Indikatoren-Trading

Ebenso wie in der Religion spielt der Glaube an der Börse eine wichtige Rolle. Die Anleger glauben an eine besser Zukunft, sie glauben, dass der Aktienwert eines Unternehmens steigen wird. Sie glauben auch, dass sie just in diesem Moment das Richtige machen, wenn sie Aktien kaufen. An der Börse glaubt man nicht nur an die positive Zukunft, sondern auch an die Ankündigungen der Unternehmen. Das reicht schon, um die Berge in Bewegung zu setzen.

 

Das wurde in den letzten Tagen wieder einmal besonders unter Beweis gestellt. Die Commerzbank machte eine Ankündigung und der Aktienkurs ging gleich durch die Decke. Über 40% Kursanstieg in wenigen Tagen. Das Besondere: Es ist nur eine Ankündigung, nicht  mehr, nicht weniger. Zwischen der Ankündigung und heute ist fundamental noch nichts passiert. Aber der Glaube hat bei den Börsianern eine Kettenreaktion ausgelöst.

 

Sollten sich die Börsianer bei der Commerzbank getäuscht haben? Ist eine deutsche Aktie aus dem DAX 30 wirklich fair bewertet, wenn sie fast auf einem Pennystock Niveau notiert? Der Preis der Commerzbank Aktie scheint einfach zu billig. Dazu kam die eben erwähnte Ankündigung, die Commerzbank mache wieder Gewinn und will Vermögensteile veräußern, um noch liquider zu werden. Das reichte aus, um mit aller Macht an einen Anstieg des Börsenkurses zu glauben.

 

Scheinbar ist es um das zweitgrößte Finanzinstitut nicht so schlecht bestellt, wie man bisher annahm. Mit aller Gewalt kauften Aktionäre Commerzbank Aktien, um vielleicht ihren Einstand zu verbilligen. Lange hatte man auf positive Nachrichten warten müssen. Diejenigen, die Cash geparkt hatten, sahen ebenfalls ihre Chance gekommen, eine „zu sehr verprügelte“ Aktie zu erwerben. Auch diese Anleger kauften.

 

Jetzt weiß man, dass eine Ankündigung zwar nett gemeint ist, aber noch kein Resultat ausweist. Das heißt, ob die Commerzbank wirklich ohne staatliche Hilfen auskommt, wissen die Börsianer erst in wenigen Monaten. Vielleicht schafft sie es nicht, diese Möglichkeit ist im Raum, sie wird heute aber erst einmal ignoriert. Die Anleger glauben an das Gute.

 

Nur wie weit passen Glauben und die Wirklichkeit zum Aktiengeschäft? Ist es nicht so, dass in der Vergangenheit viele Anleger zu sehr an „ihre“ Aktie geglaubt haben und zu lange an dieser festgehalten haben, bis der Verlust unerträglich wurde? Der Glaube ist ein zweischneidiges, und vor allem sehr mächtiges Schwert. Nur kleine Mengen reichen aus, um eine kraftvolle Bewegung in Gang zu setzen.

 

An der Börse geht es aber auch ums Rechnen, es muss sich rechnen, was man tut. Unter dem Strich muss ein Plus herauskommen. Somit ist der Abgleich zwischen der Hoffnung und der Wirklichkeit nicht weit. Erst kommt der Glaube, mit dessen Kraft die Aktionäre kaufen, dann folgen die Fakten. Der Abgleich wird bald zeigen, ob sich die Berge wirklich versetzen lassen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Ihr

start-trading Team

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