man sich ausmalen, dass davon ausgegangen wird, dass wenn die Spekulation schief geht, die Bank erneut Geld erhalten wird.

Für den Moment ist die Börsenlaune besonders optimistisch. Die Ursachen wurden genannt. Mal sehen, wie lange die optimistische Laune anhält.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Ihr

start-trading Team

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