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Die Commerzbank Aktien haussieren. Sie werden gekauft, weil das Unternehmen das Kapital für die Erhöhung der Kernkapitalquote selbst aufbringen kann. "Na da schau her" kann der Beobachter jetzt sagen. Wenn die Bank mit dem Rücken zur Wand steht und der Finanzmarkt keine Staatshilfe mehr toleriert, dann kann sie das nötige Geld doch alleine zusammen kratzen. Was die Börsianer jubeln lässt, ist eigentlich traurig, denn man sollte doch erwarten dürfen, dass ein Finanzinstitut sein Kernkapital bei Bedarf aufstocken kann.

 

Niemand, schon gar nicht ein Finanzinstitut, sollte mit einem ausgeglichenen Konto operieren. Es sollte immer etwas mehr auf dem Konto liegen. So wie bei einem Privatmann auch, der etwas zur Seite gelegt hat und es sein Erspartes nennt. In der Not kann er darauf zugreifen. Warum die Commerzbank das in der Vergangenheit nicht konnte und jetzt auf einmal doch zu Geld kommt, wird ihr Geheimnis bleiben.

 

Die Freude über die Jubelmeldung hat einen faden Beigeschmack. Stellen Sie sich vor, da fährt jemand an die Tankstelle und will voll tanken. Bis zu dem Moment, wo diese Person die Kasse erreicht, weiss niemand, ob er in der Lage sein wird, die Tankrechnung zu bezahlen. So kann doch keine Bank operieren, das ist doch suspekt. Man sollte erwarten, dass wenn jemand zur Tankstelle fährt, diese Person auch das Geld für das Benzin in der Tasche hat.

 

Vielleicht gehört das Jammern zum Geschäft? Besonders deutlich wird das bei dem größten deutschen Finanzinstitut, der Deutschen Bank. Sie ist schnell am Jammern, wenn es um Beteiligungen bei Rettungsmaßnahmen geht oder um Schuldenerlass für fast zahlungsunfähige Staaten. Da kommen dem Betrachter dann schnell die Tränen.

 

Präsentiert sich die gleiche Bank auf dem Finanzmarkt und ihren Investoren, dann sind 25% Eigenkapitalrendite locker drin. Da werden im Quartal Milliarden von Euro verdient und man ist gut im Geschäft. Das ist ebenfalls suspekt. Wenn man Geld zahlen soll, ist man bettelarm und hat keinen Cent in der Tasche. Will man sich im Scheinwerferlicht präsentieren, dann hat man genug Reserven und spricht von "Peanuts".

 

Ein ähnliches Gefühl hat der Betrachter bei der Commerzbank. Man hat in der Not die Steuergelder der Bürger angezapft. Das war erst mal schön. Geld, das einem zufließt, soll man nicht ablehnen. Dann war der Staat schnell ein Klotz am Bein, weil er sich mit Regeln einmischte. Um sich davon zu befreien, hat man sich Geld von den Investoren in Form einer Kapitalerhöhung besorgt und den Staat weitgehend ausgezahlt.

 

Nun wurde nach dem letzten Stresstest der EBA (European Bank Authority) deutlich, dass unter anderem die deutschen Banken ihr Eigenkapital aufstocken müssen, damit sie in Krisenzeiten nicht gleich umfallen. Bei der Commerzbank handelt es sich dabei um 5,3 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank benötigt 3,2 Milliarden Euro.

 

Nachdem die Bank Unicredit am Kapitalmarkt ein Desaster erlebt hat, als sie frisches Geld von den Investoren besorgen wollte, war die Beschaffung auf dem Weg einer Kapitalerhöhung versperrt. Noch einmal Geld vom Staat beantragen ging auch nicht mehr, da die Finanzwelt solch einen Schritt mit der Offenbarung einer drastischen Schwäche interpretiert hätte.

 

Jetzt, wo keine Chance auf externes Geld besteht, scheint die Commerzbank doch noch Geld unter ihrer Matratze gefunden zu haben. Sie will u.a. Vermögensanteile veräußern, sie will sogar Gewinne erwirtschaften. Plötzlich können die benötigten 5,3 Milliarden von selbst aufgebracht werden. Hurra. In einer Situation der Euphorie hat das Institut sogar verkündet, man wolle sogar die Anforderungen übertreffen.

 

Was für die Finanzwelt eine Jubelmeldung ist, sollte keine Ausnahme, sondern die Regel sein. Unternehmen sollten nicht mit leerem Portemonnaie operieren. Der gesunde Menschenversand würde die letzte Aussage sofort unterschreiben. Daran müssen die Finanzinstitute noch kräftig arbeiten.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Ihr

start-trading Team

 

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