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Kaffee schmeckt gut, zu viel Kaffee aber schmeckt bitter und schadet der Gesundheit. Ebenso verhält es sich mit Schokolade. In Maßen schmeckt sie gut, zu viel Schokolade aber macht dick. Vieles, was es im Überfluss gibt, ist schädlich. Offensichtlich scheint das auch beim Thema Geld der Fall zu sein. Viele Krisen gab es nur deshalb, weil es zu viel Geld gab.

 

Ende der 90er Jahre gab es die dot.com Krise , weil eine kleine Gemeinde Webtüftler auf zu viel Geld traf. Sie war berauscht von dem neuen Vermögen und konnte damit aufkaufen, zocken, spekulieren, manchmal auch investieren, nur das Geld vermehren, das konnte sie nicht. Die Internetwelt schwamm im Geld, da durch die glänzenden Börsengänge (IPO), die die Banken initiierten, immer frisches Kapital nachkam. Kurzzeitig schien die Welt für immer in Ordnung zu sein.

 

Die dot.com Firmen versprachen den Anlegern das Blaue vom Himmel und diese glaubten es. Noch mehr Geld wurde locker gemacht, um diese Träumerei zu finanzieren. Den Mitarbeitern wurde ebenfalls ein traumhaftes Arbeitsumfeld versprochen, das mit Arbeit kaum zu betiteln ist. Jederzeit konnte man kommen und gehen, Arbeitszeiten waren frei wählbar, Spieleecken wurden eingerichtet, um die Kreativität der Mitarbeiter anzuregen und in der Kantine wurde Sternegerichte serviert. Doch all die Annehmlichkeiten sind nicht beständig, wenn eine Unternehmung mit seinem Geschäftskonzept kein Geld verdient. Das schöne Leben wurde nur durch die frischen Gelder der Investoren erkauft.

 

Sobald der Geldfluss gestoppt war, endete der Traum vieler dot.com Unternehmungen. Jetzt begannen die Unternehmen Geld zu verbrennen. Die Aktienunternehmen vernichteten Kapital, gemessen am Unternehmenswert. Die Spirale, die so angenehm war, als es aufwärts ging, kehrte sich nun um. Die angeworbenen Mitarbeiter wurden wieder entlassen, die Sterneköche ebenfalls.

Wenn man zu viel Geld hat und es nicht erst erarbeiten muss, dann ist man eher geneigt, Dinge zu probieren und Risiken einzugehen. Mit „eigenem“ Geld würde man sich eine Fusion oder eine Akquisition mehrmals überlegen, mit fremdem Geld geht das ganz einfach.

 

Weil es zu viel Geld gab, entstand auch der Immobilienboom oder Immobilienhype, wie man es nennen möchte. Sie folgte der dot.com Blase. Durch den Zusammenbruch der Techfirmen und dem Abschmieren der Aktienmärkte reagierten die Zentralbanken der Welt und senkten die Leitzinsen stark. Die Zentralbanken fluteten die Märkte mit billigem Geld. Wieder wurde neues Geld geschaffenen. Diesmal hatten die Investoren, aber auch die Bürger keine Lust mehr, in den Aktienmarkt zu investieren; hatten sie sich doch beim letzten Mal ganz schön die Finger verbrannt. Die Investoren liehen den Aktienunternehmen weniger Geld und die Bürger brachten das neue Geld nicht mehr den Fonds, die es dann für sie in Aktien anlegten. Also suchte sich das neue Geld den Weg in den Immobilienmarkt.

 

Der Immobilienmarkt begann sich aufzublähen. Immer mehr Geld wollte angelegt werden. Immer mehr Bürger wollten ein Eigenheim besitzen. Die Banken, schlau wie sie sind, befeuerten den Boom mit entsprechenden vertrieblichen Maßnahmen. Mit scheinbar günstigen Finanzierungsmöglichkeiten wollten sie jeden Bürger zum Eigenheimbesitzer machen. Das Besondere: die gleichen Banken verdienten auch an der dor.com Krise, weil sie jeden Bürger zum Aktienbesitzer machen wollten.

 

Der Immobilienhype lief genauso ab wie der Aktienhype. Ein Objekt, das gekauft wurde, stieg im Preis und weil der Preis stieg, stiegen neue Käufer ein und kauften wiederum Objekte. Weil die Objekte gut nachgefragt waren, stiegen deren Preise, davon wollten wiederum viele profitieren und billig kaufen und teuer verkaufen. Immobilien wurden zum Spekulationsobjekt. So ging es wieder bergauf mit der Geldspirale. Immer mehr und am Ende zu viel Geld floss in den Immobilienmarkt, der dies nicht absorbieren konnte. Die Immobilienblase platzte.

 

Die Immobilienkrise ebnete gleichzeitig den Weg in die Derivatekrise. Die Banken bündelten die Forderungen gegenüber den Hausbesitzern und verkauften diese weiter. Die Käufer dieser Produkte, meist ebenfalls Finanzinstitute, fanden die Idee genial und machten das Gleiche. Auch sie bündelten ihre Forderungen, garnierten sie mit einer guten Bewertung einer Ratingagentur und verkauften diese weiter. Eine einzige Forderung wurde somit mehre Male weiterverkauft. So blähte sich ein Markt auf, welcher Billionen von Dollars bewegt und völlig dereguliert ist. Das ist deshalb beängstigend, weil das Platzen der Derivatekrise alle anderen Krisen bisher in den Schatten stellen wird. Sie ist hoch explosiv.

 

Auffallend in all den obigen Beispielen ist, dass die Banken immer eine Krise mit anfeuern und an ihr verdienen. Sie brachten all die Bürger in den Aktienmarkt (Stichwort: Volksaktie), die dann ihr Geld verloren haben. Sie animierten Menschen mit geringen und durchschnittlichen Einkommen, endlich eine Immobilie zu erwerben, die sie sich nicht leisten konnten. Kurze Zeit nach dem Erwerb musste das neue Haus zwangsverpfändet werden. Der Traum vom Eigenheim platzte schnell. Und auch bei den Derivaten sind die Banken die ersten, die für jede Situation ein Produkt entwickeln können. Dafür lassen sie sich gut bezahlen, das Risiko trägt aber jemand anderes. Die Banken verkaufen die Schaufeln, während andere nach Gold suchen.

 

Geld tut dem Markt und auch den Menschen nicht gut. Sobald eine Grenze des Normalen überschritten ist, wird Geld zum Problem. Jetzt sind die Zentralbanken wieder dabei, dem Markt frisches Geld zur Verfügung zu stellen. Diesmal noch viel mehr als all die Male zuvor. Wieder wird zu viel Geld in den Markt gepumpt, der sich diesmal in einer starken Inflation (allgemeine Preissteigerung) entladen wird.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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