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Die Krise verselbständigt sich. Während die Beteiligten noch vor Wochen auf eine Lösung der Krise durch Merkel und Sarkozy im Rahmen eines EU-Gipfels gehofft hatten, wartet man nun auf ein Zeichen des Marktes, wie es nun weitergeht. Die Steuerungsfunktion ist nicht mehr bei der Politik, sondern man wartet wie das Kaninchen vor der Schlange auf das nächste Ereignis. Die Zügel sind nicht mehr in der Hand eines Lenkers, sondern ein Ereignis löst eine Folgereaktion aus. Die Krise ist außer Kontrolle.

 

Die USA geht auf Distanz zu Europa

Bisher hat man aus Amerika ein schnelles Handeln in Europa gefordert und eine baldige Lösung der Euro-Schuldenkrise erwartet. Es passiert aber seit vielen Monaten nichts. Europa hat nichts vorzuweisen, wie es mit der Schuldenkrise umzugehen gedenkt. Nun handeln amerikanische Bürger: der Geduldsfaden ist gerissen und das Vertrauen ist dahin. Sie ziehen ihr Geld von US-Töchtern ausländischer Institute ab. Deren Einlagen fielen im November auf 879 Milliarden Dollar (677 Milliarden Euro). Ein Jahr zuvor waren es noch 1056 Milliarden Dollar und bis zum Mai kletterten die Einlagen sogar auf 1171 Milliarden Dollar. Das sind über 20% Mittelabfluss und bisher der stärkste Rückgang.

 

FED will nicht helfen

So langsam bröckelt auch die zur Schau gestellte Solidarität. Beim letzten EU-Gipfel hat man beschlossen, dass Europa noch stärker mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammenarbeiten soll, um die Krise zu bekämpfen. Ein wesentlicher Teil der Gelder des IWF werden von den USA eingebracht, man hat in Europa also mit der Hilfe Amerikas gerechnet. Es kommt nun anders als gedacht. Die amerikanische FED will dem IWF unter keinen Umständen Geld geben, damit dieser europäische Schuldenstaaten retten kann. Der Chef der amerikanischen Notenbank FED, Ben Bernanke, machte klar: „die Europäer sollen sich selbst retten“.

 

IWF erwartet Depression

Die Chefin des IWF, Christine Lagarde, hat schon einmal das schlimme Wort der Depression in den Mund genommen. Um die Euro-Schuldenkrise zu meistern, bedürfe es der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und weiter: sollte die Hilfe ausbleiben, könne es zu einer ökonomischen Depression wie in den 1930er Jahren kommen. So, nun ist es ausgesprochen, was man seit Jahren kommen sieht und noch immer verdrängt. Die Krise schlittert in die Depression, ohne dass man das verhindern kann. Es läuft wie automatisiert.

 

Warten auf die Ratingagenturen

Die Krise ist in einer Phase, in der die Ereignisse zunächst eintreffen und dann wird hastig reagiert. Es wird aber nur passiv gehandelt und nicht mehr agiert. Die Krise diktiert die Regeln. Derzeit wartet man mit jedem Tag auf das Urteil der Ratingagentur Standard and Poor’s (S&P). Diese hatte vor dem letzten EU-Gipfel 15 der Eurostaaten (darunter auch Deutschland) auf „credit watch negative“ gesetzt. Das heißt übersetzt: Wir beobachten euch und haben ein schlechtes Gefühl; wir werden euch abstufen, wenn ihr auf dem kommenden EU-Gipfel keine umfassende Lösung präsentiert. Nun ist der Gipfel vorüber und niemand ist mit den Beschlüssen zufrieden. Jetzt wird gewartet, wann die Bonitätswächter ihre Drohung wahr machen und zum großen Schlag ausholen.

 

Die Ratingagentur Fitch bringt es auf den Punkt: „Eine umfassende Lösung der Krise in der Eurozone sei technisch und politisch „außer Reichweite“. Die Reaktion fällt dementsprechend aus: Sie setzt den Ausblick für die Bonität von Belgien, Spanien, Slowenien, Italien, Irland und Zypern auf negativ und droht mit einer Abstufung. Für Frankreich wurde die Kreditwürdigkeit von stabil auf negativ gesenkt, ohne die Bestnote AAA zu verändern.

 

Ähnlich verhält es sich mit den Keditratings von Finanzunternehmen. Dieser werden nun reihenweise heruntergestuft und man erwartet jeden neuen Tag weitere Senkungen. Es wird wild gesenkt, denn es trifft sowohl europäische als auch amerikanische Institute. Erst am Freitag (16.12.2012) senkte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit mehrerer Bankinstitute herunter, darunter auch die der Deutschen Bank.

 

Die Krise ist außer Kontrolle

Man erkennt sehr gut, wie die Entscheidungsgewalt für Veränderungen nicht mehr von einem Staat oder deren Politiker ausgeht, sondern von einer Ratingagentur oder den Märkten im Allgemeinen. Es wurde hier oft geschrieben, dass die letzte Chance, eine Veränderung durch die EU selbst zu erarbeiten, nicht genutzt wurde. Das Zepter ist nun an die Märkte gewandert und diese urteilen schmerzfrei.

 

Lassen Sie sich den vierten Advent nicht vermiesen. Die Krise läuft jetzt ihr Programm ab, auf das Sie selbst keinen Einfluss haben. Die Regeln werden von anderen gemacht und der Prozess des Zerfalls (EU, Euro), welcher bereits begonnen hat, lässt sich nicht mehr aufhalten.

 

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen ruhigen vierten Advent.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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