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Am Montag war Premiere für Deutschland. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik wurde bei einer Anleiheauktion ein Negativzins ermittelt. Das bedeutet, der Käufer der Anleihen wird nach der sechsmonatigen Laufzeit weniger Geld zurückerhalten, als er verliehen hat. Sie verleihen 100 Euro und bekommen am Ende des Kredits 98 Euro zurück und freuen sich auch noch drüber. Das hört sich krank an? Ist es auch.

 

Am Montag Abend mussten die Anleger also gleich zweimal auf die Laufbänder und auf die Nachrichtenticker sehen. Zum ersten Mal gibt es Negativzinsen auf deutsche Staatsanleihen. Die Investoren schenken dem Bund Geld. Was zum Henker ist hier los, fragen Sie sich zu Recht.

 

Ein Investor soll das ihm zur Verfügung gestellte Vermögen vermehren. Das ist seine Aufgabe. Doch was passiert hier? Ein Investor freut sich, sein Geld in der Bundesrepublik parken zu dürfen. Er zahlt lieber eine Sicherheitsprämie an den Staat und ist zufrieden, wenn er am Ende des Geschäftes weniger Geld hat als zu Beginn.

 

Während sich die Medien erst einmal positiv zu Negativzinsen äußern, wollen wir deutlich machen, dass dieses Szenario beängstigend ist und nichts, worüber man sich freuen muss. Wenn der Kapitalkreislauf so sehr stockt, dass Investoren sich hüten, Geld bei den Banken zu parken, dann liebe Leser, dann brennt die Hütte – aber richtig.

 

Dass sich die Banken untereinander kein Geld mehr leihen, das war bekannt. Das konnte man an den täglichen über Nacht geparkten Volumen bei der EZB verfolgen. Diese stiegen in der Vergangenheit immer schneller an. Allein zu Beginn dieser Woche, von Montag auf Dienstag, wurden 480 Milliarden Euro von europäischen Banken bei der EZB geparkt. Wenn jemand bei diesen Zahlen noch an einen funktionierenden Geldkreislauf glaubt, der sollte sich an dieser Zahl satt sehen. Da stimmt etwas gewaltig nicht.

 

Früher, als alles noch normal war, da haben die Banken sich das Geld gegenseitig geliehen. Das war so üblich. Jetzt ist die Lage eine ganz andere. Jede Nacht, jeden Tag, kann eine Bank, der man Geld geliehen hat, Pleite gehen. Und dann ist das Geld weg.

 

Während die Bürger noch im „Ruhe bewahren“ Modus fungieren, wissen die Kreditinstitute längst, was die Stunde geschlagen hat. Die Gefahr einer neuen Bankenpleite ist vorhanden. Das ist gar nicht erst seit gestern so, sondern bereits länger. Nur ist die Gefahr mit jedem Tag größer.  Welches Institut wird es zuerst treffen?

 

Aus diesem Grund sind Investoren lieber bereit, dem sicheren Deutschland ihr Geld für 6 Monate zu leihen, trotz negativer Zinsen. Die Investoren glauben, dass Deutschland in solch schwierigen Zeiten der letzte sicherste Anker ist und wohl seine Schulden noch irgendwie begleichen kann, während andere das nicht mehr können.

 

Dass ein Kreditgeber sich freut, dass er sein Geld dem Bund anvertrauen kann, wir reden hier nicht mehr von einer Investition, ist kein gutes Zeichen. So muss die Nachrichtenlage zu den Negativzinsen auch interpretiert werden. Das ist ein schlechtes Zeichen und sollte mit Vorsicht aufgenommen werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

 

 

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