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An der Börse werden Preise gemacht und Kurse gehandelt. Es sind nur Zahlen, die zirkulieren. Im Zeitalter des elektronischen Handels sind es sogar nur Bit und Bytes. Eine gefühllose Welt, sollte man meinen. Doch das ist weit gefehlt. Dem Verlauf von Aktien und den Indizes werden werden Eigenschaften zugeordnet, die nach gut und böse unterscheiden und menschlich sind.

 

Stellen Sie sich vor, der deutsche Index DAX eröffnet den Handelstag im Plus. Die Kurse sind ein wenig gestiegen, dann lesen Sie Titel wie „DAX eröffnet freundlich„. Freundlich klingt wie der freundliche Nachbar, das freundliche Wetter. Es wird ein Gefühl vermittelt, dass alles seinen Weg geht und die Gemeinschaft sich freuen kann. Die Eröffnung ist eben freundlich. Dem Anleger wird warm ums Herz.

 

Sollten die Pluszeichen stark sein, vielleicht sogar mit einer Kurslücke aufwärts gestartet sein, dann wird von einem deutlichen Plus gesprochen. Das Kraftvolle soll hier ausgedrückt werden. Der DAX strotzt vor Kraft und die Fronten zum Minusbereich sind deutlich markiert. Er ist sozusagen weit weg von einem Minusterrain. Es grünt auf der Börsenwiese, die Kurse steigen. Welch ein starker Auftritt könnte man sagen, solange der Trader nicht short investiert ist.

 

Fragen Sie doch mal einen Trader, der short im Markt ist, ob er diese „freundliche Stimmung“ teilen kann? Wohl eher nicht, denn er hat ja auf fallende Kurse gesetzt. Für ihn müssten die Kurse fallen, damit er sich freuen kann. Auf fallende Kurse zu setzen ist gar nicht unüblich. Die Zeit, in der Anleger Aktien gekauft haben und auf steigende Kurse gewartet haben, ist nicht mehr aktuell. Mit vielen verschiedenen Wertpapieren kann man heute auf fallende Kurse setzen. Wie läuft die Berichterstattung, wenn der DAX fällt?

 

Das Gegenteil einer freundlichen Eröffnung ist der Titel „DAX eröffnet leichter„. Wenn Kurse fallen dann ist das nichts Gutes, das muss dann entsprechend in Worte gefasst werden. Die Mehrheit der Anleger, so scheint es, verlieren bei fallenden Kursen. Das Kapital wird weniger, die Werte im Depot schmelzen dahin, der Inhalt des Portemonnaies ebenfalls, denn es wird leichter, weil weniger drin ist.

 

Der Anleger verliert Geld, wenn Kurse fallen und wird zu einem Leichtgewicht. Er kann mit wenig Kapital nicht viel an der Börse bewegen. Er ist leicht wie Watte, er ist zwar da, kann aber niemandem etwas antun. Er ist das Gegenteil eines Schwergewichts. Das sind große kraftvolle Marktteilnehmer, die etwas bewirken können. Die sozusagen Kurse in Bewegung setzen können.

 

Wenn Kurse leichter notieren, dann ist das ein Zeichen von Schwäche. So kann man in der Berichterstattung bei fallenden Kurse auch von „DAX startet schwach“ lesen. In den Medien sind steigende Kurse ein Ausdruck von Wohlstand und Vermögen, während fallende Kurse mit Verlust und ärmer werden verbunden werden. Das schwächere Notierungen nicht gleich ein Minus im Depot bedeuten, wissen wir bereits.

 

Bei der Berichterstattung über die Finanzmärkte wird zwischen Gut und Böse unterschieden, dadurch wird dem Kursverlauf eine menschliche Note gegeben. Das macht die Berichterstattung psychologisch und damit wären wir wieder an der Börse. Die Börse ist Psychologie.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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