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Der DAX scheint es gut mit den Anlegern zu meinen. Pünktlich kurz vor Weihnachten macht er sich auf den Weg nach Norden und will (oder soll) wohl noch ein versöhnliches Jahresende hinlegen. Die Anleger sind bereits gepolt, haben sie doch schon lange auf eine Weihnachts- oder Jahresendrallye gewartet. An der Börse kann der Schein aber auch trügen. Ein Blick auf den Tageschart zeigt, dass es zum Feiern noch zu früh ist.

 

Die Hoffnung all derer, die auf steigende Kurse setzen, beruht auf dem berühmten Window Dressing. Dabei handelt es sich um große Investoren am Markt, die am Jahresende ihre Performance ausweisen müssen. Bisher sieht deren Leistung mager aus, so werden diese Investoren zusehen, dass die schwachen Positionen im Depot „hochgekauft“ werden und damit sieht das Ergebnis in den Unterlagen weniger schlecht aus als bisher.

 

Den Markt als einzelne Bank oder als einzelner Fonds allein zu bewegen geht natürlich nicht, da aber alle institutionellen Anleger gemeinsam eine gewichtige Größe darstellen, ist eine Marktbewegung in die gewünschte Richtung möglich. Bei einer Marktbeeinflussung geht es immer um den ersten Stein, den man ins Rollen bringen muss. Sobald der DAX ein paar Tage steigt, glauben immer mehr Anleger an die Jahresendrallye und wollen mit auf den angefahrenen Zug springen. Der Anstieg trägt sich dann von selbst.

 

Ein zusätzlicher Faktor, der hinzukommt, ist der geringe Umsatz. Viele Anleger haben sich über die Feiertage in den Urlaub verabschiedet. Jetzt treffen wenige Anleger aufeinander und die Kurse lassen sich mit wenigen Aufträgen in die gewünschte Richtung schieben. Das funktioniert in beide Richtungen. Geringer Umsatz lässt Kurse ebenso schnell fallen wie steigen. In Anbetracht der Window Dressing Problematik, die ein schönes Jahresbild hinterlassen will, stellt dies einen leichten Vorteil für steigende Kurse dar.

 

Soviel zu den positiven Erwartungen der Börsianer. Die Alternative zeigt der folgende Chartausschnitt, welcher den Tagesverlauf des DAX der letzten zwei Monate anzeigt.

 

 

Zu sehen ist ein fallender Trendkanal, der voll intakt ist. Würde man sich dieses Bild ohne Erwartungen an eine Jahresendrallye ansehen, würde man an der positiven Grundtendenz der Anleger zweifeln. Trendtechnisch ist bisher noch nichts gewonnen.

 

Was bei all der Window Dressing Annahme ignoriert wird, ist der Fakt, dass es trotzdem Verkäufer am Markt gibt, die nicht über die unsicheren Weihnachtstage im Markt investiert sein wollen. Diese Investoren veräußern nun ihre Positionen und schließen ihre Bücher. Damit tragen auch sie dazu bei, dass der Umsatz dünn wird. Dieser Anteil der Marktteilnehmer sollte nicht außer Acht gelassen werden.

 

Und noch Eines spielt eine Rolle für die DAX Entwicklung. Einige große Anleger können auch die Strategie verfolgen, alle schlechten Aktien aus den Depots zu werfen, damit man einen sauberen Abschluss erhält und das nächste Jahr ohne Altlasten beginnen kann. Kurzfristig würde das die Performance noch weiter ins Minus drücken, da aber die Leistung für 2011 eh schon dahin ist, wäre es ein denkbarer Weg, den einige Fondsmanager einschlagen könnten. Das würde für fallende Kurse sprechen.

 

Die Kursbewegungen in den letzten Tagen eines Jahres sind meist sehr zufällig. Wie erwähnt, das liegt an der Urlaubszeit und den damit einhergehenden geringen Umsätzen. Egal, wie der DAX sich entwickelt, die Alternative, dass der Index zum Jahresende auch noch mal fallen kann, sollte nicht ausgeschlossen werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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