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Die Wirtschaft schimpft oft auf die anderen. Die Politik hätte ihnen die Regeln nicht genug gelockert, die EU hätte den freien Handel nicht weit genug geöffnet oder die Mitarbeiter seien zu schlecht ausgebildet. Nur eines findet man selten, dass die Führungskräfte, die  Unternehmenslenker, die Manager, sich mal an die eigene Nase fassen. Denn sie selbst haben dazu beigetragen, dass ihr Unternehmen genau da steht, worüber sie sich jetzt beklagen.

 

Ganz aktuell wird viel über die Traditionsfirma Kodak geschrieben. Die Firma ist pleite und muss unter Gläubigerschutz nach amerikanischem Recht. Wer sich an Kodak zu Beginn der Revolution der digitalen Fotografie zurückblickt, das war so vor 15 Jahren, wird sich schnell an die Überheblichkeit des Kodak-Imperiums erinnern.

 

Die digitale Fotografie sei nur etwas für Neumoderne, für Technikfreaks, sie würde niemals mit der Funktion eines echten Fotoapparats konkurrieren können. Das Management des Unternehmens hat sich vor der digitalen Revolution versteckt, das Resultat sehen wir heute. Das Unternehmen hat den Zug verpasst, weil das Management strategische Fehler gemacht hat. Nun folgt die Konsequenz, nämlich die Schließung, und die vielen Mitarbeiter müssen leiden.

 

Ähnliches hat sich mit dem Aufkommen des Onlinehandels zugetragen. Mit all ihren Möglichkeiten haben sich die Einzelhändler gegen die damals „kleinen“ Onlinehändler gewehrt.  Sie haben sich weiter vorgemacht, dass die Kunden trotz der neuen Konkurrenz weiter in die Fußgängerzone fahren werden um sich einen „Erlebniseinkauf“ zu gönnen. Wer würde schon über das Internet einkaufen wollen, dass sei nur etwas für eine Minderheit, wurde getönt.

 

Der komplette Einzelhandel hat den Eintritt in das Onlinezeitalter verpasst. Und wer hat es verbockt? Es waren wieder einmal die Führungskräfte, die die Strategie eines Unternehmens gestalten sollen. Dabei hatten sie alle Möglichkeiten. Anstatt sich über die Onlinehändler zu beklagen, diese hätten ja keine Flächenmiete und kein Beratungspersonal zu bezahlen und deshalb günstige Preise, hätten sie selbst ein Onlineportal eröffnen sollen. Das ist gar nicht so schwer.

 

Erstens gibt und gab es fertige Software für den Vertrieb über Onlineplattformen. Außerdem hatte man bereits Rahmenverträge mit Lieferanten und die Ware doch schon im Lager stehen. Es musste nur verkauft werden, indem man einen zusätzlichen Vertriebskanal einführt. Es hätte eine Online-Erfolgsgeschichte werden können, für all die Warenhäuser der Fußgängerzone. Doch die Manager der Unternehmen wussten es besser und haben sich dem Onlinezeitalter verschlossen. Das Ergebnis sieht man heute. Die etablierten Einzelhändler verlieren an Umsatz, während die Onlinehändler von Jahr zu Jahr zulegen.

 

Gleiches war bei den neuen Musikplattformen zu beobachten. Die Manager der Musikindustrie waren nur auf Klagen hinaus. Sie wollten die Online Musikportale vom Markt prozessieren, indem sie sie vor Gericht zerrten und mit Millionenklagen eine abschreckende Wirkung erzielen wollten. Auch hier war man nicht bereit, selbst ein eigenes Download-Portal einzuführen. Es ist nun einmal so, dass die Musikkunden nicht mehr ein ganzes Album kaufen wollen, sondern nur noch die Titel, die ihnen gefallen. Doch das Management der Musikindustrie hielt zu lange am alten Status Quo fest.

 

Das Thema Onlinezeitalter kommt in diesem Artikel deshalb oft vor, weil es in der Eröffnung um die Pleite von Kodak geht, dieses Unternehmen hatte das Onlinezeitalter verschlafen. Aber Manager sind auch in vielen anderen Bereichen oftmals überfordert. Anstatt selbst Mumm zu haben, eine Entscheidung zu treffen und dafür gerade zu stehen, schieben sie die Schuld oft auf andere.

 

Alle paar Monate kommt es zu einem Aufschrei in der Wirtschaft: Es mangele Deutschland an Fachkräften. Richtig wäre es aber, anders herum zu fragen: „Warum haben wir in Deutschland zu wenig Fachkräfte?“ (es wird für diesen Artikel angenommen, es sei so). Die naheliegende Frage ist: warum, liebe Manager, liebe Unternehmen, haben Sie nichts dagegen getan? Warum haben Sie nicht rechtzeitig abschätzen können, wohin Ihre Personalpolitik steuert. Es ist eine wesentliche Aufgabe eines Managers, Weitblick zu besitzen. Da scheinen die Verantwortlichen geschlafen zu haben.

 

Warum werden Manager unter anderem so hoch bezahlt? Zum einen, damit sie die Verantwortung übernehmen sollen (in der Finanzkrise haben wir leider auch das nicht sehen können) und zum anderen  wegen ihren Fähigkeiten, strategisch denken zu können. Das ist eine elementare Fähigkeit im oberen Management. Das bedeutet, sich nicht im klein klein zu verirren, sondern das große Ganze im Blick zu behalten. Es gehört dazu, Trends zu erkennen und sich rechtzeitig zu positionieren, damit das Unternehmen lange genug bestehen und konkurrenzfähig bleiben kann. Das sollte man von einer guten Unternehmensführung erwarten können.

 

Kein Unternehmen in Form seiner Unternehmenslenker braucht in schwierigen Zeiten auf andere zu zeigen. Dazu gibt es ebenfalls ein aktuelles Beispiel. Die Drogeriekette Schlecker ist pleite, die Begründung lautet, eine Zwischenfinanzierung sei geplatzt. Auch hier wird von der eigenen Unfähigkeit abgelenkt. Vielleicht hätte das Unternehmen nicht zu sehr von einer Fremdfinanzierung abhängig sein sollen. Die Verantwortung liegt bei den Managern, die die Richtung bestimmen, das gilt für jedes Unternehmen in der Wirtschaft.

 

Wenn ein Unternehmen noch der Hauptstraße folgt, während die Kunden bereits nach rechts abbiegen, dann sind sie selbst schuld, dass sie den Anschluss verpassen. Warum hat die Führungsmannschaft entschieden, auf dem immer gleichen Weg zu bleiben, obwohl sich die Zeiten ändern? Eine Fehlentscheidung kann schwerwiegende Folgen haben, wie man an den obigen Beispielen lesen kann.

 

Es geht darum, dass die Unternehmensführung in der Lage sein muss, rechtzeitig den Blick in die richtige Richtung zu lenken. Nicht immer wird ein Trend sich auch voll entfalten, manchmal versiegen die Trends auch. Doch dürfen Unternehmen aufgrund einer Engstirnigkeit ihrer Manager, ihrer Macher, nicht auf das Abstellgleis geraten.

 

Wir erleben in den vergangen Jahren eine Vielzahl an Fehlentwicklungen von Unternehmen, die auf die Fehlentscheidung von Managern zurückzuführen sind. Man erinnere sich nur an den Plan vom ehemaligen Porsche Management, den VW-Konzern zu übernehmen. Was als Größenwahn des Vorstandes begann, endete mit dem Verlust der Eigenständigkeit von Porsche.

 

Die Wirtschaft mag oft über andere schimpfen. Die Realität spricht aber eine andere Sprache. Nicht die Mitarbeiter sind schuld, nicht die Konkurrenz und auch nicht die Lieferanten. Es sind die Unternehmenslenker selbst, mit all ihren dazugehörigen Managern, die Fehlentscheidungen treffen und ein Unternehmen in die Pleite führen.

 

Mit freundliche Grüßen,

 

Ihr

start-trading Team

 

 

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