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Die Bankenaufsicht EBA hat kürzlich einen neuen Stresstest veröffentlicht. Demnach fehlen europäischen Banken 115 Milliarden Euro. Die EBA (European Bank Authority) ist das gleiche Institut, das noch im Sommer getestet hatte und die Bankenwelt für gut aufgestellt befunden hatte.  Jetzt hat sie ihre Meinung geändert. Es heißt jetzt: Die europäischen Banken brauchen frisches Kapital. Besonders deutsche Banken brauchen Geld.

 

Die Glaubwürdigkeit der Europäischen Bankenaufsicht EBA ist schon seit Mitte des Jahres dahin. Denn im Sommer wurde mit dem letzten Stresstest die französisch/belgische Bank Dexia mit gut getestet. Im Herbst ging das Unternehmen dann Pleite und musste gestützt werden. Wer also dem Test der EBA Glauben geschenkt hatte, wurde bitter enttäuscht. Schnell wurden Forderungen laut, die Anforderungen an den Stresstest zu erhöhen. Niemand glaubt letztendlich einem Test, bei dem die Anforderungen, die an die Institute gestellt werden, windelweich sind. So war es dann auch. Der letzte Test war nicht mehr das Papier wert, auf dem er geschrieben stand.

 

Der Grund, warum die Banken bei jedem Test mit Samthandschuhen angefasst werden ist so schlicht wie einfach: Man hat Sorge vor dem Ergebnis. Würde man nämlich echte Bedingungen im Stresstest anwenden, dann würde man erkennen, wie schlecht die Banken dastehen. Das will man vermeiden.

 

Der neue Stresstest:

Nachdem also das Image der EBA stark angekratzt war, musste man nochmal neu testen, diesmal etwas strenger – aber auch nicht ganz so streng. Denn es geht nicht darum, einen echten Stresstest durchzuführen, sondern darum, das Vertrauen der Märkte zurück zu gewinnen. Das Besondere: Die Märkte sind unter anderem eben die Banken, die man auf Herz und Nieren prüfen will.

 

Der neue Test der EBA brachte ganz andere Zahlen zu Tage als man bisher annahm. Bisher ging man von einem Kapitalbedarf für deutsche Banken von 5,2 Milliarden aus, tatsächlich liegt der Bedarf aber bei 13,1 Milliarden Euro. Das verteilt sich folgendermaßen auf die Institute.

 

 

Die betroffenen Institute haben Zeit bis Ende Juni 2012, sich das fehlende Geld zu besorgen. Es fragt sich nur: Woher nehmen und nicht stehlen?

 

Die Commerzbank steht schon wieder mit einem Schuh am Abgrund und wird möglicherweise wieder einmal beim Staat anklopfen. Das Unternehmen hat eine aktuelle Marktkapitalisierung von 6,8 Milliarden Euro und benötigt 5,2 Milliarden Euro frisches Geld. Das hört sich gar nicht gut an, ist es auch nicht. Bis auf den Steuerzahler, der retten muss, wird sich wohl kein privater Kapitalgeber finden, der jetzt noch Mittel zur Verfügung stellt.

 

Die Deutsche Bank hat sich von ihrem Renditeziel von 25% verabschiedet. Zu sehr drücken die Belastungen hier und dort, sodass man nicht mehr klotzen kann. Kleckern muss jetzt auch mal reichen. Die Deutsche Bank wird die Milliarden aber zusammenkratzen können.

 

Eigentlich dürften die Landesbanken gar nicht auf dieser Liste auftauchen. Aber auch sie wollten mit den Großen im Finanzcasino mitspielen und zocken. Das ist die Quittung dafür. Je reeller die Bedingungen sind, die an ihre Anlagen gestellt werden, je mehr Kapital brauchen sie, das sie nicht haben.

 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass man keinem Stresstest im positiven Sinn glauben kann, denn es kommt immer schlimmer. Finanzinstitute lagern gefährliche Papiere aus und sie benutzen staatlich genehmigte Bilanzierungstricks um zu kaschieren, was die Allgemeinheit nicht sehen soll. Ihnen auf die Schliche zu kommen, um das tatsächliche Desaster zu erkennen, ist fast unmöglich, auch für einen Stresstest.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Ihr

start-trading Team

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