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Verschiedene europäische Staaten haben ihren Bonitätsstatus gesenkt bekommen. Dieser Verlust und die Reaktion darauf erinnert unweigerlich daran, wie mit dem Verlust eines Vielfliegerstatus umgegangen wird. Eine Abstufung tut bei beiden genauso weh. Lange Zeit ist man stolz auf das, was man für sich ausweisen kann, doch wenn der Status nicht mehr gehalten werden kann und eine Abstufung erfolgt, dann reagiert man wie Europa auf die Abstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor’s.

 

Wer ein Vielflieger ist, bekommt seine geflogenen Meilen auf einem Meilenkonto z.B. Miles & More angerechnet und in einen Zirkel der „angesehenen“ Kunden gehoben, wenn ein bestimmtes Volumen erreicht ist. Man bekommt dann einen Status zugewiesen wie ein „A+“ oder „AAA“, ähnlich dem Kreditrating eines Staates. Im Airlineumfeld heißt der Status dann „Frequent Traveller“ oder die besonders viel fliegenden Kunden heißen dann“Senator“. Das hat Vorteile für den den Reisenden.

 

Die Annehmlichkeiten:

Es beinhaltet schon schöne Dinge, wenn man einen „Frequent Traveller“ oder einen „Senator“ Staus inne hat. Man kann an dem meist leeren Business Class Schalter zügig einchecken und muss sich nicht mit den Ferientouristen am Economy Schalter langweilen. Die Wartezeit bis zum Boarding kann man sich in einer der vielen Lounges mit einem Getränk und verschiedenen Leckereien versüßen.

 

Ist man einmal spät dran und der Flieger ist ausgebucht, dann hat man hier ebenfalls Vorteile. Als ein Kunde mit einem besonderen Status wird man bevorzugt behandelt, denn man steht ganz oben auf der Warteliste. Auch das Erlauben von mehr Gepäck pro Reisendem ist nur eine von vielen Annehmlichkeiten, die den Vielfliegern geboten werden.

 

Die Zusammenfassung lautet: Man ist eben ein besonderer Kunde mit einem besonderen Status. Man genießt Vorteile und Annehmlichkeiten, an die man sich schnell gewöhnt und die man nicht mehr missen möchte. Keinesfalls will man diese wieder hergeben. Man ist doch ein „besonderer“ Reisender.

 

Was würde passieren, wenn man den Status aberkannt bekommen würde? Zum Beispiel, weil man weniger fliegt und die Bedingungen für das entsprechende Statusniveau nicht mehr erreicht? Das wäre schlecht, das würde unserm Vielflieger nicht gefallen.

 

So geschehen die letzten Tage. Am Freitag Abend hat die Ratingagentur S&P hat den Bonitätsstatus neun europäischer Staaten gesenkt. Besonders der Ansehensverlust unserer Nachbarn aus Frankreich wurde heiß diskutiert, denn die Bestnote wurde um eine Stufe gesenkt. Wie kann man dieser großen Nation nur so etwas antun, war die erste Reaktion. Aber auch andere Staaten wurden von der amerikanischen Abstufungskeule getroffen und haderten mit dem „Imageverlust“.

 

Es war doch so schön, im elitären Zirkel der Nationen mit der besten Bonität ausgewiesen zu werden. Dieser Status, höher zu sein als andere Nationen, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Und wenn dann noch die Annehmlichkeiten dazukommen, ist das Wohlfühlpaket perfekt. Die Staaten mit der Bestnote bekommen immer frisches Kapital zu geringen Zinssätzen. Das war toll. Außerdem konnte man sich nie über mangelnde Nachfrage für die eigenen Staatsanleihen beklagen. Das Land mit dem Toprating wurde gesucht, es musste keine Geldgeber suchen. Man konnte mit dem Status werben, man war wer. Nicht einer von vielen, nein man war ebenso stolz wie ein Vielfliegerkunde, einen gehobenen Status innezuhaben. Ach war das Leben toll, als man noch eine Nation mit einer Bonitätsnote „AAA“, dem brühmten Triple A, war.

 

Was passiert, wenn der Status weg ist?

Als am letzten Freitag die Bonitätsnoten von verschiedenen europäischen Staaten gesenkt wurden, war die Entrüstung groß. Das böse amerikanische Unternehmen Standard & Poor’s hat es nicht mehr gut gemeint mit ihren „Kunden“. Jetzt wird in Europa geschimpft, man ist entrüstet.  In Italien ist man überzeugt, dass eine Abstufung gleich um zwei Stufen „völlig übertrieben“ ist. Man sei entsetzt, heißt es aus Rom. In Österreich geht man von einem Fehlurteil der Ratingagentur aus. Aus Wien heißt es, die Abstufung sei „falsch und unverständlich„.

 

Wenn man den Status im Vielfliegerprogramm verliert, dann tut das ebenso weh. Die Annehmlichkeiten sind dahin, man muss sich wieder mit den Holzklassekunden, mit den Last-Minute-Touristen an die langen Schlangen der Economy Class Schalter stellen.

 

Die Reaktion:

Was man nicht haben kann, will man plötzlich nicht mehr. Wer braucht schon den „Frequent Traveller“ oder „Senator“ Status, fragt sich der abgestufte Kunde. Schnell ist er bemüht, Freunden und Kollegen den neuen Sachverhalt zu erklären. Zu den Geschäftsreisen hat man eh nicht soviel Gepäck dabei, also braucht man keine Extrarechte, ein zusätzliches Gepäckstück mitnehmen zu dürfen. Die Flüge mit denen man geflogen sind, waren nie überbucht, sodass man auch nicht die Wartelistenpriorität in Anspruch genommen hat. Ach ja, und die Lounge, wer braucht schon die Lounge? Auf das Glas Saft und die Knabbersachen kann man auch verzichten. Das braucht man wirklich nicht.

 

Die Reaktionen aus den Ländern, welche von einer Abstufung des Ratingriesen betroffen sind, aber auch von den Staaten, die indirekt betroffen sind, wie Deutschland, sind ähnlich. Plötzlich ist die Topnote „AAA“ nicht so besonders wichtig. Es sind eben nur drei Buchstaben. Eine Abstufung sei kein Beinbruch, wird sinnbildlich geäußert. Aus Frankreich hört man, dass sich die Investoren schon länger mit einer schwächeren Bonität angefreundet hatten. Man sei nicht überrascht. Der französische Präsident Sarkozy sagt erst einmal gar nichts dazu. Man zeigt ungerührtes Desinteresse.

 

Desinteresse kommt auch aus Deutschland. Wenn man nicht bekommt, was man aus subjektiver Ansicht verdient (ein blendendes „AAA“ Rating), dann muss man sich von den Ratingagenturen lösen, so die schnelle Meinung aus der deutschen Politik. Europa müsse sich von den Urteilen der amerikanisch dominierten Ratingagenturen abkoppeln, wird gefordert. Die Kanzlerin Merkel sagt, „das ist nur ein Urteil einer der Ratingagenturen“. Also schön ruhig bleiben, ist ihr Standpunkt.

 

Die Zusammenfassung:

Wenn jetzt plötzlich von vielen Seiten über die Abstufungen von S&P geschimpft wird, dann wird oft außer Acht gelassen, dass man sich lange Zeit in den Benotungen eben dieser Ratingagentur gesonnt hat. Es wird außer Acht gelassen, dass man stolz auf sein Rating war, solange es eine positives war. Die Meinung der Ratingagenturen war gewünscht und gefordert, als die Sonne noch in Europa schien.

Jetzt wo der schöne Status dahin ist, will man nichts mehr von den Ratingagenturen wissen und hält ja sowieso nichts von deren Bewertungen. Das ist eine ärmliche, aber doch menschliche Reaktion.

 

Es ist für kein Land ein Beinbruch, wenn man seine frühere Benotung abgestuft bekommt. Es ist wie beim Fliegen, man bekommt trotzdem sein Ticket ausgehändigt und wird auch ohne einen besonderen Status von einem Ort zum anderen geflogen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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