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Sollte man wirklich kritische Worte schreiben, wenn die Börsen in solch einem Freudentaumel sind? Der DAX gewann bereits gestern 3% und heute ist er ebenso stark unterwegs. Zur Mittagszeit weist er ein Plus von 1,2% aus. Das ist mal ein Start in das neue Jahr. Damit der Start nicht als Fehlstart endet, kommt hier eine Warnung, die nicht unbedacht bleiben sollte.

 

Was ist aus den Ratingagenturen geworden? Niemand an den Märkten scheint mehr über sie zu sprechen, obwohl man letztes Jahr besonders viel auf die Bonitätswächter geschimpft hatte. Diese waren in den vergangenen Monaten das Haar in der Suppe. Besonders wenn sie sich den Bemühungen der Politiker in den Weg gestellt haben, war der Aufschrei groß.

 

Man könnte auch meinen, die Ratingagenturen haben den Politikern letztes Jahr Beine gemacht, oder Feuer unter dem Hintern. „Die Politik soll endlich eine Einigung, eine Lösung der europäischen Schuldenkrise erarbeiten“ war die Forderung der Ratingriesen. Dieser Druck hat eine Zeit lang geholfen. Als stiller Beobachter hatte man gelegentlich das Gefühl, die Ratingagenturen sind die Einzigen, die sich trauen, den Mund aufzumachen und zu einem schlechten Ergebnis eines EU-Gipfels auch gefühllos „schlecht“ sagen. Sie waren das letzte Sprachrohr, das aussprach, was die Bürger dachten. „Hallo Politiker – was ihr da von euch gebt, ist Mist“.

 

Erst vor kurzer Zeit war die Angst vor dem Urteil von Standard & Poor’s, vor Moody’s und dem Urteil von Fitch Ratings noch riesengroß. Fast täglich hat man sich gescheut auf die Nachrichtenticker zu blicken, um ja keine weitere Abstufung lesen zu müssen. Es ging sogar soweit, das auch die Großen, wie USA und Frankreich, vor einer Abstufung nicht sicher waren. Jetzt soll an den Börsen wieder heile Welt sein und die Sorge vor den Ratingagenturen ist vergessen?

 

Man sollte die Ratingagenturen nicht aus den Augen verlieren, während man sich über die Pluszeichen an den Kurstafeln freut. „Ja, ja, es ist erst der zweite Handelstag im neuen Jahr, jetzt lasst die Anleger doch in Ruhe einkaufen“, könnte der ein oder andere Leser meinen. Die Einkaufsentscheidung trifft jeder Anleger selbst, es geht darum, das Risiko abzuwägen. Und das Risiko der nächsten Abstufungswelle der Ratingagenturen ist vorhanden.

 

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat ihren nächsten Schritt bereits angekündigt. Es war Anfang Dezember 2011, als sie den Ausblick von fünfzehn der 17 EU Länder auf negativ gesetzt hat. Wenn ein Staat auf die Liste mit dem Ausblick negativ kommt, ist es nicht mehr fern mit der nächsten Abstufung. Es gab noch eine Hoffnung einer Abstufung zu entgehen, indem eine Besserung der Schuldenkrise eingeleitet worden wäre. Dem ist aber nicht so, der letzte EU-Gipfel ging klanglos und ohne Ergebnisse zu Ende.

 

Die Ratingagentur S&P wird ihre Ankündigung jetzt wahr machen, der nächste Zug wird von der Ratingagentur kommen. Die anderen Ratingagenturen schlafen auch nicht. Auch sie arbeiten an weiteren Abstufungen.  Nur über das „wann“ sind sich die Anleger nicht einig. Noch ignoriert man die Gefahr, die von den Ratingagenturen ausgeht. Doch sie ist allgegenwärtig.

 

Die Kurse könnten schnell purzeln, wenn die Kreditwürdigkeit von 15 Ländern der EU auf einmal gesenkt wird. Bei den angespannten Refinanzierungsmöglichkeiten an den Anleihemärkten würde eine weitere Anhebung der Renditesätze für einige Länder schwer zu stemmen sein. Und wie die Aktienmärkte auf eine Abstufungsorgie reagieren werden, kann man sich ausmalen. Die Euphorie wäre schnell dahin.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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