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Zu Beginn des Jahres ist der DAX zunächst fulminant gestiegen, dann die letzten drei Handelstage wieder gefallen. Jetzt fragen sich die Anleger, wie es weitergeht. Ist die Euphorie verpufft und die Börsianer wieder in der Realität angekommen? Wann weiß der Anleger überhaupt, wann die Marktlage „normal“ ist?  Ein wirklich guter Indikator, mit dem man eine Normalität an den Aktienmärkten erkennen kann, ist ein Blick auf die Tops und Flops Liste des DAX.

 

Dabei ist die Flops-Liste die wichtigere. Nein, nicht die Höhe des Kursausschlags ist ausschlaggebend, sondern welche Unternehmen auf der Verlierer Seite der Flops-Liste zu sehen sind. Wenn dort die Bankenwerte Commerzbank und Deutsche Bank ganz oben mitspielen, dann können Sie mit hoher Sicherheit sagen, dass die Börsenwelt wieder normal ist. Das sind die beiden Unternehmen, von denen die Anleger sich am schnellsten trennen, wenn die Rahmenbedingungen des Börsenhandels beachtet werden.

 

Wenn Anleger blind kaufen, dann steigt der Gesamtmarkt und es steigen auch diese Bankenwerte. Sie sind dann nicht mehr in der Flops Liste vertreten. Die Kurse der Finanzwerte steigen gerade eben, weil die Leute blind kaufen. Die Anleger hören dann nicht auf die warnende Stimme in ihrem Kopf. Sie beachten nicht die Risiken, die sie sich mit diesen gewagten Papieren in den Einkaufskorb laden. Diese Risiken sind nicht ohne.

 

Die Deutsche Bank ist eine Teflon Bank. An ihr perlt jede Kritik, jede Klage und jedes Risiko ab. Sie war es, die kurz vor dem Platzen der Immobilienkrise gefährliche Giftpapiere an die ahnungslose IKB verkauft und dann mit dem Finger auf die Jungs gezeigt hat. Die Weste der Deutschen Bank war dadurch rein. Die IKB rutschte zunächst in Schieflage, dann in die Pleite. Die Deutsche Bank aber hatte keine akuten Risikopapiere mehr im Depot und kam mit dem Schrecken davon. Sie ist halt ein Profi am Markt, sie kennt die besten Tricks.

 

Aber auch die beste Teflonbeschichtung nutzt sich irgendwann einmal ab. Die Deutsche Bank konnte sich bisher gut durch die „nicht“ Verantwortung in der Finanzkrise manövrieren. Das scheint jetzt nicht mehr zu gehen. Viele, möglicherweise zu viele Klagen, erreichen das Unternehmen in den letzten Monaten. Besonders aus dem amerikanischen Raum werden Forderungen gegen die Deutsche Bank gestellt, die erst langsam das ganze Ausmaß der Beteiligung des Unternehmens an der Immobilien/Finanzkrise darstellen. Unter anderem verklagte die US-Regierung die Deutsche Bank im September 2011. Im Dezember 2011 haben zwei Hedgefonds Klagen gegen die Deutsche Bank in New York eingereicht.

 

Die Commerzbank als immer defizitäre Staatsbank kann sich schon einmal mit dem Status Pennystock anfreunden. Nicht mehr weit und die Aktie notiert unter 1 Euro. Im Jahre 2007 hatte sie noch über 30 Euro gekostet. Dann kam die Finanzkrise, in der die Bank sich verspekuliert hatte und durch den deutschen Staat gerettet werden musste. Dazu kommt die falsche Übernahme der ebenso defizitären Dresdner Bank, deren Nutzen bisher so niemandem klar ist. Zuletzt machte das Institut mit einer Kapitalerhöhung von 14 Milliarden  Euro auf sich aufmerksam. Der Tenor: diese Bank braucht immer Geld. Chronisch defizitär nennt man das.

 

Und als wäre das nicht schon genug, hat die europäische Bankenaufsicht (EBA) in ihrem letzten Stresstest herausgefunden, dass unter anderem die Deutsche und die Commerzbank ihre Eigenkapitalbasis erhöhen müssen. Es muss nun frisches Kapital im Rahmen einer Kapitalerhöhung beschafft werden. Wie schwer sich das in dem jetzigen Marktumfeld gestaltet, kann man an der Unicredit Bank sehen. Sie wollte 7,5 Milliarden Euro von den Anlegern einsammeln, diese wollten aber den geforderten Preis für die neuen Aktien nicht zahlen. In der Not musste die Unicredit den Preis für neue Aktien um 69% senken, um sie doch noch loszuwerden. Dem Aktienkurs hat das einen ordentlichen Kratzer verliehen. In nur 2 Handelstagen verlor die Unicredit Aktie um 30%. Droht das gleiche Schicksal auch den deutschen Banken?

 

Die Banken sind ein guter Indikator für die Normalität an den Märkten, weil sie besonders empfindlich auf die Nachrichten im Umfeld der Finanz- und Schuldenkrise reagieren. Sie sind wie ein Seismograf. Sie sind in fast alle Geschehnisse (Immobiliendarlehen, Unternehmensfinanzierungen, Investitionen in Staatsanleihen usw.) involviert. Egal, in welchem Markt gerade etwas geschieht, beide Banken sind mittendrin.

 

Droht Unheil, sind die Anleger sofort bereit, sich als erstes von Anteilen dieser beiden Unternehmen zu trennen. Das bedeutet wiederum, dass die Zeit der euphorischen Marktstimmung schwindet. Auf diesem Weg erkennen Sie, dass die Normalität wieder an den Aktienmarkt einkehrt.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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