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An den unterschiedlichen Umgangsformen der Politiker, Banker und denen der normalen Bürger kann man eine Zweiteilung der Gesellschaft besonders gut erkennen. Was für den einfachen Mann schlecht ist, gilt nicht für die Eliten. Das ist nicht erst seit gestern so, doch mit dem neuen Job für den Herrn zu Guttenberg als Internetbeauftragter der EU-Kommission ist der Bock zum Gärtner ernannt worden. Das Volk kann sich nur wundern.

 

Zunächst einmal geht es bei Herrn von und zu Guttenberg um denjenigen, der seine Doktorarbeit abgeschrieben hat. Er hat wesentliche Teile seiner Arbeit von anderen Leuten ohne deren Wissen kopiert. Nachdem das bekannt wurde, hat er zunächst vehement bestritten, dann ein „vielleicht“ eingeräumt und am Ende hat er es zugegeben. Jetzt könnte man man meinen, der Herr weiß besonders gut, wie man im Internet Quellen anzapft und ist Experte im „copy & paste„, doch es wurmt zu sehen, wie gewissenlos über seine Tat weggesehen wird.

 

Wo ist die Reue für diese Tat? Man erkennt überhaupt gar kein Schuldgefühl. Als hätte dieser Mann kein Unrecht getan, veröffentlicht er ein neues Buch, tritt wieder in Talksendungen auf und erhält einen angesehenen neuen Job. Die Kaste der Eliten ist eine ganz andere als die der Bürger. Für sie ist Unrecht ein Fremdwort und die Wahrheit ein nötiges Laster. Während sich der Bürger von klein an immer an die Wahrheit halten soll, er mit Aussprachen wie „an die Wahrheit soll man sich immer halten“ oder mit Lob Untermalung „Er sagt wenigstens die Wahrheit“ versorgt wird, gilt das nicht für die Eliten.

 

Das Kopieren anderer Leute Arbeit scheint wohl eine Art Kavaliersdelikt zu sein. Solange man nicht erwischt wird, macht man es weiter und wenn jemand einem auf die Schliche kommt dann „Mea culpa“. Der Karriere tut das keinen Abbruch. Auch die FDP Politikerin Koch-Mehrin ist trotz eindeutiger Beweislage nicht zur Einsicht zu bringen. Ihre Doktorarbeit wurde zu recht aberkannt, weil sie abgeschrieben hatte. Und trotzdem ist sie sich keiner Schuld bewusst. Sie hat jetzt Klage vor dem Karlsruher Verwaltungsgericht eingereicht. Da scheint jemand an seinem Dr. Titel zu hängen, anstatt beschämt den Blick auf den Boden zu senken.

 

Es geht darum, dass ein Schuldgefühl bei den Tätern vermisst wird. Wieso können Menschen, in diesem Fall aus der Politik, Unrechtes tun und nicht dafür belangt werden? Sie, als normaler Bürger, würden mit aller Härte der Justiz betraft werden, aber für die Leute aus der Politik, die die Unwahrheit sagen, scheint dies nicht zu gelten. Zu Guttenberg und Koch-Mehrin sind nur die aktuellen Gestalten in einer langen Liste von Beispielen. Denken Sie nur an den brutalstmöglichen Aufklärer, den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Koch, der erst jedes Wissen über schwarze Konten der CDU geleugnet hat und später aufgeflogen ist. Im Volksmund ist das eine Lüge gewesen, der normale Bürger hätte sein Gesicht verloren und kaum jemand hätte dieser Person wieder geglaubt. Nicht so in der Politik. Koch machte einfach weiter und ist jetzt Vorstandsvorsitzender von Hochtief.

 

Und noch einer sollte in dieser Aufzählung nicht fehlen. Alt-Kanzler Helmut Kohl. Als es nach der Wende um die Aufarbeitung seiner Stasi-Akte ging, sagte das Schwergewicht doch einfach „Nein“. Er werde keine Aussage machen. Während alle Stasi-Betroffenen ihre Vergangenheit aufdecken und aufklären mussten, war das für den Bundeskanzler nicht gültig. Soviel zu unserer Justiz im Lande. Ungleichbehandlung ist die Regel.

 

Was für die Politik gilt, ist in der Finanzwelt nicht anders. Wenn Banker Millionen ihrer Kundengelder versemmeln, dann zucken sie mit der Schulter und machen sich gleich daran, die nächste Million zu verzocken. Wenn der kleine Mann  sich verspekuliert und der Bank Geld schuldet, dann wird er mit hohen Dispozinsen zunächst erdrückt und wenn das Geld nicht bald zurück gezahlt, wird er zu einer Ratenzahlung verdonnert.

 

Die Diskrepanz zwischen Realität und Scheinwelt kommt auch in der Beratungstätigkeit der Banken zu Tage. Die Bank berät zu ihrem Vorteil. Das weiß auch jeder Bürger, doch leider ist es scheinbar legal geworden. In der „normalen“ Welt ist das ganz anders. Wenn Sie Ihrem Kunden nicht zu seinem Vorteil verhelfen würden, würde dieser nie wieder ein Geschäft mit Ihnen eingehen. Bei den Banken ist diese Regel ausgesetzt. Da stimmt etwas nicht in unserer Gesellschaft, mag der eine oder andere Leser sagen und recht hätte er.

 

In der Gesellschaft sind große Gräben geöffnet worden in denen mit unterschiedlichem Maß bewertet wird. Kaum einer der Privilegierten ist sich seines unrechtmäßigen Handelns bewusst, obwohl die objektiven Fakten einen anderen Schluss zulassen. Man hält unter den Politikern, den Bankern, den Aufsichtsratsvorsitzenden zusammen. Denn viele könnten auch mal einen „Fehler“ begehen und werden die Hilfe der Kumpane brauchen. Deshalb zeigt man nicht aufeinander.

 

Was befähigt einen zu Guttenberg, Fachmann für Internetfreiheit zu sein? Vielleicht weil er besonders gut weiß, wie man Quellen anzapft, vielleicht weil er besonders gut die Suchfunktion des Browsers benutzen kann oder weil er die Kopierfunktion perfekt beherrscht? Derjenige, der das Internet für seine Machenschaften missbraucht hat, wird nun zum Internetbeauftragen ernannt.

 

Die EU-Kommission hat sich hier nicht mit Ruhm bekleckert. Sie trifft ebenfalls eine Schuld, weil sie nicht in der Lage ist, aus moralischen Gründen vor solch einem Schritt, nämlich den Bock zum Gärtner zu machen, nicht zurückschreckt.

 

Besonders im Falle zu Guttenbergs ist eine Verrohung der gesellschaftlichen Werte zu erkennen. Von Scham keine Spur, von Reue auch keine. Sich seines Fehlers bewußt zu werden, wäre ein Anfang. Den Fehler, seine Schandtat, aber zu ignorieren, ist ein Armutszeugnis für jemanden, bei dem jegliche Moralwerte verloren gegangen sind.

 

Ein Vorteil der kommenden Depression ist, dass wichtige Werte wieder etwas wert sein werden, während Blender und Möchtegernstars an Wert verlieren werden.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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